Aus Angst vor dem Coronavirus An Pfingsten drohen massive Staus in Bayern

Hüseyin Ince ist Redakteur im Lokalressort der Abendzeitung.
Im Stau: Autos ohne Ende. Foto: Sven Hoppe/dpa

Aus Angst vor dem Coronavirus werden mehr Familien die sichere Variante wählen und mit dem Auto reisen, statt mit Bus oder Bahn. Wo der ADAC Brennpunkte erwartet.

 

München - Früher waren es sehr oft die Baustellen, die für unendlichen Stillstand und Ärger während der Reisephase zu Ostern oder Pfingsten sorgten – natürlich in Kombination mit der großen Zahl an Fahrzeugen, die sich zu Beginn der Ferien beinahe gleichzeitig Richtung Ferienziel auf die Reise machten.

Staugefahr: Mehr individuellen Autoverkehr erwartet

Doch heuer zu Pfingsten wird alles anders sein. Andere Faktoren werden am kommenden Freitag und Samstag eine große Rolle spielen und für ungewollt lange Reisen durch Staus sorgen. Die Baustellen-Situation sei eigentlich so entspannt wie schon lange nicht mehr, so Verkehrsexperte Alexander Greipel beim ADAC Südbayern. Das Coronavirus aber wird – wenig überraschend – die Hauptrolle spielen. Zum einen erwartet der ADAC Südbayern, dass aus Sorge vor Ansteckung deutlich mehr Familien den individuellen Autoverkehr statt Bus oder Bahn bevorzugen werden.

Zudem seien innerdeutsche, vor allem bayerische Naherholungsgebiete heuer extrem gefragt, so Greipel. Stau-Brennpunkte wegen Baustellen wird es dennoch geben. Im Süden des Freistaats ist insbesondere das Dreieck rund um Starnberg im Münchner Südwesten ein Thema. Aber auch die Bauarbeiten an der A 9 in der Holledau oder die Situation rund um Fürth und Erlangen bereiten so manchem Sorgenfalten. "Den Frankenschnellweg sollte man meiden", so Greipel, "derzeit verzeichnen wir dort eine starke Baustellentätigkeit."

"Nach dem Lockdown ist über die Feiertage auch der Lkw-Verkehr freigegeben"

Außerdem besteht weiterhin wegen Corona eine internationale Reisewarnung des Auswärtigen Amtes. Das zwingt zum Deutschland-Urlaub. Insgesamt eine schwierige Gemengelage. Ob man das Chaos an beliebten Reisezielen vermeiden kann? "Das ist mehr Wunsch als Wirklichkeit", antwortet Greipel. Der Auto-Club rechnet mit einem intensiven Kfz-Verkehr, zwar nicht ganz so extrem wie in den 1960ern, als sich viele Deutsche erstmals ein eigenes Fahrzeug leisten konnten, aber so ähnlich. Und nicht zu vergessen: "Nach dem Lockdown ist über die Feiertage auch der Lkw-Verkehr freigegeben", so Greipel. Bedeutet: viel Zusatzverkehr. Vor allem an den Startpunkten von Bergwanderungen erwartet der ADAC einen massiven Andrang. Greipel rät: "Da sollte man sich gut überlegen, ob man an den Feiertagen in die Berge fahren muss oder die Wandertour nicht doch verschieben kann." Um zumindest technische Komplikationen auszuschließen, rät der ADAC Südbayern zu einem Fahrzeug-Check. Die Reise soll sich schließlich nicht wegen eines sichtbar kaputten Reifens oder wegen Ölverlusts verzögern. Flüssigkeitsstände solle man vor einer längeren Fahrt unbedingt kontrollieren.

Nicht auszudenken, wie viel Zeit man zusätzlich verliert, wenn mitten im Stau der Motor streikt, der Reifen platt ist, Kühlmittel ausläuft oder die Klimaanlage ausfällt. Das kann einem im schlimmsten Fall den ganzen Urlaub vermiesen. Die meisten Münchner Werkstätten bieten professionelle Fahrzeug-Checks an. Markus Kreuzer, Mitglieds-Manager beim ADAC Südbayern, rechnet sogar mit einer Art Renaissance des Autos – wegen Corona. Für viele sei es schließlich die perfekte Methode, "die gebotene Distanz zu wahren". Daher, so Kreuzer, glaube er auch, dass nicht nur der Reiseverkehr, sondern auch der Pendelverkehr zur Arbeit mit eigenem Fahrzeug spürbar zunehmen werde, "vielleicht sogar bis ins Jahr 2021 hinein".

 

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