Aufwind am Nil Das Comeback der Ägyptenreise

Ballon in Theben West vor dem Hatschepsut-Tempel Foto: Bernd Kregel

Tänzelnde Lichtreflexe auf dem Nil, mythologische Vielfalt, anrührende Zärtlickkeiten. Nach längerem Abwarten erweist sich Ägypten, das Land der Pharaonen, erneut als unwiderstehlich.

Es ist ein Wettlauf mit der Sonne, die sich mit einem schmalen Lichtstreifen am östlichen Horizont ankündigt. Ein stimmungsvoller Augenblick, der an der Nilschleife von Luxor bereits in der Pharaonenzeit alltägliche Begeisterung hervorrief. Denn Sonne bedeutete Leben. So wie auch der Nil selbst, der alljährlich durch seinen Schlamm Wachstum und Gedeihen hervorbrachte.

Ein weiterer fauchender Feuerstrahl überwindet schließlich die Schwerkraft und trägt den bunt gestreiften Ballon wie eine riesige Christbaumkugel hinauf in den Nachthimmel. Knarrende Seile tragen die enge Korbgondel, aus der heraus neugierige Augenpaare die Umrisse in der Uferlandschaft des Nils auszumachen versuchen. Ein Lehmziegeldorf hier, ein Palmenhain dort, die mit zunehmender Höhe sogleich auf Spielzeugformat zurechtgestutzt werden.

Tänzelnde Lichtreflexe auf dem Nil Dann endlich schiebt sich die rötlich schimmernde Sonnenscheibe über den östlichen Horizont und verwandelt die Dämmerung in Licht.

Dabei belebt sie mit tänzelnden Lichtreflexen den behäbig dahin gleitenden Strom. Schon fällt ihr heller Strahl auch auf die beiden steinernen Memnon-Kolosse, die früher einmal, so weiß Ballonführer Hisham zu berichten, im warmen Hauch des Wüstenwindes ein unerklärliches Klagelied anstimmten, das jedoch mit ihrer Renovierung alsbald verstummte.

Mit Luftströmungen kennt Hisham sich nur allzu gut aus. Und doch hat er selbst unter Einsatz seiner Zugseile nur geringe Einflussmöglichkeiten auf die Fortbewegung des Ballons. Denn dessen Richtung kennt allein der Wind. Und der führt das Gefährt heute in federhafter Leichtigkeit vorbei am Totentempel der Pharaonin Hatschepsut. Angelehnt an eine hoch aufragende Felswand strahlen seine in der Morgensonne leuchtenden Kolonnadenreihen aus weißem Kalkstein bedeutungsvoll herauf.

Anrührende Zärtlickkeit

Schon wird im Zentrum des zerklüfteten Gebirgsmassivs von Theben West das mit Spannung erwartete Tal der Könige erkennbar. Legendäre Begräbnisstätte der Pharaonen über mehrere Dynastien hinweg. Oftmals ausgeplündert durch skrupellose Grabräuber, die die kostbaren Grabbeigaben entweder einschmolzen oder aber durch Weiterverkauf über die ganze Welt verstreuten. Nur die heute berühmteste aller Totenkammern entging ihrem Zugriff - das Grab des Tutanchamun.

So ist es Ehrensache, nach der bemerkenswert weichen Landung der Gondel am Rande der Steinwüste, diesem Grab die Ehre zu erweisen. Gleich hinter den in die Tiefe hinab führenden legendären sechzehn Treppenstufen kommt es drunten zu einer unerwarteten persönlichen Begegnung mit dem Pharao, dessen gut erhaltene und doch zerbrechlich wirkende Mumie sofort starke Emotionen auslöst. Ebenso wie das in mattem Gold gehaltene Wandgemälde über dem Sarkophag, auf dem Göttin Hathor den Körper des jungen Gottkönigs dem Totengott Osiris anvertraut. Unglaublich bewegend, mit welcher Geste anrührender Zärtlichkeit der Gott der Unterwelt sich des verstorbenen Jünglings annimmt.

Geräuschkulisse klappernder Hufe

Auch andere Grabkammern laden an diesem Vormittag mit ihren Kunstwerken zur Besichtigung ein. Davor Gruppen von Besuchern, denen ihre Neugierde leicht anzumerken ist. Hat nach mehrjährigem Zögern das touristische Leben am Nil wieder Tritt gefasst? „Willkommen, willkommen“, ruft schließlich auf der Ostseite des Nils der Händler auf dem Markt von Luxor einer Besucherschar zu, die sich ihm unter der Geräuschkulisse klappernder Pferdehufe in ihren wendigen Kutschen nähert. Offensichtlich gilt diese Herzlichkeit jener wachsenden Vorhut von Reisenden, die sich nach den politischen Irritationen der letzten Jahre nun wieder ins Reich der Pharaonen vorwagen. Der Bann, soviel zeichnet sich in diesen Tagen deutlich ab, scheint inzwischen gebrochen.

Mythologische Vielfalt

Eine Nilkreuzfahrt bietet anschließend die Gelegenheit, in weiteren Gesprächen diese ermutigenden Wahrnehmungen zu vertiefen. An Deck der „M/S Nile Crown II.“, die als eines der mehr als dreißig wieder fahrbereiten Kreuzfahrtschiffe in stilvoller Eleganz von Luxor aus entlang der palmengesäumten Uferlandschaft in Richtung Süden dahin gleitet.

Während der Fahrt reihen sich die von den Pharaonen gestifteten Highlights ägyptischer Tempelkultur aneinander: vom Horus-Tempel in Edfu bis hin zur prächtigen Isis-Tempelanlage von Philae mit ihren jeweiligen nächtlichen Lichteffekten .

Modellstadt für urbanes Leben

Ganz anders die neue Welt von El Gouna. Jene idyllische Kunststadt an der Festlandseite des Roten Meeres, die gegen Ende des letzten Jahrhunderts als eine Modellstadt für urbanes Leben in Ägypten konzipiert wurde. Durchzogen von gewundenen Kanälen, wirkt sie wie ein nordafrikanisches Venedig und atmet besonders an den großzügig angelegten Marinas den Geist südländischer Wohnlichkeit. Die Tig Marina ist die bekannteste unter ihnen. Sie ist mit ihren orientalisch konzipierten Hausfassaden und der hochkarätigen Bootskulisse zugleich der Schauplatz für außergewöhnliche kulinarische Events, die hier regelmäßig zelebriert werden. Zum Angebot gehören dabei auch Weine, die nur wenige hundert Meter entfernt produziert werden. In einer Weinkellerei, die unter Einsatz europäischer und amerikanischer Standards der bisherigen ägyptischen Weinkultur neue Orientierungsmarken setzt.

Sportlicher Ausgleich

Ergänzend zur Kulinarik wird aber auch der sportliche Ausgleich in der Stadt großgeschrieben. Mit ihrem modern ausgestalteten Golfplatz, einem komfortablen Angebot von Tauchbasen, mehreren Kitesurfing-Stationen und einer der größten und modernsten Wakeboardanlagen der Welt. Damit bewährt sich El Gouna erneut als begeisternder und zugleich unkomplizierter Aufenthaltsort für die schönsten Wochen des Jahres.

Reiseinformationen „Ägypten“:

Anreise

Von Frankfurt, Leipzig, Düsseldorf und München mit Sun Express direkt nach Luxor. Zurück über Luxor/Hurghada. Oder nach Hurghada mit Sun Express, Condor, Air Berlin und dann auf dem Landweg per Bus nach Luxor.

Einreise

Es genügt ein noch 6 Monate gültiger Reisepass. Das Einreisevisum nach der Landung kostet Euro 25,00.

Reisezeit

Ganzjährig. Bevorzugt werden Herbst bis Frühjahr, heiß im Sommer.

Reiseveranstalter

Günstig mit Marktführer FTI. Geboten wird ein großes Ägypten-Programm für alle Regionen und Destinationen; Service Center: Tel. 089-710451498 oder Buchung im Reisebüro.

Unterkunft

Luxor: Maritim Jolie Ville, El Gouna: Mövenpick Resort und Spa,; Dawar El Omda Hotel,

Auskunft

Ägypt. Generalkonsulat, Tourismus-Abteilung, Kaiserstrasse 66, 60311 Frankfurt, Tel. 069-92020955,

Reiselektüre

Isa Ducke, Natascha Thoma: Ägypten, Die klassische Nilreise, DuMont Reiseverlag, 2. Aufl. 2014, ISBN 978-3-7701-7351-8, Euro 17,99

 

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