Auf dem Aubinger Herbstfest versucht Markus Söder, sich in die Sorgen von Stadtrandbewohnern einzudenken

München - Nicht, dass die örtliche CSU Hilfe aus Franken bräuchte, den Münchner Westen zu verteidigen – Gott bewahre. Die Partei hat in der Stadt hier immer noch ihre Hochburgen. Aber wenn Markus Söder schon kommen mag – ja, wer sollte da denn Nein sagen?

Zum dritten Mal in Serie ist der Ministerpräsident dieses Jahr aufs Aubinger Herbstfest gekommen. "Und mir gefällt's hier immer besser", sagte er bei einem politischen Frühschoppen am Samstag zur Begrüßung. Über sein Anzug-Outfit hatte er sich einen Trachtenjanker geworfen. Passte irgendwie besser zur Atmosphäre im Festzelt. Bevor Söder aber richtig loslegte, durften erst noch die lokalen Parteigrößen ran.

Ludwig Spaenle im Wahlkampfmodus

Bürgermeister Josef Schmid betonte, wie fest verbunden seine Partei mit dem Herbstfest sei. Die Hauptorganisatoren: CSUler. Der Schirmherr: ein CSUler. Nur vor großen Wahlen würden sich auch mal andere Parteien auf dem Festplatz in Aubing blicken lassen, so Schmid: "Wir aber sind für Sie das ganze Jahr da."

Ludwig Spaenle, der Münchner Parteichef, schaltete im Wahlkampfmodus dann einen Gang nach oben: Die AfD ("alternative Nazis"), die FDP ("feige Demokraten") und die SPD ("Vielleicht schafft sie's noch in den Landtag") – alle bekamen eine mit.

Söder: Bayern ist das Paradies auf Erden

Ministerpräsident Söder gab sich im Vergleich dazu geradezu staatstragend. Fast eine Stunde lang stand er auf der Bühne und erläuterte dabei ausführlich, warum das Leben in Bayern seiner Ansicht nach so paradiesisch ist: "Wir sind schlauer, intelligenter und schöner als alle anderen." Dass die CSU daran einen wesentlichen Anteil hat, daran ließ Söder keinen Zweifel. Das Pflegegeld, das Familiengeld, die Eigenheimzulage – all das gebe es in dieser Form nur in Bayern.

Ein richtiges Geschenk wie kürzlich an der Isar hatte Söder für die Aubinger nicht dabei. Bei einer Stippvisite am geplanten Flussbad hatte der Ministerpräsident vergangene Woche überraschend einen millionenschweren Zuschuss für das Planschprojekt zugesagt. Seine örtlichen Parteifreunde hatten ihm aber einiges eingeflüstert, wo die Aubinger momentan der Sorgenschuh drückt.

So machte Söder also kurzen Prozess mit der Idee von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), zur Linderung der Wohnungsnot am Stadtrand stellenweise auch Hochhäuser zu bauen. "Wir brauchen keine Bettenburgen in den Gartenstädten", schimpfte er. Man dürfe gewachsene Strukturen nicht einfach so zerstören.

In den Reihen gab's da viel Kopfnicken. Manch einer schwenkte zum Abschluss sogar eins der CSU-Fähnchen, die auf den Biertischen bereitlagen. Der Münchner Westen – für die CSU ist das hier eben immer noch ein Heimspiel.

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