Auftakt gegen Freiburg "Mister Bundesliga" ist wieder da: Der Jupp-Reiz

Jupp Heynckes bei seiner Verabschiedung vor vier Jahren - nun ist er zurück. Foto: dpa

Mit dem Heimspiel gegen Freiburg beginnt die vierte Heynckes-Ära beim FC Bayern – 30 Jahre nach seiner Trainer-Premiere in München. 

 

München - Mit 72 Jahren, da fängt das Leben an. Im Fall Jupp Heynckes noch einmal ganz neu. Oder ist vor dem 643. Bundesliga-Match als Trainer alles Routine?

643 Spielvorbereitungen, Besprechungen und Aufstellungen, das sind bei 34 Spielen pro Saison – und da muss man erst mal tief durchpusten – knapp 19 komplette Spielzeiten. Mehr Erfahrung geht nicht für den Mann, der seit "50 Jahren im Fußball-Geschäft" ist, wie er auf der Spieltags-Pressekonferenz anmerkte.

"Da kann der Puls schon mal höher gehen"

Daher die Frage an "Mister Bundesliga" vor dem Wieder-Einstieg ins Trainergeschäft mit dem Heimspiel seiner Bayern am Samstag (ab 15:30 Uhr im AZ-Liveticker) gegen den SC Freiburg: "Herr Heynckes, geht der Puls hoch, wenn die 75.000 im Stadion Sie feiern werden?" Heynckes ist kein Mensch, der schnell antwortet. Er schaut den Fragesteller intensiv, mal durchdringend, mal schelmisch lächelnd an. Er überlegt, bevor er spricht.

"Die Menschen verknüpfen große Erwartungen mit mir, darüber bin ich mir im Klaren", sagt der Triplesieger-Trainer von 2013. Heynckes kann witzig und direkt sein, geradeaus, die rheinische Frohnatur eben. Aber manchmal holt er auch aus, lässt seine Gedanken Gassi gehen durch sein Leben. "Ich habe wahnsinnig viel erlebt, als Spieler und Trainer", betont er seinen Pluspunkt Erfahrung und leitet daraus ab: "Ich bin Realist, ein sachlicher, nüchterner Mensch, kann aber auch emotional sein. Da kann der Puls am Samstag schon mal höher gehen." 

Der Erfolgs-Optimist

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen – sollte es eins werden. Anspannung ja, aber auch Sicherheit, Vertrauen in die eigene Stärke werden ihn bei seinem Comeback, seinem vierten Einstand als Bayern-Trainer begleiten. "Wichtig ist, dass ich vorher mit meinem Trainerteam meine Hausaufgaben gemacht habe, das erleichtert meine Arbeit", sagt der 72-Jährige, dem der neue, alte Job an alter Stätte wieder Spaß macht.

Denn: "Ich war ein leidenschaftlicher Spieler und bin ein leidenschaftlicher Trainer. Wir haben viele Reize gesetzt." Der Jupp-Reiz. Außerdem sei er schon "immer ein optimistischer Mensch". Sonst hätte er sich von seinem Freund Uli Hoeneß auch nicht überreden lassen, mitten in der Saison einzusteigen, gegen seine Prinzipien. "Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass sich der Erfolg wieder einstellen wird. Sonst hätte ich es auch nicht gemacht." 

Bayern-Trainer-Debüt vor 11.032 Tagen

Einer, der weiß, was er tut. Der die Wirkung seiner Worte kennt. Sein allererstes Spiel als Bayern-Trainer ist eine Weile her. Eine Generation. Und Ewigkeiten im Fußball. Es war der 1. August 1987, also vor exakt 11.032 Tagen, als Heynckes mit einem 3:1-Erfolg bei Borussia Dortmund in die Saison startete.

Das Erbe von Udo Lattek, der von 1985 bis ‘87 einen Meister-Hattrick geschafft hatte, wirkte wie ein steter Ballast. Am Ende konnte der gebürtige Mönchengladbacher Heynckes die Erwartungen nicht ganz erfüllen, wurde mit vier Punkten Rückstand auf Werder Bremen Vizemeister. Im April 2009 sprang er für einige Wochen nach dem gescheiterten Experiment mit Jürgen Klinsmann ein – als Nothelfer.

Cando drückt aufs Gemüt

Das erste von nur fünf Spielen zum Saisonende gewannen die Bayern mühsam mit 2:1 gegen Borussia Mönchengladbach. Als er dann zur Saison 2011/12 die Arbeit von Louis van Gaal fortführte, setzte es zum Auftakt ein 0:1 gegen Gladbach. Die Saison mündete im Triple-Vize-Desaster, ein Jahr später gewann man alles. Nun folgt der nächste Kick-Start von Heynckes.

Er ist gut drauf, einzig die Sehnsucht nach seinem daheim auf dem Bauernhof im Schwalmtal zurückgebliebenen Schäferhund Cando drückt aufs Gemüt. "Ich vermisse ihn hier. Er hat zwei Tage nicht gefressen", erzählte Herrchen Jupp und verzieht das Gesicht. Er habe zur Linderung seinem Liebsten eine Sprachnachricht geschickt, die Ehefrau Iris zu Hause Cando vorspielte. Retour bekam er ein tiefes Schnurren – von Kater Nero. 

Lesen Sie hier: Vor dem Freiburg-Spiel - Jupp Heynckes: Ribéry funktioniert bei mir!

 

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