Aufsteiger Augsburg Luhukay: "Die Krönung eines Märchens"

Jos Luhukay, Augsburgs Aufstiegstrainer, freut sich leise über den Aufstieg – und will nur „kleine Knaller” holen

 

AZ: Herr Luhukay, nochmal Glückwunsch zum Aufstieg. Mit ein paar Tagen Abstand: Haben Sie schon realisiert, was am Sonntag passiert ist?

JOS LUHUKAY: Ich war zwei Tage in Holland bei meiner Familie und habe dort den Erfolg genossen. Ich bin ja ein ruhiger Typ und habe dann auch sehr ruhig gefeiert.

Der FC Augsburg steigt zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in die Bundesliga auf und Sie bleiben ruhig?

Ich habe es sehr genossen, unsere Geschichte zu begreifen, die wir die letzten zwei Jahre mit dem FC Augsburg geschrieben haben. Ich habe schon gefeiert, aber auf meine zurückhaltende Art.

Die Augsburger ließen es aber ganz schön krachen...

Das waren schon Verhältnisse, die man normalerweise von den Augsburgern nicht gewohnt ist. Es war einfach sehr schön, das alles zu sehen.

Und für Sie war es ziemlich feucht. Erst gab’s eine Wasserdusche, dann auch noch Bier.

Ja, das gehört ja zu solchen freudigen Momenten voller Emotionen dazu. Es waren am Sonntag nach dem Schlusspfiff fantastische Augenblicke. Dafür ist man Sportler und Trainer. Wenn dann solche Dinge nach dem Spiel passieren, dann kann man auch so eine Ladung Bier genießen.

Ist der Aufstieg der schönste Moment in Ihrer Karriere?

Ich habe diesen Moment schon vier Mal erleben dürfen. In Gladbach war es von der Drucksituation viel größer, aber in Augsburg war es mehr zum Genießen. Dieser Erfolg geht mir näher als der Aufstieg damals mit der Borussia. Wir haben das hier mit aller Ruhe und unglaublicher Professionalität hingekriegt, dass wir mit dem kleinen Augsburg diese schöne Geschichte geschrieben haben.

Ein kleines Märchen?

Das kann man so sagen. Der Aufstieg ist die Krönung eines Märchens. Ich habe mich riesig gefreut für meine Mannschaft und für die Fans.

Wie wichtig ist der Aufstieg für den Verein?

Wir müssen das in den nächsten Tagen erst mal so richtig begreifen. Als ich vor zwei Jahren gekommen bin, musste ich noch den Abstieg aus der 2. Liga verhindern. Welche Entwicklung der Verein genommen hat, das ist extrem: Wir haben ein fantastisches Stadion und rund um den Verein eine tolle Atmosphäre entwickeln können. Aber wir sind noch am Anfang.

Was muss besser werden?

Unsere Trainingsmöglichkeiten sind absolut nicht erstligatauglich. Wir müssen die ganze Infrastruktur verbessern. Aber da kann uns so ein Jahr Bundesliga auch bei den nächsten Schritten weiterhelfen. Wir müssen vieles professionalisieren, damit die tägliche Arbeit auf Erstliga-Niveau ausgeführt werden kann.

Wie muss die Mannschaft verändert werden, um Erstliga-Niveau zu haben?

Wir wollen versuchen, die Mannschaft zusammenzuhalten und dann noch punktuell verstärken. Ich brauche keinen großen Knallertransfer. Ich kann auch mit kleinen Knallern und guten Charakteren etwas erreichen.

Es ist für den FCA der dritte Aufstieg in zehn Jahren. Auch ein großer Verdienst des Mäzens und Präsidenten Walther Seinsch, oder?

Absolut! Ohne ihn hätten wir das nicht erreichen können. Ich habe mich riesig gefreut, dass er auch zum Feiern dazu gekommen ist. Er hat das Spiel nicht gesehen, aber hat danach groß mitgefeiert. Einen Mann, der so viel für den Verein geleistet hat, so tanzen zu sehen, das war schön anzuschauen. Das habe ich innerlich sehr genossen.
Interview: Reinhard Franke

 

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