Auch Costa zu Juve Schlechte Transferpolitik von Turin? Zweimal CL-Finale!

Turins Giorgio Chiellini hält den Pokal hoch und jubelt mit seiner Mannschaft über den Sieg im Pokalfinale der Coppa Italia. Foto: Gregorio Borgia/AP/dpa

Der Transfer von Douglas Costa zu Juventus Turin scheint nur noch eine Frage der Zeit. Damit wechselt erneut ein Spieler nach Italien, der sich anderswo nicht durchsetzen konnte. Was nach Resterampe klingt, ist vielleicht eine gewagte, aber erfolgreiche Transferstrategie.

 

München/Turin - Gianluca Di Marzio gilt als einer der Transfer-Gurus des italienischen Sportjournalismus. Dass Douglas Costa vor dem Sprung vom FC Bayern München zu Juventus Turin steht, war schon länger bekannt - doch laut dem "Sky Italia"-Reporter steht der Medizincheck kurz bevor (Mittwoch), nur noch Details seien zu klären. Costa würde mit einer Leihgebühr von sechs Millionen Euro und einer anschließenden Kaufpflicht (40 Millionen Euro) zum teuersten Transfer der Geschichte des deutschen Rekordmeisters werden.

Die Münchner Fußball-Fans werden sich verwundert die Augen reiben: Juve zahlt für einen Spieler, der sich nie vollends durchsetzen konnte, fast 50 Millionen und damit um einiges mehr als Real für den zweimaligen Champions-League-Sieger Toni Kroos?

Bei den Bayern ist Costa nie wirklich angekommen: Es gab zwar gute Auftritte - ironischerweise stach seine Leistung beim 4:2-Achtelfinalsieg in der Champions League gegen Juve (15/16) heraus - doch Stammspieler wurde der Brasilianer in München nie, zu stark und konstant spielte die Konkurrenz um Ribéry und Robben.

Italienische Resterampe? Von wegen!

Das Interesse der Italiener könnte also überraschen, doch neu ist das Vorgehen der Verantwortlichen von Turin nicht: Alvaro Morata (Real Madrid), Andrea Barzagli (VfL Wolfsburg), Medhi Benatia (Bayern München), Juan Cuadrado (FC Chelsea), Mario Mandzukic (Atletico Madrid) - die Liste von Spielern, die in ihren früheren Vereinen nicht unumstritten waren und in Turin zu stabilen Leistungsträgern wurden, ist lang. Sehr lang, nimmt man mit Dani Alves und Patrice Evra auch Alt-Stars auf, die andere Clubs verkaufen wollten, um den Kader zu verjüngen.

Sie alle wurden oder werden behutsam aufgebaut in Turin, bis sie ihr volles Leistungsvermögen ausschöpfen können. Und so stand Abwehrspieler Barzagli mit der alten Dame in zwei Champions-League-Finals - der VfL Wolfsburg verkaufte, nein verschenkte den Italiener 2011 für 300.000 Euro.

Risiken, die sich auszahlen

Nicht immer gelingt das Vorgehen, aber immer öfter: Hernanes, nach seiner Zeit bei Lazio Rom und Inter Mailand in Italien kein Unbekannter, konnte sich nicht durchsetzen und zog weiter nach China. Dennoch zeigen sowohl der sportliche Erfolg als auch die erzielten Transfererlöse, dass die Strategie durchaus ihre Berechtigung hat.

Darmstadt, das deutsche Juventus?

Auch Darmstadt hat einen ähnlichen Weg eingeschlagen: Die Lilien holten zu günstigen Preisen Spieler und hielt in der Bundesligasaison 2015/2016 die Klasse - vor allem dank Neuzugängen wie Sandro Wagner, Peter Niemeyer, Konstantin Rausch und Christian Mathenia. Viele dieser Kicker spielen immer noch in der ersten Liga, doch nicht mehr bei Darmstadt - sie nutzten den Verein als Sprungbrett, um sich für höhere Aufgaben zu empfehlen und sind jetzt sogar Confed-Cup-Sieger.

Der Unterschied dürfte in den finanziellen Möglichkeiten liegen, denn was bei Darmstadt im ersten Bundesligajahr gelang, führte im zweiten zum Abstieg. Juventus Turin dagegen ist dank exzellentem Scouting und einem bedeutenden Namen stets in der Lage auch Spieler von großem Format zu erkennen und zu verpflichten.

Hinzu kommt, dass sich bei Juve hinter den etablierten Stars eine neue Generation anschickt, das Ruder zu übernehmen. Auf nahezu jeder Position wachsen Nachwuchsstars nach, die bereits Fußball-Luft auf höchstem Niveau schnuppern können. So könnte es sein, dass in absehbarer Zeit ein Wechsel der Strategie bei Turin ansteht - weg von altbewährten Neuverpflichtungen zu günstigen Preisen, hin zu einer echten Chance für Top-Talente.

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