Atom-Katastrophe Reaktoren außer Kontrolle: Die nächste Wolke

 

In Fukushima explodiert der zweite Reaktor, ein dritter ist extrem gefährdet. Brennstäbe sind zeitweilig völlig ohne Kühlwasser – und ein US-Flugzeugträger dreht wegen Strahlung ab.

Tokio – Explosionen, Rauchpilze vor strahlend blauem Himmel. Die Atom-Katastrophe in Japan geht weiter. In einer riesigen Wolke zerbarst der Reaktor 3 im Atomkraftwerk Fukushima 1 – zwei Tage nach der Explosion von Reaktor eins. Und ein dritter Reaktor ist hoch gefährdet. Ein US-Flugzeugträger vor der Küste hat wegen der Strahlung den Kurs geändert. Man kann nur hoffen, dass die Betreiber von Fukushima Recht haben mit ihrer Beschwichtigungspolitik. Noch sei es „nur“ eine Wasserstoff- Explosion im Reaktor 3.

Das Dach und die Wände des Meilers sind weggeflogen – aber der Druckbehälter halte noch dicht. Darin sei „gigantische Radioaktivität“, sagte Heinz Smital von Greenpeace, darunter das Supergift Plutonium. Die Radioaktivität habe „das Potenzial, auch über hunderte von Kilometern noch extreme Dosen, die gesundheitsgefährdend sind, zu verfrachten“. Jetzt komme es darauf an, dass die extreme Radioaktivität im Kessel bleibe. Entscheidend sei nun eine stabile Kühlung. Das müsse aktiv etwa mit Hilfe von Meerwasser gemacht werden. „Wenn man die Sache nur sich selbst überlässt, würde alles Wasser verdampfen und der Kessel durchgeschmolzen werden.“ Die Plutonium-Brennstoffe seien eine Besonderheit, sagte Smital. Er vertraue der japanischen Regierung, dass zurzeit die „ganz große Freisetzung“ verhindert werde.

Unfälle in weiteren Atomkraftwerken, die nach den Beben und dem Tsunami vom Freitag beschädigt sind, schloss Smital nicht aus. „Es sind im Prinzip in der Region 14 Kraftwerksblöcke, die betroffen sind.“ Drei seien abgeschaltet gewesen, die übrigen elf seien schnell abgeschaltet worden. Allerdings: „Eine Schnellabschaltung ist ja keineswegs eine Entwarnung, weil die extreme Hitze, die der Reaktor weiter produziert, nicht irgendwie abschaltbar ist.“ Diese könne zu einer großen Kernschmelze und einer „gigantischen Freisetzung“ führen. Man kämpfe also de facto umeine Vielzahl von Reaktorblöcken. Besondere Sorgen macht jetzt Reaktor zwei. Dessen Brennstäbe waren zeitweise völlig ohne Wasser. Technikern gelang es, 30 Zentimeter Meerwasser in die Kühlung zu pumpen. Die Reaktorgesellschaft schließt nicht aus, dass die Kernschmelze dort schon begonnen hat.

Dieser Vorgang, der in der Zerstörung des Druckbehälters und der unkontrollierten Freisetzung von Strahlung enden könnte, droht demnach akut in allen drei Reaktoren. Wieviel Strahlung ausgetreten ist, bleibt unklar. Die USMarine hat jedenfalls den Hilfseinsatz ihrer Schiffe vor der japanischen Küste am Montag wegen einer leichten Verstrahlung ausgesetzt. In derUmgebung, an Hubschraubern und bei ihren Besatzungsmitgliedern sei eine geringe Dosis Radioaktivität festgestellt worden, teilte die US-Marine mit. Der Flugzeugträger USS Ronald Reagan und andere Schiffe seien daraufhin an eine andere Stelle beordert worden, um nicht mehr Winden aus Richtung des Atomkraftwerks Fukushima ausgesetzt zu sein.

Unbestätigt blieb, dass der Flugzeugträger durch eine „atomareWolke“ gefahren sei. Mehrere Crewmitglieder hätten binnen einer Stunde eine Monatsdosis Strahlung abbekommen, schreibt die New York Times. Die Höhe der Dosis wurde von der Marine dementiert. Die Strahlung war den Angaben zufolge auch bei 17 Mitgliedern von Helikopterbesetzungen nach ihrer Rückkehr von Hilfseinsätzen nahe der schwer getroffenen Stadt Sendai festgestellt worden. Die Helikopter würden vorerst nicht starten, bis eine Strategie erarbeitet sei, die Besatzungen besser vor der Strahlung zu schützen.

 

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