Ast sorgte für Sperrung Chaos auf der Stammstrecke: S-Bahn-Schreck im Berufsverkehr

Kurz vor neun Uhr morgens am Ostbahnhof. Tausende Menschen drängen sich am Bahnsteig, um einen Platz in einer U-Bahn zu ergattern. Foto: privat

Ein Kurzschluss hat am Morgen Massenpanik im Bahnhof Rosenheimer Platz ausgelöst. Manche fürchteten einen Anschlag. Polizei und Feuerwehr rückten an.

 

München - Der Morgen begann für viele Pendler auf dem Weg zur Arbeit mit einem ohrenbetäubenden Knall. Rauch zog durch den Bahnhof am Rosenheimer Platz. In Panik rannten die Leute über die Rolltreppen raus ins Freie. Viele hatten Angst, es könnte sich um einen Anschlag handeln.

„Hier gab es eine Explosion“, meldeten gegen 7.20 Uhr morgens aufgeregte Anrufer in der Einsatzzentrale der Polizei. Zweimal krachte es kurz hintereinander ohrenbetäubend.

Einige Fahrgäste glaubten, im Bahnhof Schüsse gehört zu haben. Dazu breitete sich plötzlich dunkler Rauch am Bahnsteig aus. Viele Menschen, darunter zahlreiche Schulkinder, drängten aus zwei stehenden S-Bahnen. „Jeder versuchte, so schnell wie möglich aus dem Gefahrenbereich zu kommen“, berichtet ein AZ-Leser.

Kurzschluss wegen Ast

Panisch rannten die Menschen über den Bahnsteig zu den Ausgängen in Richtung Oberfläche. Etwa 20 Streifenwagen der Polizei rasten zum Rosenheimer Platz, dazu nochmals sechs Busse der Einsatzhundertschaft. Spezialeinheiten standen bereit. Doch sie mussten nicht eingreifen. Was zunächst wie ein Anschlag aussah, entpuppte sich schnell als Kurzschluss in der Oberleitung der S-Bahnstammstrecke.

Die Feuerwehr rückte an, weil durch die Entladung auch die automatische Brandmeldeanlage im Bahnhof angesprungen war. Doch zu löschen gab es nach dem Kurzen nichts.

Der Bahnhof Rosenheimer Platz wurde geräumt. Aus Sicherheitsgründen wurde der Betrieb auf der Stammstrecke ab 7.39 Uhr gesperrt. Die Züge im Westen endeten in Pasing. Die vom Osten am Ostbahnhof oder am Heimeranplatz.

Techniker der Bahn untersuchten die liegengebliebene S-Bahn am Rosenheimer Platz. Ursache für den Kurzschluss war nach Angaben eines Bahnsprechers ein vom Sturm abgerissener Ast, der sich offenbar im Stromabnehmer des Zuges verfangen hatte und den Kurzschluss in der Oberleitung ausgelöst hat.

Frust im Berufsverkehr

Die Folge war ein Verkehrskollaps im morgendlichen Berufsverkehr. Viele Fahrgäste wichen auf die U-Bahn aus. Die Züge waren völlig überfüllt, auf den Bahnsteigen standen die Leute dicht gedrängt. Viele U-Bahnen waren bereits überfüllt, als sie die Bahnhöfe erreichten. „Die einen konnten nicht aussteigen, die anderen kamen nicht rein“, es war das totale Durcheinander“, sagt Jessica H. (17).

Kurz nach neun Uhr war eine Röhre der Stammstrecke wieder frei. Zunächst fuhr die S 4 wieder durch den Tunnel, weitere Linien folgten.

Gegen 10.30 Uhr gelang es, den defekten S-Bahnzug im Tunnel abzuschleppen. Zeitgleich arbeiteten Techniker der Bahn an der Reparatur der beschädigten Oberleitung. Gegen 11.30 Uhr war der Defekt behoben. Immer mehr Züge fuhren wieder, allerdings mit erheblicher Verspätung.

Kurz vor 13 Uhr dann die nächste Panne auf der Linie der S 7 nach Kreuzstraße. Grund war eine Weichenstörung in Neubiberg.

Bis zum Feierabend hatte sich der Betrieb im Münchner S-Bahn-Netz wieder einigermaßen eingespielt.

Die Sperrung der Stammstrecke pünktlich zum Wochenbeginn löst bei den Münchnern mächtig Ärger aus - dem sie auf Twitter Luft machen. Einige Beispiele von frustrierten Pendlern:

 

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