Armes Nürnberg Jeder Dritte hat 'nen miesen Job

Gleiches Geld für gleiche Arbeit: Der Gewerkschaftsbund fordert, dass Leiharbeiter ab dem ersten Tag so bezahlt werden wir ihre fest angestellten Kollegen. Foto: dpa

NÜRNBERG Unterbezahlt und unsicher: Von 322.000 Beschäftigten, die im Jahr 2009 gezählt wurden, arbeiten 118.000 in einem miesen Job – mehr als jeder Dritte! „Das sind Arbeitsverhältnisse, von denen niemand leben kann”, sagt Mittelfrankens DGB-Chef Stephan Doll. Viele der Betroffenen brauchen als Aufstocker zusätzliche staatliche Hilfe vom Amt. Der Gewerkschaftsbund hat diese erschreckenden Zahlen jetzt vorgelegt.

 

Zu den so genannten prekären Beschäftigungsverhältnissen gehören auch die Leiharbeiter. „Die Kollegen sind die ersten, die rausgeworfen werden, wenn es in der Firma schlecht läuft. Eine vernünftige Lebens- und Familienplanung wird dadurch fast unmöglich”, sagt Doll. In Nürnberg zählte der DGB zuletzt 12.900 Leiharbeiter, Tendenz steigend. Doll: „Inzwischen dürften es 15.000 sein!” Nürnberg hat damit eine doppelt so hohe Leiharbeiter-Quote wie der Bundesdurchschnitt!

Fast schon amerikanische Verhältnisse

Aber auch Werkvertragsverhältnisse, Heim- und Telearbeit, Saisonarbeit, freie Mitarbeit, Job-Sharing, Aushilfsbeschäftigung sowie Mini-Jobs (400 Euro im Monat) und Midi-Jobs (400 bis 800 Euro im Monat) zählt die Gewerkschaft dazu. Wer so beschäftigt ist, verdient häufig zu wenig zum Leben.

„Wir haben deshalb mit der Tendenz zum Zweitjob in Nürnberg schon fast amerikanische Verhältnisse”, interpretiert Doll den Anstieg der Mini-Jobs. Deren Zahl erhöhte sich zwischen 2005 und 2009 um zehn Prozent auf 55.100. Doll: „Bei Männern ist diese Quote sogar noch stärker gestiegen. Viele brauchen das Geld aus dem Mini-Job, weil sie ihre Familie sonst nicht über Runden bringen könnten. Das ist ein sozialpolitischer Skandal!”

Auch Teilzeitarbeit gehört für den DGB zu den miesen Jobs. Doll: „Oft ist die nicht gewollt. Die Aufstiegs-Chancen für Teilzeitarbeiter sind geringer und bei gleicher Tätigkeit werden sie viel schlechter bezahlt.” 49.900 Teilzeitjobs gab es laut der DGB-Studie im Jahr 2009 in Nürnberg, 45 Prozent mehr als im Jahr 2005!

Betroffen: Vor allem junge Menschen

Vor allem jungen Menschen sind von solchen schlechten Beschäftigungen betroffen. „Das ist die Generation prekär”, sagt DGB-Jugendsekretär David Schmitt. 69 Prozent der Menschen unter 30 verdienen unter 2.000 Euro brutto im Monat und haben lediglich einen befristeten Arbeitsvertrag. „Dabei müssten in diesem Lebensabschnitt sichere Perspektiven für eine Familienplanung vorhanden sein!”

Der DGB fordert als Gegenmaßnahmen: einen allgemeinen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde, gleiche Bezahlung für Leiharbeiter ab dem ersten Tag und einen Übernahme-Anspruch für befristet Beschäftigte. M. Reiner

 

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