Arbeitserlaubnis entzogen Für den afghanischen Kollegen: Eine Baufirma geht in den Streik

Tavus Qurban (r.) ist bei seinen Kollegen beliebt. Sie alle stehen hinter ihm. Foto: Baufirma Strasser

Weil Tavus Qurban die Arbeitserlaubnis entzogen werden soll, lässt das Unternehmen Strasser heute zwei Stunden lang die Arbeit ruhen. So will die Chefetage um ihren Angestellten kämpfen.

München - Tavus Qurban ist all das, was man im hierzulande als „voll integriert“ bezeichnet. Er lebt seit sechs Jahren in Deutschland, spricht hervorragend Deutsch, hat einen Job, eine eigene Wohnung, zahlt Miete, Steuern und Krankenversicherung.

Trotzdem stehen Tavus Qurban schlechte Zeiten bevor. Denn ab dem 1. Oktober soll seine Arbeitserlaubnis nicht weiter verlängert werden. Weil Qurban vor sechs Jahren ohne Geburtsurkunde nach Deutschland gekommen ist, konnte ihm bislang noch kein deutscher Pass ausgestellt werden.

Auch mehrere Termine beim afghanischen Konsulat brachten keinen Erfolg. Im Gegenteil. Ihm wird nur ein afghanischer Pass angeboten, was im Grunde einer Abschiebung nach Afghanistan gleichkommt. Eine Rückkehr nach Afghanistan kommt für Tavus Qurban nicht infrage. Seine ganze Familie ist mittlerweile aus dem Land geflohen. Ein Großteil hat in Australien eine neue Heimat gefunden.

Für Tavus Qurban ist Deutschland seine neue Heimat geworden.
Zu diesem neuen Stück Heimat gehört auch die Baufirma Strasser in Winhöring (Kreis Altötting). Seit April 2012 ist er dort beschäftigt und ist laut Geschäftsführung voll integriert. „Dass Tavus Qurban jetzt, wo alles gut läuft und er im Unternehmen voll integriert ist, nicht mehr arbeiten darf, ist für alle im Unternehmen mehr als unverständlich. Das will und wird das Unternehmen Strasser nicht akzeptieren“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.

An allen Baustellen der Firma wird die Arbeit niedergelegt

Um sich für den Verbleib ihres Kollegen einzusetzen und Solidarität zu demonstrieren, wird an allen Baustellen der Firma am heutigen Freitag von 10 bis 12 Uhr die Arbeit niedergelegt. Außerdem kommen die Mitarbeiter am Hauptsitz in Winhöring für ein Gruppen- und Solidaritätsfoto zusammen. „Wir haben unseren Beitrag als mittelständisches Unternehmen zum Thema Integration geleistet – nun erwarten wir dasselbe von den Behörden und fordern daher: endlich einen Pass und eine uneingeschränkte Arbeitserlaubnis für Tavus!“, heißt es in einem Facebook-Eintrag, mit dem sie ihre Aktion ankündigt.

Die Reaktionen auf die Aktion sind überwiegend positiv

Das Echo darauf ist riesig. Bis gestern Abend wird der Eintrag fast 60 000 Mal geteilt. Internet-Nutzer machen der Firma Mut und bekunden ihre Solidarität. „Schande den Behörden!“, kommentiert ein Nutzer auf Facebook. Eine andere Nutzerin hat den Beitrag geteilt und lobt die Firma Strasser: „Ihr seid das Deutschland, was Mut macht. Ich wünsche Tavus, dass die Behörden diese Abschiebepolitik überdenken.“

Ob die Aktion etwas bringt, wird sich zeigen. Die Bauherren wurden im Vorfeld von der Firma Strasser schriftlich darüber informiert und um Verständnis gebeten. Die Kosten des Baustopps trägt die Firma gerne. Geschäftsführer Stefan Birnbacher sagte dem Internetportal „Innsalzach24“: „Es ist mir egal, was diese Aktion kostet.“ Grob überschlagen soll es sich um rund 20 000 Euro handeln.    

 

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