Antriebslos und ständig müde DAK-Psychoreport: So depressiv ist Deutschland

Der Dauerstress im Büro führt oft zu einem Burnout. Bei ersten Anzeichen sollte man sofort handeln. Foto: dpa

Bedrückt, antriebslos und ständig müde: Bei immer mehr Menschen werden Depressionen und andere psychische Erkrankungen diagnostiziert.

 

München - Wie der gestern veröffentlichte DAK-Psychoreport zeigt, schlägt sich das auch in den Krankschreibungen nieder. Das Ergebnis: Die Zahl der Fehltage wegen Seelenleiden ist extrem angestiegen – der Report im Überblick.

Die Zahlen:  Diagnosen wie Depressionen, Angststörungen und andere psychische Leiden verursachten im vergangenen Jahr knapp 17 Prozent aller Fehltage. Auf 100 DAK-Versicherte entfielen 237 Ausfalltage. Dieser Anstieg ist beispiellos. Bei keiner anderen Krankheitsart gibt es eine vergleichbare Entwicklung: Seit 1997 hat sich die Anzahl der durch psychische Erkrankungen verursachten Fehltage damit verdreifacht. 2014 betrug die Betroffenenquote bei den psychischen Erkrankungen in Deutschland 4,9 Prozent. Das bedeutet, dass jeder 20. mindestens einmal mit einem psychischen Leiden krankgeschrieben war.

Männer und Frauen: Frauen waren mit 6,5 Prozent im vergangenen Jahr fast doppelt so häufig betroffen wie Männer (3,6 Prozent). Langwierig waren die Fälle bei beiden Geschlechtern. Im Schnitt dauerte eine Krankschreibung 35,1 Tage. Auffällig ist: Sowohl bei den Frauen als auch den Männern gibt es einen deutlichen Anstieg bei den Fehltagen durch psychische Erkrankungen. Während im Jahr 1997 die Zahl der Ausfalltage pro hundert weibliche Versicherte 94 betrug, waren es 2014 bereits 303 Tage. Bei den Männern waren es 1997 lediglich 62 Fehltage pro 100 Versicherte, bis 2014 ist dieser Wert auf 181 Tage angestiegen.

Die Diagnosen: Bei den psychischen Erkrankungen wird unterschieden zwischen verschiedenen Diagnosen. Auffällig ist hier den Angaben zufolge der hohe Anteil von Depressionen. Fast jeder zweite Fehltag aus psychischen Gründen wird damit begründet. Während Depressionen im Jahr 2000 lediglich 37 Fehltage pro 100 Versicherte verursachten, waren es 2014 bereits 112. Mit großem Abstand folgen Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen (42 Fehltage pro 100 Versicherte) und neurotische Störungen (21 Fehltagen pro 100 Versicherte).

Die Branchen: Krankschreibungen aufgrund von psychischen Erkrankungen sind je nach Berufsgruppe sehr unterschiedlich. Insgesamt, also über alle Branchen hinweg, gab es im Jahr 2014 deswegen durchschnittlich 237 Tage pro 100 Versicherte. Psychisch am fittesten sind die Menschen in der Baubranche Dabei gibt es einige Branchen, die deutlich über diesem Wert liegen. Vor allem zwei Wirtschaftsgruppen fallen auf: das Gesundheitswesen und die öffentliche Verwaltung. Bei ersterer waren 51 Prozent aller Fehltage mit psychischen Erkrankungen begründet – das liegt weit über dem Durchschnitt. Ähnlich ist es bei der öffentlichen Verwaltung. Auch hier liegt der Wert mit 31 Prozent weit darüber. In psychisch guter Verfassung sind laut dem DAK-Report übrigens die Menschen, die im Baugewerbe arbeiten. Hier wurden die wenigsten Fehltage wegen seelischer Erkrankungen verzeichnet.

Die Bundesländer: Die Analyse zeigt auch, dass es im Bundesgebiet starke Schwankungen gibt. So zählen Baden-Württemberg und Bayern die wenigsten Arbeitsunfähigkeits-Tage wegen psychischen Erkrankungen. In Bayern gab es nur 192,5 Fehltage deswegen. Damit haben die Bayern den niedrigsten Wert und liegen weit unter dem bundesweiten Durchschnitt. Spitzenreiter ist das Saarland: Berufstätige hier haben besonders lange wegen seelischer Leiden im Job gefehlt (305,7 Fehltage pro 100 Versicherte).

Die Experteneinschätzung: Kann man nun allein aufgrund dieser Studie sagen, dass die Zahl psychischer Erkrankungen enorm gestiegen ist? Experten sagen: nein. „Die auffällige Steigerung bei den Fehltagen ist dadurch erklärbar, dass sowohl Ärzte als auch Patienten heute offener mit psychischen Problemen umgehen“, sagte Hans-Peter Unger vom Zentrum für seelische Gesundheit der Asklepios Klinik Hamburg-Harburg. „Früher wurden eher körperliche Beschwerden diagnostiziert, in denen sich psychische Erkrankungen häufig manifestieren.“  

Für den DAK-Psychoreport hat das Berliner IGES Institut die Daten zur Arbeitsunfähigkeit von rund 2,6 Millionen berufstätigen DAK-Versicherten analysiert.

 

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