Anschlag in Istanbul Türkische Zeitung macht Deutschland verantwortlich

, aktualisiert am 08.06.2016 - 18:20 Uhr
Ein Mann in Istanbul liest das AKP-nahe Blatt „Günes“. Foto: dpa

Nach einer Explosion in Istanbul am Dienstagmorgen sind mindestens elf Menschen gestorben. Die regierungsnahe Zeitung "Günes" gibt jetzt Deutschland die Schuld am Anschlag.

Istanbul - Auf der Titelseite der türkischen Zeitung "Günes" sind zerbombte Autos und Busse sowie Einsatzkräfte der Feuerwehr zu sehen. Darüber steht in großen gelben Lettern "Alman isi" – "Deutsches Werk". Nach dem Attentat in der türkischen Metropole, bei dem mindestens elf Menschen starben, gibt die Türkei nun also Deutschland die Schuld. "Günes" steht der Regierungspartei AKP nahe.

"In Deutschland ist auch die Presse nicht frei"

Das Blatt mit einer täglichen Auflage von rund 100.000 Exemplaren begründet die Schlagzeile folgendermaßen: Weil Deutschland die harte Reaktion auf die "beschämende" Armenien-Resolution nicht ertragen habe, sei es "in Panik geratend, in alte Gewohnheiten zurückgefallen." "Es hat die Terrororganisationen, die es als Marionette benutzt, einen blutigen Anschlag in Istanbul verüben lassen." Die Zeitung versteht sich als Stimme des Volkes – "So denkt die Türkei" ist zudem auf dem "Günes"-Titelblatt zu lesen.

Am Tag des Anschlags behauptete der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu, dass deutsche Medien in ihrer türkeifeindlichen Berichterstattung gesteuert werden würden. "In Deutschland wird nichts dem Zufall überlassen", sagte er dem Staatssender TRT. "Keine von den türkeifeindlichen und Recep-Tayyip-Erdogan-feindlichen Schlagzeilen ist Zufall. In Deutschland ist auch die Presse nicht frei."

Cavusoglu sagte weiter: "Es kann kein Zufall sein, dass die Zeitungen im Spektrum von ganz rechts bis ganz links am selben Tag mit denselben Schlagzeilen gegen die Türkei und gegen Recep Tayyip Erdogan schreiben. Also in Deutschland ist alles systematisch. Und diese Resolution ist in den Bundestag in dieser Systematik im Rahmen eines Planes eingebracht worden."

Türkei hält PKK für Urheber

Die türkische Staatsführung vermutet die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK hinter dem tödlichen Autobombenanschlag in der Millionenmetropole Istanbul. "Alle Angaben und Hinweise bezüglich des gestrigen Anschlags in Istanbul deuten auf die separatistische Terrororganisation hin", sagte der Sprecher von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, Ibrahim Kalin, am Mittwoch bei einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz in Ankara. Bislang hat sich niemand zu dem Anschlag vom Dienstag, bei dem elf Menschen getötet wurden, bekannt. Die PKK-Splittergruppe TAK hat in den vergangenen Monaten Anschläge in den Metropolen Ankara und Bursa verübt.

 

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