Anklage wegen Störung öffentlichen Friedens "Alle Banker mit Kalaschnikow erschießen"

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Ein Immobilienverwalter lässt gegenüber einer Bankangestellten seiner Wut auf Banker freien Lauf. Jetzt musste er sich wegen Störung des öffentlichen Friedens verantworten.

 

München – Eigentlich wollte der ehemalige Lehrer Klaus B. ja nur die Bank wechseln. Das lief aber so schief, dass er sich nun wegen Störung des öffentlichen Friedens vor Gericht verantworten muss. B. besitzt einige Immobilien und machte seit 2012 erhebliche Verluste mit konservativen Geldanlagen.

Nachdem er erfahren hatte, dass seine frühere Bank Schulden in Milliardenhöhe hatte, habe er das Vertrauen verloren, sagt er. B. wollte zur Sparkasse wechseln. Aus diesem Grund telefonierte er anschließend mehrmals mit einer Mitarbeiterin der Sparkasse, um ein Festgeldkonto zu eröffnen. Kurz vor Weihnachten, am 19. Dezember 2014, gerät ein Gespräch außer Kontrolle. Ursprünglich ging es um einen Termin, der für diesen Tag vereinbart wurde. Diesen wollte Klaus B. verschieben. Die Bankangestellte dachte sich nichts Böses – bis ihr Gegenüber scheinbar aus dem Nichts seiner Wut auf „die Banker“ Luft macht.

Laut Zeugenaussagen habe er alle Mitarbeiter seiner vorherigen Bank als „Arschlöcher“ beschimpft und gefordert, alle Banker zu verbrennen. Anschließend habe er sogar gesagt, er würde sich am liebsten „eine Kalaschnikow kaufen und alle erschießen“. Die Bankangestellte bekommt nach dem etwa 50-minütigen Gespräch Panik, befürchtet einen möglichen Anschlag und verständigt schließlich die Polizei.

Daraufhin wird ein Spezialeinsatzkommando (SEK) losgeschickt, das die Wohnung des Anrufers durchsucht. Die Einsatzkräfte finden drei Waffen, die aus Familienbesitz stammen. Nach eingehender Befragung kann keine akute Gefahr festgestellt werden. Dem Angeklagten selbst tue es aufrichtig leid, die Angestellte derart erschreckt zu haben. Er habe sich „in Rage geredet“, sei aber nicht davon ausgegangen, dass man seine Banker-Beschimpfungen als Drohung auffassen könnte.

Seine Äußerungen seien als Metaphern zu verstehen gewesen. Sein Hass auf das Bankwesen sei darin begründet, dass er vom Suizid vieler Menschen gehört habe, die im Zuge der Wirtschaftskrise ihr Vermögen verloren hätten.

Eine Drohung habe er jedoch nie ausgesprochen. Dass er des Öfteren in Schimpftiraden verfällt und sich so abreagiert, gab Klaus B. zu. Die Sachverständige erklärte, dass er sich aufgrund eingeschränkter Sozialkontakte seit der Kindheit vermutlich bei einem Wutausbruch keine Gedanken macht, wie seine Beschimpfungen auf andere wirken. Auch der Richter bezweifelte, dass der Angeklagte vorsätzlich gehandelt hat. Er wurde freigesprochen.

 

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