Anklage wegen Steuerhinterziehung Hoeneß soll Bayern-Aufsichtsratschef bleiben

Gaudi beim Empfang in der Staatskanzlei: Uli Hoeneß (l.) mit Ministerpräsident Horst Seehofer und Karl-Heinz Rummenigge. Foto: dpa Foto: dpa

Der Bayern-Präsident erhält Unterstützung in seiner Steueraffäre: Nur bei einer Gefängnisstrafe wäre ein Rücktritt als Aufsichtsratschef unvermeidlich.

 

München – Breite Unterstützung für Uli Hoeneß: Der wegen Steuerhinterziehung angeklagte Präsident des Triple-Gewinners Bayern München soll seinen Posten als Aufsichtsratschef der FC Bayern AG nur im Falle einer längeren Gefängnisstrafe verlieren. "Aus der Zelle kann er den Klub nicht leiten", zitierte die Bild am Sonntag ein namentlich nicht genanntes Aufsichtsratsmitglied. Sollte Hoeneß zu einer Geld- oder Bewährungsstrafe verurteilt werden, könne er dem Aufsichtsrat auch künftig vorstehen, hieß es weiter.

Dem neunköpfigen Aufsichtsrat gehören Top-Manager von Weltfirmen wie Adidas (Herbert Hainer), Audi (Rupert Stadler), Telekom (Timotheus Höttges) oder VW (Martin Winterkorn) an. Der Aufsichtsrat tagt wieder im September. Er sieht einen dann möglicherweise bereits eröffneten Gerichtsprozess gegen Hoeneß jedoch nicht als Grund für einen Rücktritt des langjährigen Bayern-Managers an. "Der damalige Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat die Bank schließlich auch geführt, obwohl er im Mannesmann-Prozess wegen Untreueverdachts vor Gericht stand", zitierte die Bild ein Mitglied des Gremiums.

Der Aufsichtsrat hatte Hoeneß bei einer Sitzung Anfang Mai den Rücken gestärkt und dafür Kritik unter anderem von hochrangigen Politikern wie SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück geerntet. Ob Hoeneß vor Gericht muss, ist indes offen. Die Staatsanwaltschaft München II hat vor wenigen Tagen Anklage gegen den 61-Jährigen erhoben. Die 5. Strafkammer des Landgerichts München II will bis Ende September über eine Zulassung der Anklage und die Eröffnung eines Hauptverfahrens entscheiden.

Weitere positive Nachrichten gab es für Hoeneß unterdessen von der Staatsanwaltschaft. Diese hält die kürzlich neu erhobenen Vorwürfe gegen ihn offensichtlich für nicht stichhaltig. "Es gibt kein neues Ermittlungsverfahren. Das Verfahren gegen Uli Hoeneß ist für die Staatsanwaltschaft München II mit der Klageerhebung abgeschlossen", sagte ein Sprecher dem Nachrichtenmagazin Focus. Ein Hinweisgeber hatte am Donnerstag vorvergangener Woche Kontakt zu den Strafverfolgern aufgenommen und behauptet, Hoeneß habe weit höhere Summen in der Schweiz versteckt als zuvor angenommen. Hoeneß bezeichnete dies als "absurde Unwahrheit" und veranlasste seinen Hamburger Anwalt Michael Nesselhauf, "gegen diesen Wahnsinn vorzugehen, eine Verleumdungsklage einzuleiten".

 

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