Anklage wegen Steuerhinterziehung Der Druck auf Uli Hoeneß wächst

Einigermaßen entspannt auf der Tribüne: Bayern–Präsident Uli Hoeneß am Mittwochabend beim Audi-Cup in Fröttmaning. Foto: dpa

Die Kritik am Verhalten der Vereins-Sponsoren im Zusammenhang mit der Steueraffäre um Uli Hoeneß wächst. Aber es gibt angeblich auch entlastendes Material.

 

München - Die Anklage gegen Uli Hoeneß liegt bereits bei Richter Rupert Heindl. Der muss jetzt entscheiden: Kommt es zu einem Prozess oder nicht? Währenddessen suchen Hoeneß’ Anwälte auf Hochtouren nach entlastenden Hinweisen. Und in der Öffentlichkeit wächst der Druck auf ihn: Ist Hoeneß als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern weiterhin tragbar?

Schneller als gedacht müssen die Hoeneß-Anwälte Werner Leitner und Markus Gotzens jetzt ihren Mandanten entlasten. Angeblich sind sie von der Anklage gegen ihren Mandanten ziemlich überrascht worden. Das „Handelsblatt“ berichtet, dass die Selbstanzeige, die Hoeneß im Januar im Eiltempo einreichte, trotz des hohen Tempos korrekt gewesen sein könnte. Es gebe nämlich eine Eingangsbestätigung des Finanzamtes, dass die Selbstanzeige „vorläufig vollständig“ sei. Gäbe es diese Eingangsbestätigung wirklich, könnte das bedeuten, dass es zu keinem Prozess kommen müsste.

Die Anwälte und die Staatsanwaltschaft geben jedoch auf Nachfrage der AZ hierzu keinen Kommentar ab, im „Handelsblatt“ bestreitet die Staatsanwaltschaft jedoch, dass es diese Bestätigung vom Finanzamt gibt.

Auch Hoeneß’ Steuerberater spielt eine Rolle: Ihm soll er seine Unterlagen gegeben haben. Was aber dieser befreundete Steuerberater aus den Unterlagen gemacht habe, das könne Hoeneß nicht angelastet werden. Will der Bayern-Präsident damit wirklich durchkommen?

Denn sollte es darauf hinauslaufen, läge der Schwarze Peter nicht mehr bei Hoeneß, sondern bei seinen Beratern, die versagt hätten. Im Umkehrschluss könnte sich das für Hoeneß strafmildernd auswirken. Denn ob der Steuerberater – wenn Hoeneß ihn von der Schweigepflicht entbindet – sich eventuell selbst belastet, ist fraglich.

Wie der Inhalt der Selbstanzeige und der Anklage genau aussehen, wissen nur die Betroffenen selbst. „Darüber kann ich mich noch nicht äußern“, sagt Ken Heidenreich von der Staatsanwaltschaft München II gegenüber der AZ.

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Derweil werden immer mehr Stimmen laut, dass Hoeneß als Kopf des FC Bayern so nicht mehr tragbar ist. So sagt BWL-Professor Henning Herzog von der Quadriga-Hochschule Berlin, dass es fraglich sei, ob eine Person, die sich selbst wegen Steuerbetrug angezeigt hat, fähig sei, einen Aufsichtsrat zu führen. „Die Frage ist, ob das noch zu vertreten ist. Da habe ich persönlich Bedenken.“

Das „Handelsblatt “schreibt von Hoeneß „peinlichem Schweigen“. Das Blatt hatte ihm 1999 den Titel „Manager des Jahres“ verliehen. Den Anteilseignern, Sponsoren und Aufsichtsratsmitgliedern wie Adidas, Audi, Telekom und Volkswagen wirft das Blatt schieres „Aussitzen“ vor. „Keiner der Chefs dieser Konzerne würde in den eigenen Gremien oder bei Geschäftspartnern dulden, wessen sich Hoeneß schuldig gemacht hat“. Den Sponsoren rät der Kommentator: Professionell arbeiten – oder sich trennen.

Auch die „Süddeutsche“ findet, der FC Bayern könne sich nicht aus der Verantwortung stehlen, denn: „Zumindest als Aufsichtsratschef der Aktiengesellschaft des Klubs ist Hoeneß untragbar geworden.“

 

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