Animationsklassiker neu verfilmt "Dumbo": Warmes Plädoyer für Freundschaft

Dumbo soll die Kasse klingeln lassen, aber der ehemalige Zirkusartist (Colin Farrell) und seine Kinder (Nico Parker und Finley Hobbins) halten zu ihrem tierischen Freund. Foto: WDS

Tim Burton macht den Animationsklassiker zum Realfilm mit Michael Keaton und Colin Farrell. "Dumbo" gelingt das Kunststück, fantastisch und geerdet zugleich zu sein.

 

Schon 1941 flog der kleine Elefant mit den riesigen Ohren über die Leinwand. Der exzentrische Filmemacher Tim Burton hat bereits 2010 mit seiner Neuverfilmung von "Alice im Wunderland" Disney einen einen Milliardenhit beschert.

In der neuen Variante von "Dumbo" stehen neben dem tierischen Star vor allem die menschlichen Figuren im Vordergrund. Nicht mehr der kleine Elefant ist alleinige Hauptfigur, sondern auch Holt Farrier (Colin Farrell), ein Mann, der im Ersten Weltkrieg seinen linken Arm verloren hat. Nun kehrt er zu seinem alten Wanderzirkus zurück.

Durch den Direktor (Danny DeVito) und seine Kinder erreicht ihn aber eine Hiobsbotschaft nach der nächsten: Seine Frau starb an der Grippe, die Zirkuspferde wurden verkauft, und die Zukunft des Zirkus steht auf der Kippe. Abhilfe verspricht die Geburt eines Elefanten. Der süße Jumbo Junior soll neues Publikum anlocken. Doch das Rüsseltier hat viel zu große Ohren und wird als Missgeburt abgestempelt.

Neuverfilmung von "Dumbo" ohne sprechende Tiere

Überraschenderweise aber wird der niedliche Elefant bald zum Star in der Manege: Mit seinen übergroßen Ohren kann Dumbo nämlich fliegen! Dieses Talent ruft schon bald den skrupellosen Unternehmer V.A. Vandevere (Michael Keaton) auf den Plan, der mit dem kleinen Elefanten reich werden will.

Sprechende Tiere und Musical-Einlagen gibt es der Neuverfilmung von "Dumbo" nicht, doch Autor Ehren Kruger ("Ghost in the Shell", "Ring") und Regisseur Burton würzen ihr Remake mit zahlreichen Szenen, die dem Originalfilm Tribut zollen. Ikonische Songs werden clever in den neuen Film integriert, und sogar die berühmte Szene mit den rosa Elefanten findet ihren Weg in die Realverfilmung - wenngleich ohne psychedelisch anmutenden Alkoholrausch.

"Dumbo": Kritik an übertriebener Kommerzialisierung

Burtons Vorstellungskraft wurde hier keineswegs gezügelt, sie hat lediglich einen klaren Rahmen erhalten, in dem sie sich entfalten kann, ohne in Absurde abzudriften. Burton bleibt auch seinen bisherigen Themen treu. Denn auch die Geschichte um den ungewöhnlichen kleinen Elefanten ist im Kern eine Außenseiterballade, wie der Regisseur sie schon in seinen Meisterwerken "Edward mit den Scherenhänden" und "Big Fish" erzählt hat.

Letztendlich ist "Dumbo" eine herzerwärmende Geschichte um Verlust und Zusammenhalt und eine Kritik an übertriebener Kommerzialisierung. Das mag man heuchlerisch finden, weil der Disney-Konzern oft als Inbegriff eines kapitalistischen Konzerns gilt. Doch Burtons Film ist kein kühl kalkulierter Blockbuster, sondern ein warmes Plädoyer für Andersartigkeit und Freundschaft.

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Kino: Cadillac, Cinemaxx, Leopold, Royal, Münchner Freiheit (3D), Mathäser (alle Versionen) sowie Cinema (OV, 3D) und Museum (OV) R: Tim Burton (USA, 130 Min.)

 

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