Angst vor Altersarmut Postler in Sorge: Wir haben zu wenig zum Überleben!

Viele Postler blicken einer extrem kleinen Rente entgegen. Foto: dpa

Verdi schlägt Alarm: Vielen Mitarbeitern der Deutschen Post droht die Altersarmut. Ihre Renten sind so niedrig, dass sie davon in München im Ruhestand nicht leben können – trotz Betriebsrente.

 

München - Sie arbeiten als Paketzusteller oder Briefträger. Sie schleppen 45 Jahre lang schwere Kisten oder radeln bei Wind und Wetter mit der Post durch die Straßen. Doch was kommt danach? Ein sorgloser Lebensabend dank einer ausreichenden Rente? Nicht für die meisten Mitarbeiter der Post.

Laut der Gewerkschaft Verdi verdient jeder Zweite bei der Post aktuell weniger als 2.500 Euro im Monat. In Zukunft werden viele Arbeitnehmer mit ihrer Rente unter das Grundsicherungs-Niveau fallen.

Früher war die Rentenformel einfach: Die eigenen Einzahlungen ergaben eine Anzahl von Rentenpunkten. Diese wurden mit dem aktuellen Rentenwert multipliziert. Wenn die Löhne stiegen, stiegen die Renten. Ab 1992 änderte sich das: Es wurden Abschläge eingeführt.

Derzeit liegt das Rentenniveau bei 47,7 Prozent. Verdi prognostiziert bis zum Jahr 2030 sogar einen Abfall des Rentenniveaus auf 43 Prozent.

802 Euro Rente - viel zu wenig, um in München gut zu leben

Ein Angestellter, der 45 Jahre lang immer den Durchschnittsverdienst erhalten hat, bekommt heute eine Rente von 1.220 Euro. 2030 wären es dann gerade noch 1.095 Euro – jeweils nach Abzug des Sozialversicherungsbeitrags.

Ein Zusteller bei der Deutschen Post käme laut der Gewerkschaft Verdi auch nach 40 Beschäftigungsjahren nicht an den Durchschnittsverdienst heran. Brutto liegt seine Rente dann bei 1.004 Euro, nach Abschlägen bekäme er gerade noch 894 Euro. Sollte das Rentenniveau auf 43 Prozent sinken, wären es 802 Euro – eigentlich viel zu wenig, um in München gut zu leben.

Immerhin gibt es bei der Post eine Betriebsrente. Die liegt im Moment bei etwa 180 Euro netto im Monat. Damit kommt ein Zusteller insgesamt auf eine Rente von 1.074 Euro. Bei einem Rentenniveau von 43 Prozent wären es 982 Euro. Zudem könnten sich laut Verdi die meisten Angestellten keine private Rentenvorsorge leisten, da Gehälter bei der Post ohnehin sehr niedrig seien.

Seit der Privatisierung der Post gibt es auch die Postbeschäftigungsunfähigkeitsrente nicht mehr – gerade für die Zusteller war diese wichtig. Wer früher in den Ruhestand geht, bekommt herbe Abschläge. Postler protestieren dieser Tage für eine gerechtere Rente. Die AZ hat sie nach ihrer Situation gefragt.

"Ich bekomme nicht mal 800 Euro"

Julio Gaudio arbeitet seit 25 Jahren für die Post. Ob er im Ruhestand noch in Deutschland bleiben kann, weiß er noch nicht.
Julio Gaudio arbeitet seit 25 Jahren für die Post. Ob er im Ruhestand noch in Deutschland bleiben kann, weiß er noch nicht.

Die meisten seiner Kollegen werden von ihrer Rente nicht leben können, meint Julio Gaudio (57). Er arbeitet bei der Post in der Nachtschicht. "Viermal die Woche jeweils fünf Stunden. Da schaffe ich es nicht, noch einen anderen Job tagsüber zu machen", sagt er.

Im Moment verdiene er etwa 1400 Euro netto. Damit käme er einigermaßen klar. Doch im Ruhestand wird er vor einem Problem stehen: "Ich bekomme nicht mal 800 Euro Rente im Monat." Wie es dann weitergeht, weiß er noch nicht. "In Deutschland werde ich so nicht leben können." Er fordert eine Mindestrente. "Denn das Problem haben sehr viele – nicht nur bei der Post."

"Es läuft was schief"

Siegfried Lörz braucht zwei Jobs zum Überleben.
Siegfried Lörz braucht zwei Jobs zum Überleben.

Seit über 20 Jahren ist Siegfried Lörz Mitarbeiter bei der Post. Viermal die Woche arbeitet er in der Nachtschicht. Er bereitet die Pressezustellungen für die Zusteller vor. "Tagsüber habe ich noch einen 450 Euro Job. Da fahre ich Medizin aus", erzählt er. Bei der Post hat er nur einen Teilzeitjob.

"Die wollen die Vollzeitkräfte loswerden. Die sind denen zu teuer", schimpft er. Auch der Krankenstand sei im Moment extrem hoch. "Es läuft was schief." Für seine Rente sieht Lörz schwarz: "Ich hoffe, dass mein Sohn mich mal rausreißt. Der studiert nämlich."

"Wir sind doch keine Packesel"

27 Jahre lang hat Domenico Cavalieri als Paketzusteller gearbeitet.
27 Jahre lang hat Domenico Cavalieri als Paketzusteller gearbeitet.

Die Arbeit als Paketzusteller sei ein echter Knochenjob, sagt Domenico Cavalieri. "Das ist kein Beruf, den man bis 67 ausüben kann", weiß der 58-Jährige. Er hat selbst 27 Jahre als Paketzusteller gearbeitet, jetzt ist er Mitglied des Betriebsrats der Post.

"Früher war nur ein Gewicht von 20 Kilogramm pro Paket erlaubt. Mittlerweile sind es 31,5. Wir sind doch keine Packesel", sagt er entrüstet. Für die jüngeren Kollegen sei das eher machbar, die seien belastbarer. "Aber wie sollen die denn von 1500 Euro im Monat leben können?" Bei vielen folge irgendwann die Berufsunfähigkeit und dann gäbe es noch zusätzliche Abschläge von der Rente. "Dabei haben wir alle den Wunsch, mit 67 noch fit zu sein."

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