Angriff auf die Zuckerberg-Dominanz Neues Social Network Ello: Endlich das bessere Facebook?

Ziemlich aufgeräumt präsentiert sich Ello auf der Startseite Foto: Ello.co [Screenshot]

Alle Jahre wieder steigt ein neues soziales Netzwerk gegen Mark Zuckerberg in den Ring. Ello will so ziemlich alles anders machen, als der große Konkurrenz Facebook. Ob das für den Erfolg reicht?

 

Genervte Facebook-User haben einen neuen Hoffnungsträger: Das soziale Netzwerk Ello präsentiert sich als Gegenentwurf zu Mark Zuckerbergs Datenkrake. Das Motto von Ello: "Einfach, schön und werbefrei". Und tatsächlich wirkt das Design der Seite äußerst schlicht. Für manche Geschmäcker vermutlich bereits zu minimalistisch, ein wohltuender Kontrast zu der immer unübersichtlicher werdenden Facebook-Benutzeroberfläche ist es aber allemal.

Doch Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters, wichtiger ist die Politik in Punkto Werbung und Datenschutz. Ello verspricht, die Daten seiner User niemals weiterzuverkaufen. Erhobene Informationen sollen lediglich zur Verbesserung des Netzwerks selbst verwendet werden, und sogar darauf verzichtet Ello auf Wunsch. Tatsächlich spielt die Datensicherheit aber offenbar für viele Nutzer nicht die vorherrschende Rolle - ansonsten müsste Facebook inzwischen deutlich weniger User haben. Es gibt allerdings auch genügend andere Punkte, von denen Facebook-User langsam die Nase voll haben, und genau hier setzt Ello an.

So verzichtet das Netzwerk etwa auf den Klarnamen-Zwang, der bei Facebook zuletzt die Drag-Queens auf die Barrikaden getrieben hat. Und auch bei der Zensurfrage gibt sich Ello liberal: Nacktfotos sind ausdrücklich erlaubt, solange das Profil als "NSFW" ("Not Suitable for Work") gekennzeichnet wird. Die Liste der Verbote in den Nutzerbedingungen ist ansonsten absolut konsenstauglich: Neben Drohungen, Diskriminierung und Mobbing sind etwa Fake-Profile, Spam und Profil-Schnüffelei untersagt - alles Bereiche, in denen sich Facebook zuletzt nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert hat.

Überhaupt will Ello dem Nutzer wieder das Gefühl geben, im Mittelpunkt zu stehen. Bisher kann man nur mit persönlicher Einladung (die allerdings auch direkt angefordert werden kann) Teil des Netzwerks werden. Eigentlich hätten die Macher Ello "ursprünglich als privates Netzwerk gebaut und zunächst nur rund 100 Künstler und Designer aus unserem Bekanntenkreis eingeladen", erzählte Mit-Gründer Paul Pudnitz der "Zeit". "Aber weil so viele Menschen Mitglied werden wollten, haben wir uns entschlossen, es langsam öffentlich zu machen." Ello präsentiert sich zum Start als neuer Geheimtipp, ein Netzwerk von Menschen für Menschen, bei dem kommerzielle Interessen im Hintergrund stehen.

Nicht ganz zu dieser Geschichte passt allerdings, dass sich die Ello-Gründer 435.000 US-Dollar (knapp 345.000 Euro) Anschubfinanzierung von der Risiko-Kapitalgesellschaft FreshTracks Capital geholt haben. Für den Designer Aral Balkan, der Ello zunächst unterstützt hat, hat das Netzwerk damit bereits seine anfänglichen Sympathien verspielt: "Wenn eine Firma Risikokapital angenommen hat, hat sie dich bereits verkauft", schreibt er auf seiner Seite. Wenn FreshTracks seine Ansprüche geltend macht, könne es mit dem Schutz der Nutzerdaten schnell vorbei sein, denn die Exit-Strategie sähe wahrscheinlich deren Verkauf vor, so Balkan.

Wie beim Datenschutz auch bleibt abzuwarten, ob diese Hintergründe für die Mehrheit der User eine Rolle spielen. Generell ist noch etwas vage, wie die Macher mit Ello eigentlich Geld verdienen wollen. Die Nutzung der Standard-Funktionen soll kostenlos bleiben, für einige besondere Features soll der User dann allerdings zur Kasse gebeten werden. Wie die aussehen, ist bisher noch völlig unklar, ob diese Funktionen den Benutzern das Geld wert sein werden damit auch. Ob Ello sich nach dem anfänglichen Hype tatsächlich als Facebook-Konkurrent etablieren kann, muss sich also noch zeigen - gescheitert sind daran bereits viele.

 

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