"Angeboten wie Sauerbier" Gerland: "Keiner hat geglaubt, dass Lahm es schafft"

"Ich bin nicht der Entdecker von Philipp Lahm. Der war einfach da", sagt Hermann Gerland über den Weltmeister und langjährigen Bayern-Kapitän. Foto: dpa

Hermann Gerland gehört seit 2001 in verschiedenen Funktionen zum Trainerstab des FC Bayern, wollte in Rente gehen. Doch die Bayern-Bosse machten den 63-Jährigen zum Chef des neuen Nachwuchsleistungszentrums.

 

Dortmund/München - Hermann Gerland hatte sich schon auf ein ruhiges Leben auf seinem Bauernhof im ostwestfälischen Marienfeld eingestellt. Doch der 63-Jährige - er gehörte zwischen 1990 und 1995 sowie seit 2001 in verschiedenen Funktionen zum Trainerstab des FC Bayern - wird noch gebraucht.

Uli Hoeneß und Karl-Heinz-Rummenigge machten ihn zum Leiter des neuen, 70 Millionen Euro teuren Nachwuchsleistungszentrums (NLZ). Auf dem "FC Bayern Campus" soll er dafür sorgen, dass wieder eigene Talente den Sprung zu den Profis schaffen.

Beim "Taktik Talk" im Dortmunder Fußballmuseum mit Direktor Manuel Neukirchner und Tobias Escher, Mitbegründer des Taktik-Portals spielverlagerung.de, gewährte er launige Einblicke in seine Arbeitsweise, die Ziele der Talentschmiede und die neue Spielergeneration.

Die wichtigsten Aussagen im Überblick.

Hermann Gerland über...

..die Bedingungen im Bayern-Campus: "Die sind exzellent, einfach überragend. Ich konnte es kaum glauben, als ich das alles gesehen habe: die Plätze, die Funktionsräume, dazu die besten Ärzte, Physiotherapeuten, Masseure, Trainer, Co-Trainer, Betreuer, Pädagogen und Psychologen. Unvorstellbar. Da rennen 1.000 Leute rum. Wir hatten zu meiner Zeit beim VfL Bochum nur einen Zeugwart und einen Busfahrer.

...die Ziele der neuen Talentschmiede: "Die letzten Spieler, die es in unser Profiteam geschafft haben, waren David Alaba und Thomas Müller. Das ist lange her. Wir wollen wieder möglichst jedes Jahr ein, zwei Spieler hervorbringen, die es in unsere erste Mannschaft schaffen. Und wenn es für Bayern nicht reicht, dann vielleicht für Dortmund oder Schalke. Und einen für den VfL Bochum (lacht). [...] Und wenn unsere Trainer nicht gut genug sind, werde ich sie austauschen. Auch kein Problem!"


Hermann Gerland hat als Fußballprofi (1972 bis 1984) nur für den VfL Bochum (204 Spiele/vier Tore) gespielt. Als Cheftrainer verschiedener Klubs war er weniger erfolgreich. Dafür machte er als Amateur-, Nachwuchs- und Co-Trainer beim FC Bayern Karriere. Er entdeckte und förderte zahlreiche spätere Nationalspieler wie Schweinsteiger, Müller, Lahm, Hummels oder Alaba. Der gebürtige Bochumer ist verheiratet und hat drei Töchter.


...Ex-Nationalspieler Philipp Lahm: "Ich bin nicht der Entdecker von Philipp Lahm. Der war einfach da. Ich war aber der, der sein großes Talent gesehen hat. Ich habe Lahm damals überall angepriesen wie Sauerbier. Keiner hat geglaubt, dass er es schafft. Selbst meine Frau war skeptisch." 

...über die neue Generation von Talenten: "Die werden immer besser ausgebildet, technisch und taktisch. Sie haben alles, was sie brauchen. Wenn sie gut werden, verdienen sie so viel Geld, dass ihre Kinder und Enkel davon noch leben können. Man muss aber aufpassen, dass man sie nicht zu sehr verhätschelt."

...über die derzeitigen Talente des FC Bayern: "Unsere U19 war im Finale der deutschen Meisterschaft, hat im Elfmeterschießen gegen Dortmund verloren. Die U17 ist deutscher Meister. Und acht Spieler aus unserer U15 spielen im DFB-Team. Ich denke, dass in ein paar Jahren einige Spieler oben auftauchen werden. Wenn wir das nicht schaffen, haben wir etwas falsch gemacht. Aber die Talente müssen fleißig sein, hart arbeiten. Sonst geht es nicht. Ich bin noch sehr ehrgeizig, fit und will etwas erreichen." 

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