Opera incognita zeigt Purcells „Dido and Aeneas“ und Brittens „The Rape of Lucretia“ als Doppelabend im Müllerschen Volksbad

Anfang September zeigt die freie Gruppe Opera incognita um Andreas Wiedermann (Regie) und Ernst Bartmann (musikalische Leitung) seit über zehn Jahren in München eine eher selten gespielte Oper an einem ungewöhnlichen Spielort. Für den Doppelabend mit Henry Purcells „Dido and Aeneas“ und Benjamin Brittens „The Rape of Lucretia“ kehrt die Truppe in die Damenschwimmhalle des Müllerschen Volksbads zurück, wo bereits Mozarts „Idomeneo“ und Brittens „The Turn of the Screw“ mit großem Erfolg gezeigt wurden. Premiere ist am Freitag, den 31. August um 19.30 Uhr.

AZ: Herr Wiedermann, ist es nicht etwas riskant, mit einer neuen Aufführung an den Ort alter Erfolge zurückzukehren?
ANDREAS WIEDERMANN: Wir müssen uns selbst überraschen. Die Projekte unterscheiden sich stark: „Idomeneo“ ist eine Oper mit vielen Auftritten. Bei „Turn of the Screw“ haben wir uns entschlossen, die Wasserfläche stärker mitspielen zu lassen. Dieses Mal geht es eher in die Richtung einer musikalischen Installation, weil nach meinem Eindruck zu viel Aktion in der Damenschwimmhalle nicht wirkt.

Lesen Sie auch unsere Besprechung der Aufführung im Müllerschen Volksbad

Was verbindet denn beide Stücke, die im Abstand von gut 250 Jahren komponiert wurden?
Britten hat sich als Erbe der alten Opern- und Musiktradion verstanden und Purcell sehr geschätzt. „The Rape of Lucretia“ ist voller Anspielungen auf Barockmusik. Außerdem sind beides römische Stoffe und mythische Gründungsgeschichten. Aeneas verlässt die karthagische Königin Dido, um Rom zu gründen. Die Vergewaltigung Lucretias durch Tarquinius Superbus war der Anstoß zum Sturz der Königsherrschaft und der Gründung der römischen Republik. Die beiden Opern korrespondieren daher auf vielfältige Weise, und auch die Eleganz der musikalischen Sprache ist ihnen gemeinsam.

„Dido und Aeneas“ ist eine seltsame Gründungsgeschichte: als Liebesverrat.
Aeneas schwört der karthagischen Königin ewige Liebe, aber am Ende verlässt er sie, um Rom zu gründen. Diesen Verrat wiederholt Sextus Tarquinius an Leib und Leben der Lucretia selbst. Er bricht das Gastrecht und verletzt alle römischen Ehrbegriffe, wenn er die Frau seines Generals vergewaltigt. Ich sehe da eine Gemeinsamkeit dieser Figur bei Britten und den Hexen bei Purcell: Beide können die Schönheit und das Glück des anderen nicht ertragen.

Wie bringen Sie die beiden Opern zusammen?
Sextus Tarquinus ist zu Gast im Haus des Collatinus, wo „Dido and Aeneas“ aufgeführt wird. Die Hausherrin Lucretia spielt die Dido. Wir beginnen mit Brittens Prolog und spielen dann Purcell.

Ich habe den Raum als akustisch schwierig in Erinnerung.
Das stimmt. Aber getragene Musik wirkt dort. Auch bei Britten gibt es wenig Eruptionen, eher eine schwüle erotische Atmosphäre, die alles durchdringt. Männer und Frauen treffen nur in der Verführungsszene aufeinander. Brittens mäandernde Klanggemälde, diese extrem suggestive Musik im Wartezustand passt gut in das Bad. Hektische Arien von Händel etwa würden da kaum passen.

Was soll ich anziehen? Im Sakko könnte es heiß werden.
In der Damenschwimmhalle ist es heiß und feucht. Bloß keine Opernklamotten!

Die Karten sind nicht billig.
Wir finanzieren uns durch den Kartenverkauf. In diesem Jahr werden wir nur durch die Kulturstiftung der Stadtsparkasse unterstützt. Die Karten sind aber nicht teurer als in den letzten Jahren. Weil wir pro Vorstellung nur 160 Sitzplätze anbieten können, gibt es mehr Vorstellungen. Auch das Orchester ist mit 13 Musikern größer besetzt. Wir brauchen acht Solisten, und Britten ist auch nicht rechtefrei.
   
Premiere am 31. August um 19.30 Uhr im Müllerschen Volksbad, Rosenheimer Straße 1. Weitere Vorstellungen am 1., 6., 7., 8., 13., 14. und 15. September. Karten von 22 (Stehplatz) bis 67 Euro bei www.muenchenticket.de und unter % 54 81 81 81