Andechser-Abriss Historisch anmutender Putz im Schatten der Frauenkirche

Der Andechser am Dom mit Blick zur Weinstraße. Im kleinen Bild: Ein Beispiel für das Putz-Kratz-Relief. Foto: Daniel von Loeper/ho/AZ

Architekt Andreas Hild will mit einer typischen Nachkriegsfassade das mondäne alte München zitieren.

München - Mit Argusaugen betrachten die Münchner die Pläne für das neue Haus in der Weinstraße 7. Denn die Nachricht, dass Eigentümer August Baron von Finck das Nachkriegshaus mit der beliebten Gaststätte "Andechser am Dom" abreißen lässt, hat viele zutiefst verstört. Dazu kommt, dass das neue Haus komplett an den FC Bayern vermietet wird.

Architekt Andreas Hild hat am Dienstag im Rathaus jedenfalls einen ersten Sieg errungen: Er hat die meisten Architekten und Stadtratsmitglieder von seiner Idee für die neue Hausfassade überzeugen können: eine 50er Jahre Putz-Fassade in Sgraffito-Technik (AZ berichtete). Sie besteht aus mehreren farbigen Putz-Schichten, in die Ornamente eingekratzt werden: Das Fassadenmuster sei ein Relief, das Schatten werfe. "Es wirkt wie ein Tattoo", so Hild.

Der Kommission für Stadtgestaltung hat er historische Fotos vorgelegt: 1872 stand in der Weinstraße ein großes, hohes und mondänes Wohn- und Geschäftshaus. Im Krieg wurde es zerstört. Der Nachkriegsbau ist unscheinbar und wurde zuletzt 2005 modernisiert.

Die reiche und mondäne Fassade von damals nimmt der 56-jährige Münchner Architekt als Bezugspunkt. Die üppigen Stuck-Formen will er in eine vereinfachte Putz-Zeichnung übertragen. Sgraffito ist eine hochwertige Technik, die vor allem in den 50er Jahren zur Anwendung kam (so etwa auch am Ludwig-Beck-Haus), und die Architekt Hild sehr schätzt. "Eine handwerkliche aufwendige Arbeit – das wird ein Haus von heute, das beide Zustände reflektiert," sagt er.

Seine These: "Wir haben diese Zeile in der Weinstraße. Jedes Haus haben wir fotografiert. Was fehlte, war ein Sgraffito-Haus. Das ist unser Beitrag für diese Zeile."

Viel Lob für den neuen Fassaden-Vorschlag

Generalkonservator Mathias Pfeil reagierte erfreut, jedoch auch mit "ein bisschen Nachdenken" auf Hilds Idee, mittels Sgraffito die historische Fassade zu interpretieren. Er mahnte daher, zum Dom hin, wo München noch mittelalterlich ist, mit den besagten Putzornamenten einfacher zu werden. Und riet: "Man muss aufpassen, dass eine Interpretation nicht zum Fake wird."

Architekt Christoph Sattler begrüßte den Fassadenentwurf dagegen uneingeschänkt: "Ich bin glücklich über die Entwicklung. Das ist der Versuch, das Ornament in der Architektur wiederzufinden." Stadtrat Marian Offmann (CSU) findet den Sgraffito-Putz "unglaublich bereichernd" und drückte seinen Wunsch aus, dass die Münchner Stadträte "diese Fassade mittragen".

Der Architekt Andreas Hild erklärte, dass er den Bauherrn – die Nymphenburg Immobilien AG – von seinem aufwendigen Konzept überzeugt habe, lange bevor der wusste, dass der FC Bayern als neuer Mieter hineingeht. Die Stadtgestaltungskommission stimmte dem Entwurf am Ende zu – und möchte über die weiteren Planungsschritte informiert werden.

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