An der Jahnstraße Krach um diese Baustelle

Clemens Hagen.
Wer einen Rollator oder Kinderwagen hat, kommt kaum in die zugestellte Straße hinein. Foto: Clemens Hagen

Die Anwohner in der Jahnstraße sind entnervt: Container, Bautoiletten und Schutt verstellen den Gehweg. Beschwerden stoßen auf taube Ohren.

 

Isarvorstadt - An der Jahnstraße gibt es eine neue Horrorbaustelle. Sagen Betroffene. Grund: Wegen einer sogenannten Nachverdichtung – das heißt, im Innenhof eines bestehenden Gebäudes entsteht ein weiteres Wohnhaus – haben es die Bewohner der Hausnummern 21 und 21a seit Anfang Mai mit einem "Chaos aus exzessiven Belästigungen und Behinderungen" zu tun, wie der Betroffene Stefan B., der aus Angst vor Repressalien lieber anonym bleiben möchte, in der AZ klagt.

Seine Mängelliste ist tatsächlich lang. Sie umfasst immerhin zehn Punkte:

  • Der direkte Fluchtweg aus Haus 21 ist durch Bauschutt, Baucontainer und Bautoiletten versperrt. l
  • Die vorgeschriebene Gehwegbreite von 1,60 Meter ist nicht gegeben. An manchen Stellen beträgt sie nur 80 Zentimeter, zu wenig für Passanten mit Kinderwagen und Senioren mit Rollator. l
  • Baustromkabel und Handwerkerkabel schlängeln sich ungesichert über den Gehsteig und vor der Fluchtausgangstür. l
  • Dreck, Schmutz und Betonreste bleiben auf Gehsteig und vor der Fluchtausgangstür liegen. l
  • Die Gehsteige sind durch das Befahren mit schwersten Baumaschinen wellenförmig vertieft. Ein sicheres Begehen ist nicht möglich. l
  • Erdaushub wird auf dem Gehsteig und sogar in Teilen bis zur Straßenmitte gelagert – größte Behinderung für alle Passanten und Verkehrsteilnehmer. l
  • Eisengeflecht lagert ungesichert auf den Baucontainern. l
  • Betonmischer werden von Kränen über die bestehenden Häuser in den Innenhof gehoben, wobei oft ein Bauarbeiter die gefährliche Fahrt mitmacht, um die Ladung zu sichern. l
  • Die Straße ist manchmal mit täglich wechselnden oder unklaren Parkverbotsschildern versehen. l
  • Die Bautoiletten sind schon aus 30 Metern bzw. bis in den zweiten Stock sehr unangenehm zu riechen. Sie stehen auch nur 1,20 Meter vor dem Küchenfenster der Erdgeschosswohnung.

Anwohner Stefan B. zur AZ: "Besonders der letzte Punkt ist ein großes Ärgernis, zumal jetzt sogar eine zweite Bautoilette aufgestellt wurde, nur weil gerade eine einsame weibliche Praktikantin auf der Baustelle arbeitet." Stefan B. weiter: "Wir sind keine Querulanten, sondern Bürger, die sich von den Behörden verlassen und hilflos der Willkür der ausführenden Baufirma ausgesetzt fühlen."

Die Baufirma verweigert jegliche Auskunft

Er berichtet von einem Telefonat mit dem auf der Bautafel angeführten Sicherheitsbeauftragten der Baufirma: „Auf meine Frage, ob er die Baustelle schon mal besichtigt hat, verweigerte er jede Auskunft und legte auf.“ Nachdem sich Stefan B. und seine Nachbarn in ihrer Ratlosigkeit nun an den Bezirksausschuss Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt gewandt haben („unsere letzte Hoffnung“), fragte die AZ in ihrem Namen beim Planungsreferat, verantwortlich für alle überirdischen Baustellen in der Stadt, nach.

Referatssprecher Martin Klamt: „In engen Straßen, so wie es die Jahnstraße eine ist, kann es schon passieren, dass vorgeschriebene Abstände unterschritten werden müssen. Es handelt sich hierbei um Richtwerte. Wir können ja schlecht die Häuserfront abreißen, nur damit Baucontainer weit genug weg von Häusereingängen stehen.“

Die Anwohner sind genervt

Schlussbemerkung von Anwohner Stefan. B.: „Nur so am Rande möchten wir erwähnen, dass in den letzten zwei Monaten fünf Bewohner der Jahnstraße 21 und 21a per Ambulanz oder freiwillig Kliniken aufsuchen mussten. Nennen wir es mal salopp: Gentrifizierungsstresssyndrom.“

Bitter fügt er an: „Wenn in den nächsten Monaten noch öfter Tatütata in der Jahnstraße zu hören ist, so sind das keine spielenden Kinder, denn die trauen sich längst nicht mehr, hier zu spielen, sondern mal wieder die Ambulanz. Wir sind sicher, die wird noch öfter kommen.“

 

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