Amtszeit geht zu Ende Sattel statt Sessel: Was Sozialreferentin Brigitte Meier jetzt vorhat

Erst einmal vier Monate nichts tun: Münchens scheidende Sozialreferentin Brigitte Meier (SPD) plant einen ruhigen Sommer. Foto: Petra Schramek

Die scheidende Sozialreferentin will sich nach ihrem Abgang erstmal eine Auszeit gönnen – und sich um ihr Pferd kümmern.

München - Sie hat da gleich mal ein paar Namen parat. Hans-Jochen Vogel: Obwohl der ein hoch angesehener OB war, hat ihm die SPD ein Bundestagsmandat verwehrt. Georg Kronawitter: Der wurde von der Parteilinken sogar abgesägt. „Das ist Politik“, sagt Brigitte Meier und zuckt mit den Schultern.

In gut drei Wochen wird Meier das Rathaus verlassen, nach 20 Jahren im Stadtrat, davon sechs im Range einer Stadtministerin. Es ist kein ganz freiwilliger Abgang, Meier wurde eher unsanft hinausbugsiert. Und wie bei Vogel und Kronawitter so kam auch bei Meier der letzte Schubser aus den eigenen Reihen.

Meier ist der SPD deswegen nicht gram. Im politischen Betrieb passiert so etwas halt. Dass ihre Ausbootung etwas mit den fünf Millionen Euro aus der Flüchtlingshilfe zu tun hat, die irgendwo in ihrem Referat verlorengegangen sind, glaubt sie jedenfalls nicht. Eher mit den politischen Umständen.

Als es um ihren Kopf ging, so erzählt es Meier am Dienstag bei einer Rückschau vor Pressevertretern, da konnten die Grünen endlich mal Oppositionspartei sein. Die CSU konnte sich für die verpatzte Wahl des Umweltreferenten vor gut einem Jahr revanchieren. Und die Sozialdemokraten: Die fuhren ihrerseits dem Koalitionsfrieden zuliebe nicht die ganz harte Linie.

Wehmut will bei der scheidenden Sozialreferentin aber nicht aufkommen. In den vergangenen fünf Jahren seien schließlich über 200 000 Menschen neu in die Stadt gekommen, die Flüchtlinge noch nicht einmal mitgezählt. Wegen der Armutszuwanderung aus Bulgarien und Rumänien sei die Zahl der Wohnungslosen auf über 5000 angestiegen. Und obwohl das eigentlich eine recht explosive Mischung sei, „ein richtiges Pulverfass“, sagt Meier, sei der soziale Frieden trotzdem immer gewahrt geblieben.

Auch wenn in ihrer Amtszeit nicht immer alles reibungslos gelaufen sei, manche Themen wie das Wohnen im Alter auch zu kurz gekommen seien: Dass München eine sichere Stadt ist, es keine Viertel gibt, in denen jugendliche Schlägertrupps marodierend durch die Straßen ziehen, das wertet Meier auch als ihr Verdienst.

Von Juli an wird nun jemand anderes den Münchner Oberkümmerer geben müssen. Am Donnerstag will die SPD sich potenzielle Nachfolger für Meier anschauen. Offiziell ist noch nichts, derzeit läuft aber alles auf Meiers derzeitige Stellvertreterin Dorothee Schiwy als neuer Sozialreferentin hinaus.

Und während sich Schiwy im Sommer dann um Dinge wie Wohnungsgeld und Flüchtlingsunterkünfte kümmern muss, wird Meier auf dem Rücken ihres Wallachs „Hotschi“ durchs bayerische Oberland traben. Meier ist begeisterte Reiterin. Nach zuletzt bis zu 60 Stunden Arbeit die Woche, will sie diesem Hobby nun wieder stärker nachgehen.

Auch ein Comeback in der Kommunalpolitik hält die 51-Jährige für möglich – allerdings nicht in München. Meier wohnt mittlerweile in Feldkirchen-Westerham, ist auch im dortigen SPD-Ortsverein aktiv. Warum nicht irgendwann mal in den Kreistag? Natürlich dann wieder unter roter Flagge. Die Ruppigkeit bei ihrem Abgang hat Meier ihrer Partei schließlich längst verziehen.

 

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