Amoklauf am OEZ "Nicht politisch motiviert" – das darf bezweifelt werden

In und vor der McDonald's Filiale am OEZ tötete Ali David S. neun Menschen. Foto: dpa/privat

Alt-OB Christian Ude fordert Aufklärung, um alle Hintergründe der Tat zu erfahren.

München - Was war der Amoklauf mit neun Mordopfern und fünf angeschossenen Menschen am OEZ vor einem Jahr? Die Tat eines einzelnen, psychisch kranken jungen Mannes, der sich rächen wollte? An Menschen, die in seinen Augen denjenigen ähnelten, die ihn gemobbt und ausgegrenzt hatten?

Oder war der Massenmord am OEZ die Tat eines psychisch auffälligen jungen Mannes, der sich immer tiefer in rechtsradikales Gedankengut verstieg, bis er schließlich blind vor Hass möglichst viele Menschen, die er zum Beispiel für Türken hielt, töten wollte?

Die Tat am 22. Juli 2016 ist zum Politikum geworden, seitdem immer neue Details aus den seit Monaten geschlossenen Ermittlungsakten der Polizei auftauchen. Wie berichtet, waren die Ermittler des Landeskriminalamtes zu dem Ergebnis gekommen, dass die Tat „nicht politisch gewesen“ sei.

Nach den Landtags-Grünen und Anwalt Yavuz Narin, der drei Opferfamilien vertritt, fordert jetzt auch der Münchner Verein Before vehement die Aufdeckung der ideologischen Hintergründe.

Anerkennung als rechtsradikaler Anschlag

„Für eine angemessene Einordnung der Tat muss das rechtsradikale Weltbild des Täters in den Blick genommen werden“, sagt Alt-OB Christian Ude. Er ist Vorsitzender des Vereins, der Betroffene rechter und rassistischer Gewalt berät.

Vereinsvorstand Siegfried Benker ergänzt: „Mit Blick auf die Erfahrungen im Umgang mit den Münchener Morden des NSU und dem Oktoberfestattentat, fordert Before eine behördliche Anerkennung der Gewalttat am OEZ als rechtsradikalem Anschlag und eine vollständige Darstellung der Ermittlungserkenntnisse zum ideologischen Hintergrund.“

Es gibt in den Akten viele Hinweise auf einen rechtsextremistischen Hintergrund – Beispiele:

  • David S. verehrte den rechtsextremen Massenmörder Anders Breivik, der in Oslo und auf der Insel Utøya 77 Menschen tötete. Der Amoklauf am OEZ geschah am Jahrestag. Beide verwendeten die gleiche Waffe.
  • David S. malte Hakenkreuze, zeigte den Hitler-Gruß und schrieb von einer „jüdischen Weltverschwörung“. In einem PC-Dokument mit dem Namen Manifest.docx bezeichnete er Jugendliche mit Migrationshintergrund als „Kakerlaken“ und „Untermenschen“.
  • Eine Zeugin sagte aus, dass er sehr stolz auf seine persischen Wurzeln war, da er den Ursprung der Arier in Persien sah. Er brüstete sich , am 20. April geboren zu sein – wie Hitler.

Auch gibt es Hinweise, dass David S. im Darknet durchaus Kontakt zu anderen Rechtsextremen hatte. Philipp K., der ihm die Mordwaffe und Munition verkaufte, gab seinem Verschlüsselungsprogramm die Signatur „Heil Hitler“ und beendete seine Chats meist mit „Sieg Heil“ oder „Heil Hitler“.

Der 32-Jährige muss sich ab 28. August in München wegen fahrlässiger Tötung und Waffenhandels verantworten.

Ein IT-Spezialist behauptet zudem, Philipp K. habe vom Amoklauf gewusst und Tipps gegeben. Die Identität dieses Informanten ist ungeklärt – der PC von Philipp K. wird derzeit in Hessen immer noch ausgewertet.

Rechtsanwalt Yavuz Narin, der drei Familien von Opfern des Amoklaufs vertritt, fordert deshalb, den Prozess gegen den Waffenhändler zu vertagen – oder zumindest aufzuspalten. „Wir sind es den Familien schuldig, alle Hintergründe zu erfahren“, sagt er.

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