Am Telefon Rentner um 65 000 € geprellt

Miese Masche am Telefon. (Symbolbild) Foto: ho

Der 75-Jährige fällt auf trickreiche Telefonbetrüger herein, die ihm androhen, dass er Besuch vom Gerichtsvollzieher bekommt, wenn er nicht zahlt. Der Polizei gelingt es, einen Geldboten sowie einen Hintermann zu fassen. Doch das Geld ist weg.

Solln - Sie überrumpeln ihre Opfer und verwickeln sie geschickt in Gespräche, sie bauen Druck auf und locken mit vermeintlichen Gewinnen oder wecken subtil Ängste – seit mehreren Jahren bringen Betrüger ihre Opfer immer häufiger telefonisch um ihr Geld. Die Betrogenen transferienen zum Teil unfassbar hohe Summen ins Ausland, die schnell unwiederbringlich verloren sind.

Mal geben sich die Anrufer als Notare oder Rechtsanwälte aus, mal als Staatsanwälte oder Polizisten. „Seit drei Jahren haben wir eine Häufung solcher Fälle. Etwa zehn bis zwanzig Versuche pro Monat werden angezeigt. Die Dunkelziffer ist vermutlich um ein Vielfaches höher. Die Täter sind schwer zu fassen“, sagt Tobias Molnar, Chef des Kommissariats 77 (Betrug, Unterschlagung).

Ein besonders drastischer Fall ereignete sich im Juni in Solln, wie erst jetzt bekannt wurde: Ein 75-jähriger Rentner wurde um 65 000 Euro betrogen. Der einzige positive Aspekt: Zum ersten Mal ist es der Münchner Polizei in einem derartigen Fall gelungen, den Geldboten sowie einen Hintermann zu fassen.

Den ersten Anruf bekam der Rentner, der früher beruflich sehr erfolgreich gewesen war, am 11. Juni. Eine Frau erzählte ihm, dass bei ihm eine Pfändung in Höhe von 20 000 Euro anstehen würde. Wenn er knapp 5000 Euro in die Türkei überweisen würde, könnte die Pfändung abgewendet werden.

„Die Angerufenen sind mit der Situation oft völlig überfordert“, weiß Kriminaloberkommissar Henning Frank, der den Fall bearbeitete. Der 75-Jährige überwies die Summe sofort per Western Union.

Da die Täter so schnell Erfolg hatten, machten sie einfach weiter: Wenige Stunden später bekam der Mann noch einen Anruf. Dieses Mal war ein Mann dran, der ihm sagte, die Frau von vorhin hätte ihre Kompetenzen überschritten. Um ein Strafverfahren abzuwenden, müsste der Mann 60 000 Euro zahlen. Das Geld würde abgeholt.

Wieder fiel der Münchner auf eine Lügengeschichte herein. Er ging zur Bank, hob das Geld ab und wartete in seiner Wohnung auf den Boten. Kurz darauf kam ein Fremder und nahm das Geld mit. Erst später schwante dem 75-Jährigen, dass er betrogen worden war, er schaltete die Polizei ein.

Jetzt nahm der Fall eine bessere Wende. Da alles so reibungslos vonstatten gegangen war, gingen die Täter wohl davon aus, dass bei dem Rentner noch mehr zu holen war. Ein paar Tage später rief erneut ein Mann an, der dem Münchner eine bedrohliche Geschichte erzählte. Dieses Mal forderte er dreist 100 000 Euro! Die Summe hätte der Rentner tatsächlich kurzfristig in bar aufbringen können, doch jetzt war die Polizei an seiner Seite.

Der Rentner vereinbarte zum Schein einen Termin, zu dem wieder der selbe Mann erschien, der wenige Tage zuvor bereits die 60 000 Euro abgeholt hatte. Doch nun nahm ihn die Polizei in Empfang. Der 35-jährige Betrüger war extra aus Rüsselsheim angereist. Bei seiner Vernehmung nannte der Mann seinen Auftraggeber, einen wegen Betruges vorbestraften Türken (25). Der Komplize wurde Anfang September in Hessen gefasst. Beide Männer warten nun auf ihren Prozess. Die 65 000 Euro waren allerdings weg. Die Ermittler vermuten das Geld in der Türkei bei Bandenmitgliedern, die in der Hierarchie noch weiter oben stehen.

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