Am Riemer Badesee Ertrinkende unter Wasser orten: Eine Drohne als Lebensretter

Markus Schmirler von der Wasserwacht (l.) und Student Thomas Fuchs beobachten auf dem Smartphone, was die Drohnenkamera aufnimmt. Foto: G. Mühlthaler

Am Riemer Badesee geht die Wasserwacht völlig neue Wege: Mittels einer Drohne sollen Ertrinkende schneller geortet werden.

 

München - Wenn aus dem fröhlichen Badespaß tödlicher Ernst wird, weil ein Mensch zu ertrinken droht, ist schnelle Hilfe überlebenswichtig. Doch wie einen Ertrinkenden finden, wenn er erst mal untergegangen ist? Am Riemer See testen Wasserwacht und Hochschulen jetzt, ob man mit Drohnen Ertrinkende unter Wasser orten kann.

Der Riemer See ist ein Dorado für Wasserratten. Bei Badewetter tummeln sich Hunderte Schwimmer und Nichtschwimmer im Wasser und am Strand. Doch in der künstlichen Badewanne lauern Gefahren – der flache Uferbereich fällt bereits nach 15 Metern plötzlich steil ab.

Der See wurde schon zehn Mal zur Todesfalle

Heuer sind schon zwei Menschen im See ertrunken, seit Eröffnung zur Buga 2005 sind insgesamt zehn Opfer zu beklagen. Inzwischen warnen Schilder und Bojen vor der Gefahr.

Doch der Wasserwacht, die von ihrer Station aus den See nicht überblicken kann, ist das nicht genug. Uwe Wagner, technischer Leiter der Wasserwacht Riem, hatte 2015 die Idee zu testen, ob mit Drohnen Ertrinkende aufgespürt werden können.

Erste Testflüge mit gemischten Ergebnissen

Mit im Boot sind inzwischen der Drohnenhersteller Autel, sowie die TU München und die Hochschule für Angewandte Wissenschaften München. Student Thomas Fuchs (TU) hat das Thema für seine Masterarbeit aufgegriffen.

Gemeinsam mit dem Wasserwachtler Markus Schmirler, der das Projekt betreut, dokumentiert er genau, was bei den Testflügen zu sehen ist. Nach dem ersten Start in Riem machte sich erst mal Enttäuschung breit – das karibikblaue Wasser ließ der Drohnen-Kamera wenig Durchblick.

"Die Puppe und das leuchtend gelbe Handtuch waren so gut wie unsichtbar. Im Feldmochinger See konnte man die versenkte Puppe auf vier Metern Tiefe gut sehen", berichtet Schmirler. Er vermutet, das gelbliche Sediment des Seegrunds ist schuld. Später, am gleichen Tag allerdings, übertrug die Kamera Bilder auf Handy und Monitor, auf denen Puppe und Handtuch viel besser zu erkennen waren. "Der Einfallswinkel der Sonne spielt eine Rolle. Wir testen jetzt, wie sich die Reflexionen auswirken".

Die Drohne bei einem ihrer Testflüge am Riemer See.

Student Thomas Fuchs hat dazu eine Versuchsanordnung entwickelt, in der Datum, Uhrzeit, Wetter, Temperatur, Wind, Wolken, Wellen, Kamerawinkel und Sichtbarkeit von Rot, Grün Blau, Weiß, Schwarz und Puppe dokumentiert werden. Man überlegt auch, statt der Kamera Sensoren einzusetzen.

Die Drohne ist schneller als Boote oder Helikopter am Unglücksort

Die Universitäten denken nun über alternative Technologien zum Aufspüren Ertrinkender nach, die selbst an kleinen Drohnen angebracht werden können. "Wenn jemand vermisst wird, muss man ihn möglichst schnell finden, davon hängt das Überleben ab. Unser Rettungsboot braucht weit länger zur Unglücksstelle als der Quadrocopter. Der ist auch schneller als der Rettungs-Heli", sagt Markus Schmirler.

Außer den technischen Hürden muss die Wasserwacht noch ein paar bürokratische überwinden. "Wir möchten für die Tests dauerhaft eine Puppe im See verankern. Das Baureferat hat das bisher aber nicht genehmigt", so Schmirler. Und laut Gesetz dürfe eine Drohne eigentlich nicht über einem "Einsatzort" fliegen.

Die Stelle, an der ein Mensch untergegangen ist, sei aber der "Einsatzort". Die Uni will deswegen jetzt Kontakt zu Innenminister Herrmann aufnehmen.

Schnell war dagegen ein anderes Problem gelöst: Weil nur Wasserwachtler die Drohne über den See steuern dürfen, unterschrieb Student Fuchs einfach einen Mitgliedsantrag, Beitrag muss er nicht zahlen.

Jetzt soll die Drohne möglichst bald – nicht nur zu Testzwecken – eingesetzt werden, gerade herrscht ja wieder Hochbetrieb am Badesee. Wobei alle hoffen, dass kein Ernstfall eintreten wird.

 

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