Am Rande der FC Bayern Büroeröffnung in New York München in New York: Thomas Gottschalk im AZ-Interview

Thomas Gottschalk und AZ-Reporter Patrick Strasser. Foto: Strasser

Die AZ trifft Gottschalk in den USA bei der Eröffnung des neuen FC-Bayern-Büros, redet mit ihm über seine Zeit in der Sendlinger Straße – und über Fußball.

 

New York – Der FC Bayern eröffnet seine erste Zweigstelle in Amerika – mit einer Party in Manhattan, 120 Gästen und einem gut gelauntem Thomas Gottschalk. Die AZ sprach mit dem Show-Liebling am Rande des Fußball-Festes.

AZ: Herr Gottschalk, haben Sie kurz ein paar Minuten Zeit für die Abendzeitung?

THOMAS GOTTSCHALK: Die Abendzeitung? Na, klar. München ist auch hier – wie schön. Ja, wie gibt’s die noch? Wie geht’s Euch denn momentan?

Wird schon. Totgesagte leben länger.

Sie wissen, dass ich mit Marie Waldburg gemeinsam bei Euch war? Damals war Graeter gerade bei „Bunte“. Ist das in der Geschichte der AZ noch präsent?

Aber sicher.

Ich erinnere mich gut an die Sendlinger Straße und habe heute noch 100 Seiten von diesem grünen Saugpost-Papier, diese Spaltendinger. Darauf habe ich jede Woche meine Kolumne geschrieben, die habe ich immer noch zu Hause irgendwo rumfliegen als Wischpapier.

Sie haben in New York die Eröffnung des neuen Bayern-Büros moderiert. Erzählen Sie: Wo haben Sie die WM-Spiele verfolgt?

Das Finale in meiner Heimatstadt Kulmbach in der „Alten Feuerwache“. Dort gab es ein Public Viewing, andere Spiele im Goethe-Institut in Kalifornien, meinem Wohnsitz – dort war ich eingeladen vom deutschen Konsul. Es waren viele Amerikaner in Deutschland-Trikots da um 9 Uhr früh zum Kaffee. Das war beeindruckend.

Wie haben Sie gejubelt, als Mario Götze Deutschland mit seinem Tor zum Titel schoss?

Ich bin niemand, der sich bei so etwas auf die Brust trommelt. Aber bei dem Tor habe selbst ich erkannt: Das war weltmeisterlich. Wie der den Pass mit der Brust angenommen hat – das hätte ich auch gern so gemacht, wenn ich es denn können würde.

Als Bayern-Fan dürften Sie sich für die sechs Münchner Weltmeister besonders gefreut haben.

Wenn ich Paul Breitner sehe, bin ich immer noch aufgeregter, als wenn ich Bastian Schweinsteiger sehe. Das ist eine Generationen-Sache, das ist einfach so. Die alten Bayern habe ich noch als Knorr-Bildchen gesammelt, die aktuelle Nationalmannschaft kriege ich nicht zusammen. Ich habe in München studiert, bin ein Bayer geblieben. Als Franke gab’s für mich den 1. FC Hof und die Clubberer, den 1. FC Nürnberg, die sind mir am nächsten, aber dann bin ich mit fliegenden Fahnen zum FC Bayern übergelaufen.

Was war denn Ihr größter Moment der Karriere – als Hobbyfußballer?

Ach, Gott. Wenn die Mannschaften gewählt wurden, war ich einer von denen, die immer zugeteilt wurden. Es wurde ja dann immer gewählt und am Ende blieben drei, vier Lahme übrig. Einmal habe ich es geschafft, ins Tor direkt gewählt zu werden.

Und erfolgreich?

Na ja, wenn der Stürmer auf mich zu rannte, habe ich ihn schon aus 20 Meter Entfernung beschimpft. Dann war er kurz vor dem Tor natürlich dermaßen verunsichert, dass er mir den Ball in die Hände geschossen hat.

Sie waren ein sprechender Verteidiger.

Ein moderierender Torwart.

Zurück zum Profifußball. Ist die USA nun endgültig reif für den großen Fußball-Boom – nach den Erfolgen bei der WM und mit der Präsenz des FC Bayern?

Ich hoffe es. Wenn man den Amerikanern etwas richtig verkauft, kann man ihnen alles verkaufen. Dafür brauchst du natürlich Figuren, Leute mit Star-Qualitäten. Du brauchst die Neuers, die Schweinsteigers. Der Fußball als Sport an sich war in den USA nie so verloren wie manche dachten. Meine beiden Söhne haben in der Schule Fußball gespielt, Barack Obama interessiert sich wirklich für Fußball. Das hat es früher nicht gegeben. Da war es immer nur Football und Basketball. Die WM hat einiges bewirkt. Vielleicht machen die Bayern es ja geschickt.

Inwiefern?

Wenn die Bayern klug sind, suchen sie zur Pflege der Dependance des Klubs hier in New York einen US-amerikanischen Spieler aus.

Bayern hat schon einen: Julian Green.

Ja, eben. Den muss man jetzt pushen.

Schon mal von ihm gehört?

Ja, jetzt von Ihnen. Generell ist es schwierig hier. David Beckham versucht ja gerade, einen Klub in Miami aufzubauen. Um eine Fußball-Meldung in der Los Angeles Times zu finden, musst du schon lange suchen. Champions League wird gerade noch erwähnt, aber die Bundesliga weniger. Sportbars hingegen sind durchaus coole Treffpunkte, gerade für die jungen Leute. Da läuft immer öfter Fußball. Das ist neu.

Ist Bayern-Trainer Pep Guardiola der perfekte Werbeträger?

Die USA ist immer eine bunte Veranstaltung, hier leben viele Iren, Italiener, Latinos und so weiter. Sie mögen die europäische Tradition. Das kann dem Fußball helfen.

Lesen Sie hier: Pep Guardiola: "Es gibt keine Ausreden"

Gehen Sie mal ins Stadion zum Fußball?

Nee, nee. Ich habe ein paar reiche Freunde in Los Angeles, die mir erzählen, dass ihre Karte für das Allstar-Game der Basketballer 15 000 Dollar gekostet hat. Da sitzt du schon auf dem heißen Stuhl.

Wenn Sie mal wieder in München sind, gehen Sie dann in die Allianz Arena?

Wenn die Chance da ist, dann gerne.

Wird Bayern wieder Meister?

Ich denke schon. Ich hoffe nur, dass es nicht wieder einen Durchmarsch gibt und die Liga so zu einer Zweiklassen-Gesellschaft wird. Es sollte schon mal wieder spannend werden und die Bayern nicht schon am 4. Advent Meister.

 

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