Am Ort der ersten Nazi-Razzia Denkmal-Einweihung: Erinnerung an verfolgte Schwule

Der Siegerentwurf des Denkmals an der Ecke Dultstraße/Oberanger. Hier war früher die Schwulenbar "Schwarzfischer". Foto: dpa

Am Dienstag wird am Oberanger das Denkmal für die homosexuellen Opfer der Nazis eingeweiht.

München – An der Ecke Oberanger/Dulstraße stand einst das Schwulenlokal "Schwarzfischer". Am 20. Oktober 1934 fand hier die erste großangelegte Razzia der Nazis unter Münchner Schwulen statt. Hier begann, wenn man so will, die systematische Verfolgung Homosexueller durch Polizei, Gestapo und Justiz in München.

Und genau hier, an der Ecke Oberanger/Dulstraße, soll von Dienstag an den in der NS-Zeit verfolgten Lesben und Schwulen gedacht werden. Dass auch in München ein Denkmal für diese Opfergruppe entstanden ist, ist keine Selbstverständlichkeit. Es ist das Ergebnis eines jahrzehntelangen Kampfes für dieses sichtbare Gedenken.

Denkmal und gleichzeitig Mahmal für die Zukunft

Öffentlichkeit und staatliche Stellen taten sich sehr lange sehr schwer mit der Erinnerung an die homosexuellen Opfer. Andere Opfergruppen und ihre Vertretungen taten es auch. Selbst in der KZ-Gedenkstätte in Dachau erinnerte jahrzehntelang überhaupt nichts an die schwulen ehemaligen Häftlinge. 1985 sammelten schwule Aktivisten in München genug Geld für einen Gedenkstein – der durfte auf dem Gelände der Gedenkstätte dann aber nicht aufgestellt werden. Die Versöhnungskirche ließ ihn schließlich aufstellen. Erst viel später durfte der Stein in den Gedenkraum der Gedenkstätte selbst.

Im Rathaus stellte Rosa-Liste-Stadtrat Thomas Niederbühl 2008 den Antrag, ein Denkmal errichten zu lassen – und bekam eine Mehrheit.


Stadtrat Thomas Niederbühl (Rosa Liste). Foto: Mike Schmalz

Am Dienstag spricht OB Dieter Reiter (SPD) ab 18 Uhr bei der offiziellen Einweihung des Denkmals der Künstlerin Ulla von Brandeburg, die ein buntes Bodendenkmal entworfen hat. "Die Eröffnung des Denkmals ist eine Gelegenheit, als Oberbürgermeister und als Stadtgesellschaft Verantwortung zu zeigen", sagt Reiter.

Thomas Niederbühl, der Initiator, sagt, das Denkmal solle ein "Gedenk- und Erinnerungsort sein an die Verfolgten und die zerstörte Infrastruktur". Und, das ist Niederbühl wichtig, auch ein "Mahnmal für die Zukunft".

 

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