Bestand ist stabil Den Hasen hat das trockene Frühjahr gut getan

Ein Feldhase (Lepus europaeus) sitzt in einem vom Morgentau nassen Getreidefeld im Oderbruch. Foto: Patrick Pleul/dpa

Kurz vor Ostern veröffentlichen die Jäger das Ergebnis ihrer Hasen-Zählungen. Der Bestand ist stabil, es gab im vergangenen Sommer ordentlich Zuwachs. Das Wetter hat es zumeist gut gemeint mit den empfindlichen Junghasen, doch auch die Politik sollte etwas tun, fordern die Jäger.

 

Mainz - Der trockene und warme Frühling im vergangenen Jahr hat den Feldhasen gut getan. "Durchschnittlich zwölf Feldhasen pro Quadratkilometer gab es im Frühjahr 2018 auf Feldern und Wiesen in Deutschland, einen mehr als im Jahr zuvor", sagte DJV-Sprecher Torsten Reinwald in Mainz.

Das habe die jährliche Hasen-Zählung ergeben. Damit sei der Bestand bundesweit seit rund zehn Jahren stabil, wenn auch auf niedrigem Niveau.

"Je nach Region schwanken die Hasenzahlen stark", berichtete Reinwald. Die meisten Tiere lebten im Nordwestdeutschen Tiefland. Dort wurden 16 Hasen pro Quadratkilometer gezählt. Im Südwestdeutschen Mittelgebirge waren es 14, im Alpenvorland 12 und im Westdeutschen Mittelgebirge 11. Nur 7 Hasen wurden dagegen pro Quadratkilometer offener Landschaft im Ostdeutschen Mittelgebirge erfasst, im Nordostdeutschen Tiefland sogar nur 5.

Kurz vor Ostern gibt es eine ausgesprochen gute Nachricht von den Langohren. "Im Vergleich zum Frühjahr haben die Jäger im Herbst 18 Prozent mehr Feldhasen gezählt", sagte Reinwald. "Das ist die höchste Nettozuwachsrate seit 2007." Besonders hoch war der Zuwachs demnach im Nordwestdeutschen Tiefland mit 25 Prozent, gefolgt vom Südwestdeutschen Mittelgebirge mit 21 Prozent. Nur im Ostdeutschen Mittelgebirge war der Wert mit minus 3 Prozent negativ. Jäger und Wissenschaftler haben bundesweit in rund 450 Referenzgebieten für das Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands (WILD) gezählt, Sachsen war allerdings nicht dabei.

Die kommenden Wochen entscheiden, wie es mit dem Feldhasen weitergeht. "Nach dem zurückliegenden milden Winter stehen die Chancen gut, dass sich die Feldhasenbestände 2019 weiter erholen. Entscheidend ist ein trockenes Frühjahr", betonte Reinwald. Anders als bei den Kaninchen gibt es keinen schützenden Bau, in den sich die Feldhasen zurückziehen können. Ist es nass und kalt, sterben viele Junghasen an Krankheiten oder sie erfrieren, vor allem im Frühjahr.

"Günstige Witterung allein hilft dem Feldhasen nicht", sagte DJV-Vizepräsident Volker Böhning. "Wir brauchen ein Produktionsziel Artenvielfalt", sagte er am Donnerstag zu den Zahlen, die auf einem Niederwildsymposium in Mainz zur Zukunft etwa von Feldhase und Rebhuhn vorgestellt wurden. Landwirte müssten künftig unbürokratisch entlohnt werden, wenn sie beispielsweise Blühstreifen mit Wildkräutern anlegten, forderte Böhning auch mit Blick auf die zeitgleich stattfindende Agrarministerkonferenz in Landau.

Bauern bewirtschafteten 51 Prozent der Fläche Deutschlands, betonte Böhning. Der subventionierte Anbau von nachwachsenden Rohstoffen habe sich zu Lasten der Artenvielfalt ausgewirkt, beklagte er. Heute würden auf einem Viertel der Fläche nur noch Raps, Mais und Weizen angebaut. Mehrjährige Brachen mit wertvollen Wildkräutern seien dagegen innerhalb eines Jahrzehnts von fast 9000 Quadratkilometern auf etwa 3000 geschrumpft. Neben Witterung und Lebensraum sei auch die Zahl der Fressfeinde für den Hasen wichtig, hieß es. Jäger müssten Raubsäuger wie den Fuchs intensiv bejagen, forderte Böhning. Dabei sei auch die Jagd mit Fallen notwendig.

Und sind die Jäger selbst des Hasen Tod? Mehr als 180 000 Feldhasen endeten im Jagdjahr 2017/2018 unter Autoreifen oder wurden geschossen. "Die Jagd ist dort, wo ausreichend Feldhasen gezählt wurden, keine Bedrohung für die Tiere", sagt dazu Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung in Hamburg. "Seit den 1960er Jahren haben sich aber die Lebensräume für die Hasen drastisch verschlechtert", beklagt auch er. Bis dahin habe der Hase als Kulturfolger fast ideale Bedingungen vorgefunden. Dann seien aber die Zahlen bis Ende des vergangenen Jahrhunderts im Vergleich dazu drastisch eingebrochen. Heute fehle es an Deckung und unbearbeiteten Flächen. "Vor allem Junghasen laufen so Gefahr, unter die Räder von Landmaschinen zu kommen", sagte der Wildbiologe. Dennoch: "Der Feldhase ist ein Kulturfolger und läuft nicht Gefahr auszusterben."

 

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