Hannes Ringlstetter über seine neue CD "Fürchtet Euch nicht", den Pumuckl und warum er knapp 5.000 Fläschchen Duschgel besitzt.

München - Mit Freunden wie Stephan Zinner, Claudia Koreck, Christian Tramitz oder Stefan Stoppok hat Hannes Ringlstetter sein neues Album "Fürchtet Euch nicht!" eingespielt. Am Freitag stellt er es auf dem Tollwood Festival vor. Der 48-jährige in München geborene und in Straubing aufgewachsene Künstler hat eine eigene Talk-Show im Bayerischen Fernsehen.

AZ: Herr Ringlstetter, wenn sie drei Vorbilder benennen würden, dann wären das...?
Hannes Ringlstetter: Erstens Pumuckl! Je älter ich werde, umso mehr merke ich, dass die Anarchie in mir immer lauter wird. Der Pumuckl steht dafür. Künstlerisch ist der Qualtinger ein Vorbild. Und drittens, das ist keine Person, sondern Leute, die ihr Ding machen und unbeirrbar sind, ohne beratungsresistent zu werden. BAP hat gerade im Circus Krone gespielt, der Niedecken, den ich auch in meiner Sendung hatte, hat mich angerufen mit ihm ein Lied zu spielen. BAP war eine Band meiner Jugend, die ich inzwischen verloren hatte. Aber als ich beim Konzert war, fand ich das geil, dass da einer über 60 ist, der sich immer noch entwickeln will, aber so einen Stil geprägt hat.

Ihr Album heißt "Fürchtet Euch nicht!", wovor soll man sich nicht fürchten?
Der Titel ist eine provokante Antwort! Weil einer jetzt mal das Gegenteil sagen muss. In dieser Zeit, in der es ständig um Angst geht. Vor allem muss man Angst haben, obwohl es dem Land gut geht. Das führt dazu, dass die ganze Gesellschaft einsackt. Die Angst wird politisch und wirtschaftlich bedient. Und ich hatte das Bedürfnis, das Gegenteil zu sagen. Wenn viel Hass unterwegs ist, will ich die Liebe als Gegenmodell ansprechen. Jeder Mensch hat Ängste, aber vor was man sich grundsätzlich nicht fürchten muss, das ist Veränderung.

Vor was haben Sie Angst?
Weltpolitisch bin ich in erster Linie verwirrt. Ich weiß nicht, ob das alles so ist, wie die das sagen, oder vielleicht ist es auch ganz anders? Vielleicht rettet der Trump gerade aus Versehen die Welt, der macht mir aber keine Angst. Ich stehe wie die meisten Menschen vor ihm mit einem großen Fragezeichen und dem Gedanken - was bist denn Du für einer? Wir müssen heute nicht mehr Angst haben als die Generationen vor uns. Aber mit der Informationsflut ist das Gefühl der Angst viel leichter herzustellen. Wir erfahren so viel, das Angst macht, dass wir sie bekommen. Privat hab ich Angst vor Tod, Verderben und Siechtum, und natürlich, ob den Kindern was passiert. Aber grundsätzlich bin ich kein ängstlicher Mensch.

Sie haben ein Album mit vielen Freunden aufgenommen - warum?
Die Absicht war, dass "Fürchtet Euch nicht!" wieder eine Vielfalt hat. Es geht auch darum, die Einflüsse der Gäste aufzunehmen und zu schauen, was kann ich dazu beitragen. Mit den Rappern war es am lustigsten, weil das am weitesten von mir entfernt ist. Uns gemeinsam zu einem Stück zu formen, war wahnsinnig spannend. Oder mit der Claudia Koreck ein Lied zu singen. Ich finde, dass sie eine große Stimme hat und ich wollte mit ihr etwas machen, was wir beide nicht geschrieben haben. Eben diesen Klassiker "Tennessee Whiskey" zu zweit zu interpretieren – offen in allen Richtungen, furchtlos.

Nach welchen Kriterien haben Sie die Künstler ausgewählt?
In erster Linie nach Sympathie und zweitens die gleiche Haltung! Alle sind in ihrer Arbeit furchtlose Gesellen. Zum Beispiel die Claudia, die jetzt ein englischsprachiges Album nach ihrem „Fliangg“ rausgebracht hat, das find ich mutig. Oder die Dichtis, die ich jetzt auch schon länger kenne. Die auf der einen Seite sehr heimatverbunden sind, aber andererseits hauen sie da drauf. Seit Hans Söllner kenn’ ich nichts, das sich so krass mit Heimat beschäftigt hat und mit so klarer Sprache draufhaut. Das find ich gut. Mit dem Stoppok hab ich Lust gehabt, Sprache zu vermischen, sich von Klischees zu trennen, dass man alles bayerisch machen muss. Der Stoppok ist definitiv am weitesten von unserem Dialekt entfernt, wie es nur geht. Oder das Wienerlied mit dem Machatschek draufzupacken. Ich wollte einfach eine Bandbreite haben.

Auf dem Cover tragen Sie einen weißen Anzug, wie cool ist es, solch einen zu besitzen?
Naja. Meine Frau hat den bestellt für mich und gemeint, sie ist sich gar nicht sicher, ob das nicht ziemlich Scheiße ausschaut. Aber der Anzug ist schon cool. Ich wollte das machen, weil Weiß die Farbe der Unschuld ist. Das ist passend für das "Fürchtet euch nicht!"-Thema. Und zum Anderen war ich mit 18 oder 19 auf der Loreley und hab David Bowie als Headliner in einem weißen Anzug gesehen. Da dachte ich mir, jetzt wo Udo Jürgens nicht mehr lebt, muss einer den weißen Anzug wieder zurück in den Rock’n’Roll bringen. Der darf nicht im Schlager bei den Amigos verenden.

Talkshow "Ringlstetter", WG-Kabarettist bei "3. Stock links", Yazid bei "Hubert & Staller", Bühnenauftritte und noch Musik. Brauchen Sie die Abwechslung?
Der Wechsel tut mir gut, weil ich dann innerlich nicht so abhängig bin. Das hat etwas mit meinem individuellen Freiheitsbegriff zu tun. Und es ist gegenüber von Fernsehsendern oder Institutionen immer gut, wenn die wissen, dass einer ein Standing hat, dass der nicht alles braucht. Das machte einen freier. Inhaltlich mache ich wirklich gern die BR-Show, aber diese Dauerbelastung einer wöchentlichen Show muss ich durchbrechen. Sonst fällt mir nichts mehr ein. Musik machen und auf Tour gehen ist eine komplett andere Energie, die eine sehr große Rolle bei mir spielt. Aber die Belastung wurde größer und ich hab’ gemerkt, dass ich nicht mehr alles so auf den Punkt mache, wie ich das von mir erwarte. Daher hab ich das Kabarett-Live-Spielen etwas eingestellt, um mich auf Anderes besser zu konzentrieren. 2019 komme ich in Ruhe mit einem neuen Programm raus. Die "Hubert&Staller"-Drehtage nehme ich mit, weil es mir total Spaß macht. Das läuft im achten Jahr, der Erfolg ist Wahnsinn, und uns strengt es nicht mehr so an.

Cowboys, siehe auch "Ringl on fire!", sind ein wiederkehrendes Thema bei Ihnen. Warum?
Endlich fällt das mal jemandem auf! Das hat viel mit mir zu tun. Als Kind war ich immer Indianer, dann war ich aber überhaupt kein Western- oder Countryfan. Dann gab es aber ein einschneidendes Erlebnis. Diese berühmte letzte Jonny Cash-Platte. Da merkte ich, dass ich ein komplett falsches Bild vom Country hatte. Und dann habe ich festgestellt, dass die eigene "Mannwerdung", die anscheinend nie abgeschlossen ist, feste Bilder braucht – wie will man sein? Ich fand diese Cowboy-Attitüde so panne und so wenig zeitgemäß, dass ich sie fast schon wieder cool finde – mittlerweile. Das "Ringl on fire!" hat mich so fasziniert, weil es mich an meine Kindheit erinnert hat. Straubing oder Niederbayern ist ja fast so wie die Südstaaten in den USA. Lange weite Weizenfelder, die man im Sonnenuntergang betrachtet und dann diese Traberstadt Straubing, wo überall Pferdl stehen. Mir ist dann aufgefallen, dass hier ein Cowboyleben möglich ware, wenn man cool wäre (lacht).

Auf Ihrer Homepage gibt es Ihre CDs und Bücher, aber da findet sich auch ein Bade- und Duschgel – warum?
Also 2014 hab ich ein Soloprogramm geschrieben, das mit Bühnenbild und Aufwand so groß war, dass es klar war, dass ich es nur ein Jahr spielen werde. Die Idee war, dass ich rauskomme und mich selber zum Hotel erkläre, "Zum Ringlstetter". Da dachte ich mir, es wäre doch lustig, so ein Duschgel in kleinen Flaschen zu haben, wie es sie in Hotels gibt. Mein damaliger Merchandiser, zu dem ich irgendwann einmal gesagt habe, er soll nicht immer nur 100 Stück von irgendwas bestellen, weil mehr kostet nicht immer viel mehr, hat sich das zu Herzen genommen. Der Wahnsinnige hat 5.000 Stück "Zum Ringlstetter"-Duschgel bestellt. Ich besitze noch 4.800 Stück. Wir geben sie jetzt als Giveaway bei Bestellungen dazu. Es war eine Schnapsidee und betriebswirtschaftlich eine Katastrophe. Das Duschgel riecht in erster Linie frisch, ich nehme es selber her, weil ich genügend davon habe.


Am Freitag, 6. Juli, erscheint das Ringlstetter-Album "Fürchtet Euch nicht" (Millaphon Records) am selben Abend spielt Ringlstetter um 19 Uhr beim Tollwood-Festival in der Musik-Arena (37 Euro,  0700-38 38 50 24)