Als Trainer von Novak Djokovic ändert sich vieles Boris Becker: Bereit für den Lebenswandel?

Zuletzt tummelte sich der einstige Tennis-Star Boris Becker in TV-Shows. Außerhalb Deutschlands dagegen gilt er als seriöser Tennisexperte – das muss er nun mit seinem Engagement als Trainer von Novak Djokovic beweisen.

 

München - Wenn Boris Becker in Wimbledon in den letzten Jahren zu einem seiner "BBC"-Einsätze am Kommentatorenmikro schritt, dann wirkten seine Auftritte in der Öffentlichkeit wie eine Zeitreise in die Vergangenheit. "Boris, Boris"-Rufe ertönten, Fans zerrten ihn zum gemeinsamen Foto, manche berührten ihn auch einfach nur wie ein Heiligtum.

Es war und ist ein merkwürdiges Bild für die, die Becker in Deutschland bloß als "Old Twitterhand" kennen, als Protagonist immer neuer Biographien oder als Mann, der sich in seltsame TV-Abenteuer mit einem sogenannten Comedian namens Oliver Pocher stürzt.

Seit vielen Jahren schon gibt es diese Wahrnehmungs-Diskrepanz zwischen dem Becker, der sich in der Welt bewegt. Und dem Becker, der sich ausgerechnet in Deutschland in der Sucht nach Anerkennung und Wahrnehmung in immer neue Kalamitäten verwickelt.

Kein Wunder, dass die Fragestellung, wer nun eigentlich in der neuen Megapartnerschaft Boris Becker/Novak Djokovic wem mehr helfen soll, eine sehr deutsche ist. Und ein deutsches Becker-Problem aufzeigt: Denn je weiter sich der einstmals beste Tennisspieler der Welt wegbewegt von deutschen Sprengeln, umso verhaltensunauffälliger wird er.

Auch Djokovic, der Weltranglisten-Zweite, der Becker nun als Cheftrainer engagiert hat, kennt nur diesen seriösen und anerkannten Tennis-Experten Becker.

Nun wird sich Beckers Leben im besten Fall so einschneidend verändern wie letztmals nach seinem Abschied vom Tennis 1999. Um bei Djokovic, einem der Marktführer der Branche, im Spiel und Geschäft zu bleiben, braucht Becker jene Ausdauer, Hartnäckigkeit und Seriosität, die ihm in aller Geschäftstätigkeit seit dem Verlassen des Centre Courts fehlte.

Die lichten Momente spielten sich meist jenseits deutscher Beobachtung ab, in der Rolle des weltweit geschätzten TV-Experten oder auch als Botschafter für Hilfsprojekte des Laureus-Sportlernetzwerks.

Mit unverhohlenem Stolz twitterte Beckers Gattin Lilly am Mittwochmorgen die Botschaft von der Transfersensation hinaus in die Welt – doch ob ihr da schon klar geworden war, dass sich auch das Ehe- und Familienleben auf den Kopf stellen wird? Nimmt Becker den Job an der Seite Djokovics wirklich ernst, dann wird er bald schon wieder ein knappes halbes Jahr auf der Tour unterwegs sein.

Vier Grand Slam-Turniere, noch dazu acht Masters-Wettbewerbe erfordern Vor- und Nachbereitung. Und wenn Djokovic ruft, auch außerhalb der vorgesehenen Termine, wird Becker Gewehr bei Fuß stehen müssen, nichts anderes hat er schließlich früher von seinen Trainern auch verlangt.

Djokovic, für den Becker eines seiner Jugendidole war, kennt den Altmeister schon seit Jahren gut. Djokovic ist ein Perfektionist, der sofort spürt, wenn etwas fehlt an seinem unternehmerischen Gesamtkunstwerk.

Er hatte zwar einen Ernährungsberater an seiner Seite, einen Fitness- und einen Athletikcoach, einen Manager und einen Pressemanager, natürlich auch den Tschechen Marian Vajda als Cheftrainer. Aber doch hatte er auch das Gefühl, in Notlagen auf und neben dem Platz zu sehr auf sich allein gestellt zu sein.

Da kam Becker für ihn ins Spiel, der Anti-Becker zum deutschen Becker, der ihn jetzt auch auf Platz 1 der Tennischarts zurückbringen soll. Für den Deal wird Djokovic kräftig in die Tasche greifen müssen, denn Becker wird einige Aktivitäten einstellen müssen, wohl auch die Kommentatorenjobs.

Allerdings kann der im steuerbegünstigten Monte Carlo residierende Serbe auch das locker siebenstellige Salär für Becker verkraften. Bald schon geht die Abenteuerreise für das Duo los. In Melbourne, bei den Australian Open. Dort, wo Becker einst zum ersten Mal auf Platz 1 der Weltrangliste sprang.

Und wo er 1996, elf Jahre nach der "persönlichen Mondlandung" in Wimbledon, noch einmal als Grand Slam-Champion grüßte.

 

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