Als Folge der Erderwärmung Forscher beobachten "beispiellose" Waldbrände in der Arktis

Ein Löschflugzeug lässt über einem in der Nähe von Montana Creek brennenden Wald Löschmittel ab. In der Arktis und anschließenden Regionen toben Forschern zufolge Waldbrände in einer bislang nicht gemessenen Zahl. Foto: Michael Risinger/Zuma Press/dpa

Die Erderwärmung hat Forschern zufolge immer drastischere Folgen auch im Hohen Norden: Die Zahl der Brände in hohen nördlichen Breiten ist so groß wie nie. Riesige Waldflächen sind in Gefahr, die Luftverschmutzung erreicht nicht gekannte Rekordwerte.

 

New York/Reading/Moskau - In der Arktis und anschließenden Regionen toben Forschern zufolge Waldbrände in einer bislang nicht gemessenen Zahl.

In Alaska, Kanada und Sibirien gebe es Dutzende Brandherde, teilte das von der EU finanzierte "Copernicus Atmosphere Monitoring Service" (Cams) im britischen Reading mit. Auch wenn Waldbrände im hohen Norden im Sommer immer wieder vorkommen, sei die Anzahl um ein Vielfaches höher als in den Vorjahren.

Dadurch gibt es auch eine extreme Luftverschmutzung und Erzeugung von Hitze, wie aktuelle Cams-Daten zeigen. Demnach waren die CO2-Emissionen in der Arktis mit 60 Megatonnen für den Monat Juli bislang doppelt so hoch wie in den entsprechenden Monaten der Vorjahre. Der Wert, der bis zum 24. Juli erfasst wurde, war auch deutlich höher als in jedem in der Statistik aufgelisteten Jahr seit 2003.

Mitte Juli hatte das Cams, das im Auftrag der Europäischen Union den Zustand der Atmosphäre beobachtet, bereits Alarm geschlagen und mitgeteilt, dass Sattelitenaufnahmen mehr als 100 schwere Waldbrände innerhalb des nördlichen Polarkreises zeigten. Die im Juni emittierten 50 Millionen Tonnen CO2 - der Jahresausstoß von Schweden - hätten die Juni-Emissionen der vergangenen acht Jahre zusammen überstiegen. Die Forscher betonten, dass sommerliche Feuer zwar normal, Größe und Dauer dieser Brände aber sehr ungewöhnlich seien. Einige der Herde seien etwa so groß wie 100.000 Fußballfelder. Alleine in Alaska seien in diesem Jahr schon etwa 400 Brände ausgebrochen.

Cams-Wissenschaftler Mark Parrington führte die hohen Zahlen auf die Temperaturen in der Arktis zurück, die weitaus schneller stiegen als im globalen Mittel. "Bei wärmeren Bedingungen können Feuer leichter anwachsen und auch länger andauern, wenn sie einmal entfacht sind." Alleine im Gebiet der Waldbrände in Sibirien waren die Juni-Temperaturen der Organisation zufolge im Schnitt fast zehn Grad höher als im Durchschnitt zwischen 1981 und 2010. Zudem trage Trockenheit in der Arktis zu den Bränden bei.

Nach Angaben der Forstverwaltung Russlands vom Donnerstag war im Osten des Landes bereits eine Waldfläche von insgesamt mehr als zwei Millionen Hektar abgebrannt. Das entspricht etwa der Größe von Hessen. Aktuell gebe es 162 Brände auf einer Fläche von fast 150.000 Hektar. Am stärksten betroffen sei die Region Irkutsk am Baikalsee. In den meisten Fällen bestehe aber keine Bedrohung für Städte und Siedlungen, teilten die Behörden mit.

Russischen Medienberichten zufolge brennen meist Wälder in schwer zugänglichen Gebieten. Dort zu löschen, käme teurer als der Schaden, den die Feuer anrichteten. Löschtrupps rücken demnach nur an, wenn Dörfer und Städte oder Infrastruktur gefährdet seien. Nach offiziellen Angaben bekämpfen derzeit mehr als 2300 Einsatzkräfte die Feuer. Auch Löschflugzeuge werden eingesetzt.

Dichter Rauch zieht in viele Dörfer und Städte Sibiriens. Bilder aus den Regionen zeigen, wie der Himmel von Qualm bedeckt und die Sonne kaum zu sehen ist. In der Stadt Krasnojarsk rieten die Behörden den Einwohnern, nur dann nach draußen zu gehen, wenn dies wirklich notwendig sei. Rauchwolken seien mittlerweile bis zum Ural gezogen.

In Russland kommt es immer wieder zu schweren Wald- und Flächenbränden mit Verletzten und Toten. Bereits im April brannten in der Region Transbaikalien mehrere Häuser nieder. Sibirien hat derzeit mit Trockenheit und hohen Temperaturen zu kämpfen.

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