"Allmächtig" So wird der "Tatort" am Sonntag

Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl, links) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) im Einsatz Foto: BR

Ein skrupelloser Entertainer wird ermordet. Feinde und potenzielle Täter gibt es genug. Die Kommissare ermitteln und geraten schnell in Teufels Küche.

 

München - Mahlzeit! Der 66. "Tatort" für die Ermittler aus der bayerischen Landeshauptstadt ist nichts für Sensibelchen. Der Teufel höchstpersönlich ist in Form eines TV-Moderators auf die Erde zurückgekehrt. Er quält und erniedrigt seine Opfer, bis es ihm schließlich selbst an den Kragen geht. Denn wo der Leibhaftige sein Unwesen treibt, ist auch die Kirche nicht fern. Doch trotz origineller Symbolik und tollen Bildern kann die Episode mit dem Titel "Allmächtig" nicht voll überzeugen.

Der narzisstische "Entertainer" Albert A. Anast (Alexander Schubert) ist das Gesicht eines neuen Reality-Formats, das es offensichtlich einzig und alleine darauf abgesehen hat, Menschen bloßzustellen und zu erniedrigen. Doch der "Star" verschwindet plötzlich spurlos und erscheint nicht einmal mehr zu seiner eigenen Party. Da die Liste seiner Opfer und damit auch seiner Feinde lang ist, nehmen die Münchner Kommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) die Ermittlungen auf und begeben sich in die zynische Welt eines Internet-Senders. Eine Spur führt zu Maria Kohlbeck, die die beiden Kommissare jedoch tot in ihrer Messi-Wohnung auffinden. Um sie und Anasts andere Opfer kümmerten sich Pfarrer Fruhmann (Ernst Stötzner) und der junge Priesteranwärter Rufus (Albrecht Abraham Schuch). Auch sie geraten in Verdacht, an Anasts Verschwinden beteiligt zu sein.

"Allmächtig" von Regisseur Jochen Alexander Freydank greift aktuelle und im Grunde auch dankbare Themen auf. Trash-TV und Religion bieten schließlich Angriffsfläche genug. Leider geht die Charakterzeichnung nicht ganz auf. Anast und seine Crew, allen voran Kollegin Ines Lohmiller (Claudia Hübschmann), sind zu aufgedreht, bösartig und skrupellos. Der Moderator ist die moderne Karikatur des Teufels, sein Nachname ein Anagram zu Satan, der Türschloss-Code zur Wohnung "666". Die Liste jener, die es auf ihn abgesehen haben, ist lang - zu lang. Denn um allen Verdächtigen eine Seele einzuhauchen (oder zu rauben), reichen 90 Minuten kaum aus.

Auch Handlung und Dramaturgie können nicht bis zum Schluss überzeugen. Anast ist ein zu großer Unsympath, als dass man als Zuschauer wirklich daran interessiert wäre, seinen Mörder zu finden. Das Motiv ist schlussendlich zwar originell, aber glaubwürdiger macht es den Film nicht. Und das große Finale ist so dramatisch, dass es schon wieder unfreiwillig komisch wirkt. "Du mit deinem Heldenscheiß", mosert Leitmayr in Richtung Batic. Man möchte ihm recht geben.

Die Schwächen sind umso ärgerlicher, weil der Film eigentlich toll inszeniert (Kamera: Peter Joachim Krause) und die Symbolik originell ist. Auch die beiden Kommissare sind wieder mal in Topform. "Wenn man sieht, wie dreckig es den anderen geht, geht's einem gleich viel besser", fasst Batic das Konzept der Reality-Formate zusammen. Der Film ist immer dann stark, wenn seine beiden Hauptdarsteller in Szene gesetzt werden.

Empfindliche Zuschauer sollten sich übrigens zweimal überlegen, ob sie einschalten, denn die Brutalität der Bilder schießt ab und zu über das Ziel hinaus. Offene Wunden in Großaufnahme und Maden auf einer Messie-Leiche verträgt nicht jeder um 20.15 Uhr.

 

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