Allianz Arena immer ausverkauft Die Bayern dahoam: Goldgrube statt kaltes Grauen

Dauerausverkauft: Die Allianz Arena in Fröttmaning boomt, gegen Moskau werden wieder 68 000 kommen. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Arena-Boom: Selbst das bedeutungslose Spiel gegen ZSKA Moskau ist ausverkauft. Vor 13 Jahren im Olystadion kamen nur 4000 Fans im Pokal gegen Wolfsburg.

 

München - ZSKA Moskau? Ausverkauft! 68 000 Fans kommen am Mittwoch in die Allianz Arena. Ein für Bayern fast bedeutungsloses Spiel. Gegen Freiburg am Dienstag? Ebenfalls voll. 71 000! Für das Achtelfinal-Rückspiel der Champions League (Gegner unbekannt, Termin ebenso) liegen bereits weit über 100 000 Bestellungen vor – nichts geht mehr. Auch die Bayern-Heimspiele der kompletten Rückrunde sind überbucht. Der Fröttmaninger Boom hält an.

Über 250 000 Mitglieder (nur die bekommen eine Dauerkarte), seit heute über 25 Millionen Facebook-Fans. Ein Ende ist nicht absehbar. Daher erweitern die Bayern die Kapazität der Allianz Arena ab der Rückrunde auf 75 000 (bei internationalen Spielen: 70 000). Am Mittwoch gibt es den ersten von zwei Testläufen, was die An- und Abfahrt betrifft, mit einem vom Verein finanzierten Bus-Shuttle-Service ab der S-Bahn-Station Donnersberger Brücke.

Schöne, neue Welt. Früher war alles besser? Keinesfalls. Nur knapp 13 Jahre ist es her, da spielte der FC Bayern (ja, die Profis!) vor nur 4000 Zuschauer (ja, richtig gelesen!) im altehrwürdigen Olympiastadion. Ein DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Wolfsburg, 2:1. Heute ist ein Duell mit einem Zweitligisten wie Braunschweig (Anfang März) bereits Monate vorher ausverkauft.

„Das neue Stadion hat keine Laufbahn, du sitzt nicht weit weg, frierst nicht so. Das war früher ganz anders“, sagt Ex-Kapitän Thomas Helmer der AZ, „heute macht es auch den Spielern mehr Spaß.“ An kalten, ungemütlichen Wintertagen dominierte das Bild der leeren Sitzschalen im grauen Olympiastadion. Helmer: „Oft war es extrem kalt, dann haben wir fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit gespielt. Eigentlich musste man sich bei jedem einzelnen Fan bedanken damals, dass die überhaupt gekommen sind.“

Der Minusrekord bei einem Bayern-Heimspiel im Olympiastadion wurde kurz nach der Eröffnung in der Premieren-Saison 1972/73 aufgestellt. Im Pokal kamen in der 1. Runde gegen Barmbek-Uhlenhorst (7:0) sowie im Achtelfinale gegen RW Oberhausen (3:1) lediglich 3000 Fans – was auch daran lag, dass es Rückspiele waren. „Da mussten wir durch, auch wenn kaum einer kam“, erinnert sich Franz („Bulle“) Roth, „es war kein großes Vergnügen. Heute sind die Plätze auch viel besser, wir durften bei Minusgraden nicht mal lange Unterhosen tragen. Und wenn du heutzutage draußen sitzt, hast du beheizte Sitze.“ Früher eine Bierbank. Roth: „Auch wenn es mal kühl ist und der Wind durchpfeift, die Annehmlichkeiten der Arena mit der Gastronomie sind ein Traum, für Bayern ist es eine wahre Goldgrube.“ Und im Winter kein kaltes Grau(s)en.

Im Sommer 2015 feiert der Tempel in Fröttmaning das Zehnjährige, längst haben die Bayern ihr Stadion abbezahlt. „Der Boom wird anhalten, das ist dem absoluten Bayern-Hpye geschuldet, gepaart mit dem anhaltenden Dauer-Erfolg“, sagt Armin Radtke (46), seit 1979 Bayern-Fan und Autor des Buches „Olympiastadion München. Fußballgeschichte unter dem Zeltdach“. Radtke: „Die Partien dort im Winter waren eine Herausforderung. Ab der 60. Minute kroch die Kälte unerbittlich in einem hoch.“

In der Eisschüssel kamen auch in der Champions League kaum Zuschauer (16 000 im Dezember 1999 gegen Kiew, 25 000 gegen Spartak Moskau im Oktober 2001). Radtke: „Auch wenn im Pokal nur ein paar Tausend kamen, hatte das einen komischen, skurrilen Charme. Man hat es mit Humor genommen.“ Und gefroren.

 

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