Alles wird "smart" Oh Panne! So sicher sind unsere Daten tatsächlich

Datendiebstahl betrifft viele Bereiche des Alltags – bei vielen herrscht Nachholbedarf. Foto: dpa

Ein Fax an den falschen Empfänger, "smarte" Geräte erstellen gleich ganze Nutzerprofile: In Bayern gibt es viel zu viele Verletzungen des Datenschutzes.

 

Das bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht hat 2016 mehr als 1.400 Beschwerden von Bürgern über Datenschutzprobleme untersucht. Zudem zählte die Ansbacher Behörde 85 Datenpannen – dreimal so viele wie im Vorjahr. Bei eigenen Kontrollen sahen sich die Experten bestimmte Branchen genauer an. Eine Auswahl der Tätigkeiten und Fälle:

HACKING UND PANNEN:
Durch Kriminelle oder Nachlässigkeit gelangen immer wieder sensible Informationen wie Konto-, Patientendaten oder E-Mail-Adressen in falsche Hände. Während die Zahl der klassischen Pannen wie Verlust, Diebstahl oder Fehlversendungen ungefähr gleich blieb, stieg die Zahl der Hacker-Angriffe stark an. Betreiber von Portalen oder Webshops aktualisierten nicht oft genug ihre Software, hieß es dazu.

MAKLER:
86 Makler hat das Amt im Hinblick auf Datenschutz überprüft – mit Schwerpunkt in München, Nürnberg und Würzburg. "Bei fast allen bestand erheblicher Handlungsbedarf bezüglich des Umfangs der erhobenen personenbezogenen Daten", stellt das Amt fest. Selbstauskunftsformulare und Ausweiskopien würden oft schon vor einer Besichtigung angefordert und nicht benötigte Daten verlangt.

TELEFONNUMMERN:
Immer wieder wenden sich Mieter an die Datenschützer, weil Vermieter deren Telefonnummer an Wohnungsinteressenten weitergeben – damit diese nach einer Kündigung die Wohnung besichtigen können. Das dürfen die Vermieter aber nur mit Einwilligung.

SMARTE GERÄTE:
Zahlreiche Alltagsgegenstände sind heute mit dem Internet verbunden und sammeln Daten über den Nutzer – etwa Spielzeugpuppen, Fitness-Tracker, Zahnbürsten oder Spielekonsolen. "Alle geprüften Geräte hatten eine erhebliche Menge an persönlichen Daten gesammelt und diese oft auch zu gezielten Nutzerprofilen zusammengefügt", heißt es im Jahresbericht der Behörde. Die Datenschutzbestimmungen der Geräte enthielten aber nur unzureichende Informationen über den Umgang mit den Daten.

DATING-WEBSEITEN:
Nutzer von Dating-Seiten werden laut dem Amt nach der Registrierung fast immer aufgefordert, auch höchst sensible und intime Informationen preiszugeben – etwa Gewicht, Religionspraxis, oder erotische Vorlieben. Bei zehn Portalen in Bayern sei "in manchen Teilbereichen noch erheblicher Nachholbedarf der Portalbetreiber" erkannt worden.

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FITNESS-ARMBÄNDER:
Bei der Prüfung von 16 sogenannten "Wearables" hat die Behörde zahlreiche Datenschutzmängel festgestellt. "Viele Käufer können sich anhand der vorhandenen Datenschutzerklärungen kein Bild davon machen, was mit den Daten passiert", schreiben die Datenschützer. Das sei vor allem heikel, weil eine große Menge an sensiblen Daten erhoben werde: "Wir konnten erkennen, dass sich aus den gesammelten Daten ein präzises Bild des Tagesablaufs und Gesundheitszustands des Nutzers ergeben kann."

FALSCHE EMPFÄNGER:
Dass Schreiben mit heiklen Daten per Fax oder Mail an den falschen Empfänger geschickt werden, kommt immer wieder vor – zum Teil mit schlimmen Folgen. In einem besonders brisanten Fall landete ein mehrseitiger psychologischer Befund eines Arztes am zentralen Faxeingang des Arbeitgebers und konnte von mehreren Kollegen gelesen werden.

Konsequenzen: Mit Bußgeldern sensibilisieren

In 52 Fällen hat das bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht in den vergangenen zwei Jahren Bußgelder verhängt – meist unter 1000 Euro.

Fünfmal ordnete die Behörde aber auch Strafen im fünfstelligen Bereich an. Es ging unter anderem um Autofahrer, die andere mit kleinen Kameras in ihren Fahrzeugen gefilmt hatten, um das Versenden von Werbe-Mails trotz Widerspruchs oder um die
wiederholte Faxversendung an falsche Empfänger durch eine Arztpraxis. Dass es weniger Bescheide als im Vorjahr gab, begründet das Amt mit Personalmangel.

 

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