Alles Gute zum 70. Geburtstag Feinde a.D.: Uli Hoeneß gratuliert Willi Lemke

Willi Lemke feierte am Freitag seinen 70. Geburtstag. Sein Ex-Feind Uli Hoeneß war unter den Partygästen. Foto: dpa

Ihre Feindschaft prägte jahrzentelang die Bundesliga. Vor einigen Jahren begruben Uli Hoeneß und Willi Lemke das Kriegsbeil. Am Freitag feierte der Bremer seinen 70. Geburtstag. Unter den Gratulanten: Der Ex-Feind Hoeneß.  

 

Bremen - Ein "Volksverhetzer" durch den "ich hassen gelernt" habe, sagte Uli Hoeneß einst über den damaligen Werder Manager. Die Abneigung beruhte auf Gegenseitigkeit: „Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, Uli Hoeneß in meinen Freundeskreis aufzunehmen", meinte Willi Lemke 2003 über seinen ewigen Widersacher.

Im Februar 2015 sprachen sich beide aus, seitdem duzen sie sich. Bei der Geburtstagsparty von Willi Lemke nun der vorläufige Höhepunkt der frischen Freundschaft. Bei dem großen Empfang zu Ehren des Jubilars im Weserstadion ist auch Hoeneß dabei. Der Ex und wohl auch künftige Bayern-Präsident gratuliert seinem Ex-Erzfeind und überreicht ihm einen Fußball mit Herzmotiven.

Ein Bild, das noch vor wenigen Jahren nicht vorstellbar gewesen wäre.

 

Dabei prägte Lemkes tiefgreifende Fehde mit dem Münchner Managerkollegen wie kaum eine andere gut gepflegte Feindschaft die Liga. Schön zu sehen, dass sich die beiden inzwischen ausgesprochen haben. "Wir sind ja beide nicht mehr die Jüngsten", sagte Lemke dazu. Was Altersmilde alles ausrichten kann.

Das geplante Comeback des Steuersünders Uli Hoeneß beim deutschen Rekordmeister mag er dennoch nur indirekt bewerten: "Es wird wohl klappen, weil Uli ein Kämpfer ist. Aber vielleicht wird es nicht so leicht für ihn sein, wie er jetzt noch glaubt."

Er selber sitzt noch bis Ende November im Werder-Aufsichtsrat, bis Ende Dezember amtiert er noch als UNO-Sonderbeauftragter für Sport, Entwicklung und Frieden. Dann erfindet sich Werder-Willi nicht zum ersten Mal neu: "Ich werde nicht nur für die Rosen im Garten verantwortlich sein."

Mit einer Consulting-Firma will er für Beratertätigkeiten zur Verfügung stehen, "denn ich habe nach so vielen Jahren im Sport mittlerweile ein ganz unglaubliches Netzwerk aufgebaut". Zerplatzt ist indes sein Traum, Hamburg bei seiner Olympiabewerbung für 2024 zu unterstützen.

Lemke prägte 18 Jahre lang Werder Bremen

Auf Menschen zugehen, ihnen zuhören war und ist seit Jahrzehnten die ganz persönliche Stärke des studierten Lehrers, der in Bremen als SPD-Landesgeschäftsführer begann, 1981 Werder-Manager wurde und 18 Jahre lang diesen Klub prägte. Trainer Otto Rehhagel trimmte die Mannschaft auf Erfolg, Lemke füllte die Kassen - mit dieser Arbeitsteilung einher gingen sehr erfolgreiche Jahre an der Weser, gipfelnd 1992 im Gewinn des Europapokals der Pokalsieger (2:0 gegen AS Monaco in Lissabon).

"Auch damals gab es so manche Reiberei, aber grundsätzlich hatten wir das Paradies auf Erden", erinnert sich Lemke, der nach seiner ersten Werder-Epoche eine Politkarriere einschlug, die ihn bis in die Bremer Landesregierung als Bildungs- und später als Innensenator trug.

Viele hätten ihn damals auch gern als Bürgermeister und Nachfolger des sehr beliebten Henning Scherf gesehen, doch bei einer parteiinternen Mitgliederbefragung musste er sich seinem drei Jahre jüngeren Rivalen Jens Böhrnsen geschlagen geben. Dabei hatte Lemke einst als SPD-Geschäftsführer von niemand Geringerem als Willy Brandt einen wahren Ritterschlag erhalten: "Willi ist der lebende Beweis dafür, dass Sozialisten doch mit Geld umgehen können."

Dazu passende Anekdoten rund um den SV Werder gab und gibt es zuhauf. So wurden schon mal Vertragsverlängerungen auf einem Bierdeckel schriftlich fixiert, am Randes eines Trainingslagers soll Lemke mit einem Bündel Geldscheine mehrere Profis nach dem Besuch eines dubiosen Etablissements ausgelöst haben. Und ganz Bremen klopfte sich vor Vergnügen auf die Schenkel, als er sich den Daumen bös quetschte - ausgerechnet am Panzerschrank in der Werder-Geschäftsstelle.

 

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