Alarmierende Zahlen Einsam im Alter: Immer mehr Senioren trinken

Autorenprofil Ruth Schormann
Mit Alkohol versuchen viele Senioren, das Alleinsein zu vergessen. Immer mehr trinken zu viel, zeigt eine aktuelle Auswertung. Foto: Patrick Pleul/dpa

Die Zahl der 65- bis 84-Jährigen, die sich deswegen behandeln lassen, ist rapide angestiegen. Betroffen sind vor allem Männer.

 

München - Wer ein, zwei Glaserl Wein zum Abendessen, dort eine Halbe Bier am Abend vor dem Fernseher: Alkohol wird von Älteren gerne getrunken – und für die Gruppe der Über-65-Jährigen zum großen Problem, wie die Kaufmännische Krankenkasse KKH am Dienstag mitteilte.

So stieg die Zahl der 65- bis 84-Jährigen, die wegen eines akuten Alkoholrauschs oder psychischer Probleme aufgrund von Alkohol ärztlich behandelt werden mussten, von 2007 auf 2017 um zwei Drittel. Vor allem betroffen sind Männer, zeigt die Auswertung: Bei den 70- bis 74-Jährigen betrug der Anstieg rund 95 Prozent.

Alkoholkonsum: Das Problem mit der Dunkelziffer

"Und das ist nur die Spitze des Eisbergs, denn die Daten erfassen nur ärztlich behandelten Alkoholmissbrauch", sagt Patric Stamm vom KKH-Team in München. Die Dunkelziffer sei weitaus höher.

Der übermäßige Alkoholkonsum wird oftmals nicht erkannt, das Thema sei in Arztpraxen und bei Pflegepersonal "oft nicht präsent", kritisiert Stamm. Denn die Symptome würden oft mit Alterserscheinungen verwechselt.

Was sind die Gründe dafür, dass Senioren immer öfter in bedenklichem Maße zur Flasche greifen? Sicher spielt Einsamkeit eine Rolle: Wenn der Partner gestorben ist, Kinder weit weg wohnen und ein stabiler Freundeskreis fehlt, fällt es außerdem keinem auf, wenn man zu viel trinkt.

Zwei Tage pro Woche sollten alkoholfrei sein

Dazu kommt mit dem Renteneintritt oft die Leere des "Sich-nicht-gebraucht-Fühlens". Besonders problematisch: Ältere Menschen schaden ihrer Gesundheit schon, wenn sie kleine Mengen Alkohol trinken.

"Senioren müssen deutlich weniger Alkohol trinken als Jüngere, um die Gesundheit nicht zu gefährden", sagt Stamm. Derzeit gibt es laut Robert Koch-Institut in Deutschland für ältere Menschen keine genaue Richtlinie für einen risikoarmen Alkoholkonsum.

Experten empfehlen ab 65 maximal zehn Gramm reinen Alkohols täglich, also ein kleines Glas Bier (0,25 Liter) oder Wein (0,1 Liter). Zwei Tage pro Woche sollten alkoholfrei sein.


Wer Anzeichen einer Sucht feststellt oder Fragen zur Vorbeugung hat, kann sich anonym bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung beraten lassen: Telefon 0221/892031.

 

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