Affäre Haderthauer „Gefährliches Spiel mit einem Dreifach-Mörder“

Kleines Bild: "Wir haben gemeinsam Ausflüge unternommen, Bekannte von ihm besucht oder Bekannte von ihm sind zu Besuch gekommen“: Dreifach-Mörder Roland S. (r.) und „sein“ Polizist. Foto: dpa/ho

In der Haderthauer-Affäre soll am Freitag Roland S. im Untersuchungsausschuss aussagen. Dabei geht es auch um die Rolle eines Polizisten, der für ihn mehr war als bloß ein Aufpasser. Die Zustände um den Modellbauer waren: abenteuerlich.

 

München - In der Modellauto-Affäre, in die Ex-Staatskanzlei-Chefin Christine Haderthauer und ihr Mann Hubert tief verstrickt sind, spielt Dreifach-Mörder Roland S. die Schlüsselrolle. Am heutigen Freitag muss der Konstrukteur der teuren Oldtimer-Modelle vor dem Untersuchungsausschuss des Landtags als Zeuge aussagen. Was weiß er? Wer muss zittern?

Für Horst Arnold (SPD), den Vorsitzenden des Untersuchungsausschusses, steht die Frage im Mittelpunkt, ob in den Bezirkskrankenhäusern Ansbach und Straubing therapeutische Konzepte und grundlegende Richtlinien über Bord geworfen wurden, um die privaten Geschäfte der Haderthauers mit den kleinen Flitzern zu ermöglichen. „Es klingt mir nicht danach“, sagte Arnold vor der Befragung, „als ob Roland S. wie ein ganz normaler Patient des Maßregelvollzugs behandelt wurde.“ Der Dreifach-Mörder, so Arnold, habe Freizügigkeiten genossen, die nur schwer erklärbar seien.

„Man kann froh sein, dass nichts passiert ist“

Deutlicher bei der Einschätzung der gewährten Freizügigkeiten für Roland S., die sogar einen Auslandsaufenthalt beinhalteten, wird der Abgeordnete Peter Bauer (Freie Wähler), der ebenfalls im Untersuchungsausschuss sitzt. Er sagt: „Um den Dreifach-Mörder, ohne den die Produktion der Autos auf dem hohen Level nicht möglich gewesen wäre, bei Laune zu halten, wurde ein gefährliches Spiel getrieben. Man kann froh sein, dass nichts passiert ist.“

Bauer will sich in diesem Zusammenhang bei der Befragung auch auf die Rolle eines Kriminalbeamten konzentrieren, der eine seltsame Nähe zu Roland S. entwickelte. Der Abgeordnete sagt: „Diese Beziehung offenbart, dass die Zustände im Bezirkskrankenhaus Ansbach wegen der Modellauto-Geschäfte völlig außer Kontrolle gerieten.“ Bei dem Kriminalbeamten geht es um jenen Ermittler, der für den letzten Mord von Roland S. zuständig war und ihn überführte. Seine Rolle, zu der er sich nicht äußern will, wirft viele Fragen auf. Auch der Dreifach-Mörder hält sich in dieser Hinsicht zurück. „Er wollte mir halt helfen“, erklärt Roland S. das undurchsichtige Engagement des Polizisten, der S. übers Wochenende oft zu sich nach Hause holte und ihn bei vielen Ausflügen begleitete.

Nach Angaben von Roland S. war der Polizeibeamte auch dabei, als er die Haderthauers in Ingolstadt besuchte. Christine Haderthauer bestreitet diesen Besuch. So undurchsichtig wie die Beziehung zwischen dem Polizeibeamten und dem Dreifach-Mörder ist auch der Part, den die Klinikleitung des BKH Ansbach dabei spielte. Wie die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Nürnberg, Antje Gabriels-Gorsolke, bestätigte, habe der Polizeibeamte als Privatmann nach den vorliegenden Unterlagen selbst mit ihrer Behörde und leitenden Ärzten des Bezirkskrankenhauses Ansbach verhandelt, um Wochenend-Besuche von Roland S. bei ihm zu Hause zu erreichen.

Er hatte ein besonders enges Verhältnis zur Frau des Polizisten

Zu dem Zeitpunkt saß Roland S., dem schwerste Persönlichkeitsstörungen attestiert wurden, erst wenige Jahre in der Psychiatrie und galt als hochgradig gefährlich. Die Besuche wurden dennoch genehmigt. Zuvor, so erzählt es der Dreifach-Mörder, habe ihn der Polizeibeamte mehrmals im BKH besucht und bei diesen Gelegenheiten auch seine Ehefrau und den heranwachsenden Sohn mitgebracht. Den Schilderungen von Roland S. zufolge sei er in das Familienleben des Polizisten weitgehend integriert worden: „Wir haben gemeinsam Ausflüge unternommen, Bekannte von ihm besucht oder Bekannte von ihm sind zu Besuch gekommen. Fast alle wussten, wer ich bin.“ Sogar bei der Hochzeit des Kripobeamten mit dessen zweiter Frau sei er eingeladen gewesen.

Mit der Frau des Polizisten, so Roland S., habe er ein besonders enges Verhältnis gepflegt. „Wir haben uns oft stundenlang unterhalten“, beschreibt er die Beziehung zu ihr. Früheren Aussagen von ihm zufolge, die zum Teil auch durch Fotos belegbar sind, sei sie auch bei mehrtägigen Ausflügen dabei gewesen, zum Beispiel beim Besuch einer Messe in Dortmund oder bei einem Wochenendtrip in die Jagdhütte von Haderthauers Geschäftspartner Roger Ponton in Frankreich.

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Allein dieser Ausflug über die Grenzen Deutschlands hinweg spricht nach Ansicht des Abgeordneten Bauer für den völligen Kontrollverlust der Klinik. Ariane Peine, Sprecherin des Bezirkskrankenhauses Ansbach, räumt in diesem Zusammenhang ein, dass den Unterlagen zufolge diese Reise der Klinikleitung nicht bekannt gewesen sei. „Man kann davon ausgehen“, sagte sie, „dass eine derartige Reise nach Frankreich nicht genehmigt worden wäre.“ Die ungewöhnlichen Freiheiten des Mörders, zu denen auch zählte, dass ihn Hubert Haderthauer nach Belieben besuchen und mit ihm das Klinikgelände verlassen konnte, dienten auch nach Überzeugung Arnolds in erster Linie den Interessen der Haderthauers, die an der Firma „Sapor Modelltechnik“, die die Modellautos produzieren ließ, maßgeblich beteiligt waren. Horst Arnold: „Der Verdacht liegt nahe, dass die Therapie von Roland S. eher eine beiläufige Rolle spielte. Der Mann hat für die Haderthauers Modellautos gebaut, die sehr teuer verkauft worden sind, während die öffentliche Hand mit Steuermitteln draufgezahlt hat.“

 

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