Ärger im Rathaus Wiesn-Streit: Schmid bittet zur Friedenspfeife

Hat offenbar nicht nur die Wiesn-Wirte erzürnt, sondern auch Oberbürgermeister Dieter Reiter: Oktoberfest-Chef Josef Schmid (CSU). Foto: az-montage/dpa

Der Streit um die Bierpreisbremse raucht weiter. Nächste Woche empfängt Wiesn-Chef Josef Schmid die Wirte – OB Dieter Reiter greift ihn jetzt scharf an.

Der OB war gut drauf. Witzeln, Schulterklopfen, Trachtenjanker: Der Starkbieranstich am Nockherberg ist eine Veranstaltung wie gemacht für Dieter Reiter (SPD). Als er auf die Bierpreisbremse angesprochen wird, verdunkelt sich aber seine Miene. "Nein", sagte er und schüttelt energisch den Kopf. "Dazu sage ich Ihnen nichts." Bis Wiesn-Chef Josef Schmid (CSU) den Vorschlag schriftlich vorgelegt habe.

Noch eine Woche hielt Reiter seine Strategie durch, obwohl der Streit um die Bierpreisbremse zwischen CSU und Wirten immer höher kochte. Gestern ließ der OB – derzeit krank zuhause – eine Mitteilung versenden, die es in sich hatte.

Er habe Schmid "aufgefordert, unverzüglich alle Beteiligten zu einem sachlichen Gespräch an den Tisch zu holen", wird Reiter zitiert. "Die Art und Weise der derzeit ausschließlich über die Medien geführten Auseinandersetzung ist unwürdig, nicht zielführend und schadet dem Ansehen der Stadt München." Ein Bierpreisdeckel dürfe außerdem nicht dazu führen, dass Besucher in den Zelten bei alkoholfreien Getränken und beim Essen "stärker abkassiert werden". Er erwarte von Schmid einen "zeitnahen Lösungsvorschlag".

Dabei hatte Reiter den Lösungsvorschlag "Umsatzpacht für Wirte" längst selbst ins Gespräch gebracht – 2012, als er noch Wiesn-Chef war. Es sei ein "faires Angebot an die Wirte", sagte er damals der AZ.
Auch jetzt sei die Umsatzpacht doch wieder eine Forderung der SPD, betont Wiesn-Stadtrat Otto Seidl (CSU): "Ich erwarte, dass die SPD klar Stellung bezieht."

Bezieht die SPD bald inhaltlich Stellung?

Schmid äußert sich ebenfalls irritiert. Er erwarte, dass die SPD inhaltlich Stellung beziehe, sagt er. "Folgende Kernpunkte stehen im Raum: Umsatzpacht – ja oder nein. Bierpreisdeckel – ja oder nein. Zusätzlicher Montag – ja oder nein. Alle drei Fragen müssen jetzt auf politischer Ebene diskutiert und entschieden werden." Er brauche "weder Nachhilfe in Dialogfähigkeit noch sonstige Hinweise, mit wem ich wann zu sprechen habe".

Schmid hat die großen und kleinen Wiesn-Wirte zu sich eingeladen. Nach AZ-Informationen soll der Friedensgipfel, der schon vor Reiters Kritik anberaumt war, nächsten Mittwoch steigen. Zwei Stunden hat Schmid eingeplant.

Unterdessen ging gestern auch am Rand der Stadtrats-Sitzung der Parteienstreit um die Bierpreisbremse weiter. Die SPD keilt jetzt offensiv in Richtung CSU. SPD-Fraktionschef Alexander Reissl erklärte, CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl selbst habe erst vor ein paar Wochen nach einer Sitzung getönt: "Wir machen jede Maß ein Fuchzgerl teurer, dann haben wir schnell drei Millionen beieinander."

Pretzl weist diese Geschichte auf AZ-Nachfrage empört zurück. "Das ist wirklich eine Sauerei, eine infame Lüge", sagte er. "Unfassbar, dass er so etwas erzählt." Es gibt auf allen Ebenen viel zu klären. Auch atmosphärisch.

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