Adolf Hitler Mein Kampf: Wird die Hetzschrift 2015 gedruckt?

2015 ist Adolf Hitler seit 70 Jahren tot. Foto: dpa

Bayern hält die Urheberrechte an Hitlers "Mein Kampf", die 2015 enden. Jetzt streiten sich die Experten, ob die Hetzschrift dann gedruckt werden darf und soll.

 

Aachen – Gegen ein weiteres Verbot von Adolf Hitlers Hetzschrift „Mein Kampf“ hat sich der Geschichtswissenschaftler Prof. Christian Kuchler ausgesprochen. „Das Buch muss entmythifiziert werden“, sagte Kuchler zu Beginn einer internationalen Tagung über „NS-Propaganda im 21. Jahrhundert“ in Aachen der Nachrichtenagentur dpa. „Es gibt einen Mythos um das Buch, weil es verboten ist. Wenn man sich aber damit beschäftigt, zum Beispiel in der Schule, dann verliert es den Reiz des Verbotenen.“

Zu der Tagung kommen an diesem Donnerstag und Freitag Wissenschaftler aus dem In- und Ausland im Internationalen Zeitungsmuseum in Aachen zusammen. „Mein Kampf“ darf zurzeit deshalb nicht verbreitet werden, weil der Freistaat Bayern die Urheberrechte daran hält. Sie enden jedoch mit dem Jahr 2015, weil dann seit Hitlers Tod 70 Jahre vergangen sind. Deshalb läuft zurzeit eine Diskussion darüber, wie es danach mit dem Buch weitergehen soll.

Das Institut für Zeitgeschichte in München arbeitet an einer kommentierten Ausgabe, doch auch daran gibt es Kritik. Das Argument lautet, dass Hitlers Hasstiraden auch mit einem kritischen Begleittext letztlich weiter verbreitet würden.

Kuchler verwies darauf, dass man sich „Mein Kampf“ schon jetzt jederzeit im Internet herunterladen könne. „Außerdem gibt es bereits heute kaum ein Schulgeschichtsbuch, in dem nicht aus "Mein Kampf" zitiert wird.“ Bei Spielfilmen aus der NS-Zeit sei seine Haltung noch liberaler: „Wenn sich heutige Jugendliche Spielfilme aus der NS-Zeit ansehen, erscheinen ihnen diese oft als so plump, dass sich die Frage aufdrängt: "Wann ist das zuende?" Davon geht für medienkompetente Jugendliche der Gegenwart kaum mehr eine Gefahr aus.“

Man müsse sich die NS-Propaganda aber immer im Einzelfall anschauen. So würden Fotos aus Konzentrationslagern wie Auschwitz häufig in Fernsehdokumentationen eingebaut, ohne darauf hinzuweisen, dass sie von den Tätern stammten. „Das finde ich dann schon problematisch.“ Bedenken habe er auch bei der Wochenzeitung „Zeitungszeugen“, die Original-Zeitungen und Plakate aus der NS-Diktatur unverändert nachdrucke.

Eine Untersuchung mit 15-jährigen Schülern habe gezeigt, dass vor allem Nachdrucke von Plakaten aus der NS-Zeit durchaus eine anziehende Wirkung auf die Jugendlichen ausübten. „Ich glaube aber, dass es für den Schulunterricht sogar hochgradig wichtig ist, sich mit so primären, früher als Propaganda eingesetzten Dingen zu beschäftigen.“ Es komme immer darauf an, dass die Propaganda als Bildungsmittel und zur Aufklärung verwendet werde.

 

3 Kommentare