Acht Angeklagte vor Gericht Prozessauftakt: Prügel-Attacke in der Dönerbude

, aktualisiert am 01.08.2017 - 17:13 Uhr
Einige der Angeklagten am Dienstag im Gerichtssaal. Foto: lma

Eine Gruppe junger Männer hetzt, bewaffnet sich und verwüstet als "Racheakt" einen Döner-Imbiss in Ebersberg. Nun beginnt der Prozess.

 

München - Still sitzen sie auf der Anklagebank, ab und zu können sie sich das Lachen nicht verkneifen, während die Richterin sie nacheinander nach ihrem Lebenslauf befragt: Markus N., Maximilian Gr., Stefan G., Johannes B., Steffen S., Lukas R. und Patrick E. sollen am 25. September in Ebersberg mit Baseballschläger und Hammer bewaffnet auf zwei Afghanen eingeschlagen und sie aufs Übelste rassistisch beschimpft haben. Fast alle stammen aus dem Landkreis Ebersberg.

Laut Anklage beginnt alles mit einem Wiesnbesuch: Markus N. und Maximilian Gr. rufen bereits am Ostbahnhof fremdenfeindliche Parolen. Als sie in die S4 nach Ebersberg einsteigen, stürzen sie sich auf einen dunkelhäutigen Mann. Gr. brüllt, er wolle dem "Schwarzen eine klatschen". Als sie am Bahnhof ankommen, beschimpfen sie den Besitzer eines Döner-Imbisses und andere Anwesende unter anderem als "Scheiß Ausländer", gehen auf zwei Männer los und schlagen ihnen mit Feuerzeugen gegen den Kopf.

Einer der Täter zückt ein Messer

Doch das ist erst der Anfang: Sie rufen bei der Polizei an und behaupten, von Ausländern geschlagen worden zu sein. Sie rufen die anderen Angeklagten zur Unterstützung, Markus N. schnappt sich einen Aluminium-Baseballschläger, Maximilian Gr. eine Holzstange, der dazugerufene Johannes B. einen Schlosserhammer.

Als eine Art vorgeschobenen Racheakt stürmen sie mit Steffen S. den Döner-Imbiss, schlagen auf zwei Anwesende ein, werfen mit dem Hammer, Maximilian Gr. zückt ein Messer und will zustechen, sein Opfer kann ihm ausweichen. Währenddessen warten die anderen Angeklagten als Verstärkung vor der Tür. Zum Schluss wird noch die gläserne Eingangstür zerschlagen, "Wir lassen euch brennen!" tönt es durch den Laden.

Bei der Befragung zu ihren Lebensläufen geben sich dann aber alle recht kleinlaut. Der erste Hauptangeklagte Markus N. (36) aus Mecklenburg-Vorpommern erzählt von seiner abgebrochenen Maurerlehre, seiner Scheidung, zeigt die Tätowierungen mit den Namen seiner beiden Kinder. Er hat bereits acht Vorstrafen, unter anderem wegen Raub, Körperverletzung und Diebstahl. Zu den Vorwürfen schwieg er bisher.

Etliche Angeklagte haben Vorstrafen

Eine Atemalkoholkontrolle auf dem Heimweg nach der Tat zeigte bei sieben der acht Angeklagten, dass sie Alkohol im Blut hatten, der achte war bereits in die S-Bahn nach Hause gestiegen. Fast alle Männer sind Handwerker, fast alle trinken gerne mal ein "Feierabendbier". Fast alle sind schon einmal mit dem Gesetz in Konflikt gekommen.

Der zweite Hauptangeklagte, der 28-jährige Maximilian Gr., erzählt von seiner Vergangenheit, in der er "ziemlich viel Gras geraucht" und auch Speed und Ecstasy konsumiert habe. Er ist wegen eines Drogendelikts vorbestraft. Das sei aber heute unter Kontrolle, nach dem Tod seines Vaters habe er aufgehört. Anders als Markus N. äußerte sich Gr. vor Gericht. Er gab zwar Pöbeleien gegen Ausländer im Vorfeld der Tat zu, bestritt aber, im Döner-Imbiss gewütet zu haben. Er habe zu diesem Zeitpunkt eine Auseinandersetzung mit einem Unbekannten auf der Straße gehabt. Er wies zudem eine rechtsradikale Gesinnung zurück. Er habe nichts gegen dunkelhäutige Menschen, sagte er. Er und sein Kumpel seien an jenem Abend nach üppigem Drogenkonsum "dumm und dicht" gewesen. Es sei ihm "unglaublich peinlich", sagte sein Verteidiger.

Von dem Vorfall 2015 wisse sein Chef nichts, so Gr., und als die Richterin fragt, wieso nicht, sagt er, das mache sich nicht so gut. "Offenheit macht sich immer gut", so ihre Antwort. Die beiden Hauptangeklagten werden sich unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten müssen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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