Accademia di Monaco Kantaten mit Réka Kristóf

Der Dirigent Joachim Tschiedel. Foto: Holger Winkelmann

Réka Kristóf singt Solo-Werke von Antonio Vivaldi und Georg Friedrich Händel, begleitet von der Accademia di Monaco

 

Wahrscheinlich wurde nicht einmal in der Barockzeit soviel Barockmusik gespielt wie heute. Doch dieses Debüt-Album von Réka Kristóf sticht aus der Dutzendware hervor wie ein Juwel. Zunächst einmal wurde die junge Sopranistin mit einer individuellen Stimme beschenkt, die eine ganz eigene Färbung hat, gleichzeitig klar wie wiedererkennbar charakteristisch, und dazu, bei aller Frische, frauliche Wärme ausstrahlt.

Die Höhe schimmert unirdisch, wie man das im Barock-Gesang heute erwartet, doch auch die Mitte und die Tiefe haben etwas zu sagen. Kurz: Die aus Ungarn stammende Sopranistin ist nicht nur hübsch anzuhören, sondern darüber hinaus eine interessante Persönlichkeit, auf die man während der Laufzeit dieser CD zunehmend neugieriger wird.

Was diese neuen Aufnahmen von je zwei Solowerken von Antonio Vivaldi und Georg Friedrich Händel zum echten Ereignis macht, ist das enge Zusammenwirken von Réka Kristóf mit ihren instrumentalen Mitstreitern von der Accademia di Monaco. Im Gegensatz zu manchen Kollegen der historisierenden Aufführungspraxis, die nicht rabiat genug holzen können, geht das hiesige Ensemble unter der Leitung von Joachim Tschiedel von den Bedürfnissen der Musik aus.

Das gewisse Etwas

Immer etabliert es einen stabilen Grundpuls, der ohne berüchtigtes Nach-vorn-Fallen zwischen den einzelnen Tönen noch Luft lässt und so die rhythmische Kraft der schnellen Sätze steigert. Man höre dazu als Beispiel die Einleitungsarie aus dem Psalm „Laudate pueri“ RV 600 von Vivaldi, aber auch, welch erhabener Effekt sich in den spannungsvoll zurückgehaltenen langsamen Passagen der frühen „Gloria“-Motette von Händel einstellt, die erst im Jahre 2001 wieder entdeckt wurde.

Wie sensibel Réka Kristóf und die Accademia aufeinander reagieren, wird deutlich, wenn die Violinen in der Kantate „Salve Regina“ HWV 241 von Händel eine Gesangslinie wiederholen und dabei auch tatsächlich widerspiegeln, wie diese von der Solistin artikuliert wurde. Es entwickelt sich hier im schmerzlichen Spiel der Dissonanzen ein phänomenal gut ausgehörter, fast impressionistisch anmutender Klangzauber. Solche ausgesuchten Momente verleihen dieser Platte innerhalb der heutigen Barock-Inflation das gewisse Etwas, sodass für dieses Debüt eine Empfehlung fällig wird.

„In Furore“. Motetten und Kantaten für Sopran von Antonio Vivaldi und Georg Friedrich Händel (Réka Kristóf, Sopran; Accademia, di Monaco, Joachim Tschiedel, bei Coviello Classics)

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading