Abstiegskampf spitzt sich zu Daum brüllt, Magath schreibt

Abstiegskampf kurz vor dem 34. Spieltag, die Nerven liegen blank in Frankfurt und Wolfsburg: Ein Coach schreit Reporter an, der andere verschickt „blaue Briefe”

 

FRANKFURT/WOLFSBURG Natürlich geht so ein Abstiegskampf, in der letzten Woche zudem, an die Nieren. Doch was nun in Christoph Daum gefahren ist, wird der Frankfurter Coach wohl auch selbst erst mit einigem Abstand erklären können.

Wegen angeblich unfairer und „skrupelloser” Berichterstattung des hessischen Fernsehens leistete sich der 57-Jährige einen Wutanfall, der an Giovanni Trapattonis legendäre Flasche-leer-Tirade erinnerte. „Ich habe kein Verständnis dafür, was hier passiert. Der Hessische Rundfunk ist ein Weltsender, der unangreifbar ist”, sagte Daum mit beißender Ironie und unterstellte dem Sender wegen der Berichterstattung über die Ausschreitungen der Eintracht-Hooligans „Skrupellosigkeit”. Zudem warf er einem ARD-Reporter vor, dass dieser ihn „über den Haufen schießen” wolle: „Wir sind hier die Angreifbaren, wir liegen am Boden, alles klar, vernichten Sie uns. Aber wir kommen wieder, verlassen Sie sich darauf.”

Über den Haufen schießen? Vernichten? Da scheint Daum, der offenbar der Ansicht ist, dass sich in Frankfurt alle gegen ihn verschworen haben, etwas falsch verstanden zu haben.

Doch das scheint den Daum nicht davon abzuhalten, auch im Falle des wahrscheinlichen Abstiegs der Eintracht in die 2. Liga in Frankfurt bleiben zu wollen. Das hatte Daum bislang kategorisch ausgeschlossen. „Das war ein Fehler. Ich habe das nur gesagt, weil ich felsenfest davon überzeugt war, dass die 2. Liga keine Rolle spielt”, sagte er, der zudem eine ganz eigene Sichtweise zu seiner bislang erfolglosen Zeit bei den Hessen hat: „Ich bin nicht gescheitert.” Unterdessen laufen beim Tabellenvorletzten, der vor dem letzten Spiel bei Meister Borussia Dortmund am Samstag (Liveticker bei abendzeitung.de) einen Punkt hinter den Abstiegskonkurrenten Borussia Mönchengladbach und VfL Wolfsburg liegt, die Planungen für die neue Saison. Vorstandschef Bruchhagen wird im Sommer – falls er bleiben darf – ein sportlicher Leiter zur Seite gestellt. Im Gespräch sind Dietmar Beiersdorfer, Jan Schindelmeiser und Armin Veh.

Auch Felix Magath, der mit Nürnberg schon mal in der 2. Liga tätig war, plant schon mal fürs Unterhaus. Magath, auch Geschäftsführer Sport in Wolfsburg, verteilte im Mannschaftskreis „blaue Briefe”. Darin wurde den Spielern mitgeteilt, dass in allen Fällen eine bestehende Vertragsoption für die 2. Liga gezogen würde.
„Die Spieler, die uns die Suppe eingebrockt haben, sollen diese jetzt auch auslöffeln”, sagte Magath. Immerhin: Genug Geld für den sofortigen Wiederaufstieg wäre vorhanden. In einer Sitzung des Aufsichtsrats am Montag legte der Klub fest, im Abstiegsfall am teuren Kader festzuhalten und mit dem Erstliga-Etat auch für die Zweite Liga zu planen.

„Der Abstieg wäre für mich persönlich eine Katastrophe, wenn ich jetzt nach so vielen Jahren aber auch einigen erfolgreich bestandenen Abstiegskämpfen diese Situation nicht lösen könnte”, sagte Magath.

 

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