Abschluss des Bayern-Trainingslagers in Doha Der Pep-Report: Training für Körper und Geist

Pep Guardiola verlangt seinen Spielern im Trainingslager in Doha einiges ab Foto: dpa

Nach einem intensiven Trainingslager verabschiedet sich der FC Bayern aus Doha. Pep Guardiola verlangte dort viel von seinen Spielern.

Doha - Training, Taktikübungen – für Pep Guardiola ist es: das Leben. Dann vibriert der ganze Körper des Bayern-Trainers. Man möchte ihn nicht anfassen wollen, so sehr steht der 43-Jährige an seinem (Arbeits-)Platz unter Strom in seinem roten Trainingsanzug. „Go! Go!“, brüllt er. „Come on! Schnell!“ Oder auch: „Zeit! Keep the ball!“ Immer in einer Mischung aus Deutsch und Englisch. Trainer-Latein eben.

Die Spieler haben kurze (Spitz-)Namen, zwei Silben höchstens, es muss ja schnell gehen: „Manu! Rafa! Arjen! Lewy!“ Seine Arme, seine Beine, der Rumpf – ein Pep-Petuum mobile. Wenn es läuft, brüllt er über den Platz: „Jaaaa. Very gut. Super! So ist good!“ Kritik gibt’s auch. „Nix good!“ oder „Scheiße-Pass!“, ruft er dann. „Wenn die Spieler nicht zu hundert Prozent mitziehen und konzentriert sind, bin ich sauer. Manchmal, nicht oft.“

Nach elf Einheiten in siebeneinhalb Tagen reisen die Bayern am Samstag nach Saudi-Arabien, um einen Test in Riad gegen Al Hilal zu absolvieren. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Training und der Qualität“, sagte der Bayern-Trainer bei seiner Bilanz-Pressekonferenz in Doha.

Und widersprach Thomas Müller. Der Angreifer hatte behauptet, dass „es oft schwieriger ist, gegen unsere Trainingsmannschaft zu gewinnen, als vielleicht gegen eine Mannschaft in der Bundesliga“. Dazu Guardiola: „Nein. Andersherum, weil wir uns untereinander perfekt kennen. Auf großem Niveau macht der Kopf der Spieler den Unterschied aus.“ Und den fordert Pep. In weniger, dafür umso intensiveren Einheiten. Es gab einen freien Vor- und zwei freie Nachmittage.

Guardiola lässt Sicherheit trainieren – die im Notfall. In Bedrängnis, in Unterzahl. Beim Umschalten von Angriff auf Abwehr. Oder umgekehrt. Wenn das Überfallkommando ausrückt und Tiki-Taka nur eine nette Idee sein lässt. Zwischen den Spielern flitzt die Kugel hin und hier wie in einem Flipperautomaten. Schneller, schneller. Der Gegner darf zwei Dinge nicht haben: den Ball. Und Zeit. Zeit zum Denken. „Der Trainer verlangt sehr viel, beansprucht den Kopf sehr stark – und das nicht beim Kopfballtraining“, erzählte Müller, „man muss als Spieler immer mitdenken, sich mit dem Spiel beschäftigen. Es geht darum, die richtige Intensität zur richtigen Zeit zu haben.“ Nur dann ist für Pep alles top-top-top.

Eine seiner Lieblingsübungen: Zwei Viererketten, jeweils mit Torwart dahinter, spielen auf verkürztem Spielfeld (die Räume eng machen!) gegeneinander. Im gedachten Mittelkreis kickt ein Zwitter-Spieler mit grauem Leibchen, der Umschaltkicker. Mal Bastian Schweinsteiger, mal Xabi Alonso, auffällig oft Gianluca Gaudino (18), den Pep „Gianni“ ruft und von dem er so viel hält. Die Angriffe, die Ballstafetten, wogen hin und her. Eben treibt Gaudino den Ball nach rechts, dann schlägt er einen weiten Ball nach links. Fußball total.

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Und alles wird aufgezeichnet. In Doha ließ Guardiola oberhalb der beiden Trainingsplätze zwei kleine weiße Zelte aufbauen für die Technik des klubeigenen Videoanalysten. Wie beim Arzt. Nach-Kontrolle ist wichtig. Der Fehlerteufel steckt im Detail. „Ich kann nicht Franck oder Thomas Müller mit ihrer Nase helfen, das ist ihre Qualität“, sagt Guardiola und meint mit Nase stets „Riecher“.

Was der Coach verbessern will – Müller hat’s verstanden: „Das Steigerungspotenzial liegt – wie der Trainer immer sagt – im Detail. Es geht nicht darum, Ergebnisse besser zu gestalten, da waren wir fast perfekt. Es geht darum, einfacher Tore zu erzielen.“ Die Bundesliga kann sich auf etwas gefasst machen in der Rückrunde.

 

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