Abschiedsspiel bei Schalke "Manuel Neuer wird die Fans umstimmen"

Olaf Thon hat damals vorgemacht, wie es ist,  von Schalke zum FC Bayern zu wechseln.  Er versteht, dass Manuel Neuer nun  diesen Schritt macht und hofft auf ein Happyend für seinen Heimatklub

 

Berlin -  Vor neun Jahren war Manuel Neuer schon mal mit der Hand am Pott. Er war 16 und als Fan beim DFB-Pokal-Finale im Berliner Olympiastadion. Seine Knappen hatten 4:2 gegen Leverkusen gewonnen, als er Hand anlegen durfte. Neuer erinnert sich: „So viele Titel kann man als Schalke-Fan ja leider nicht feiern. Deswegen war es für mich etwas Besonderes, den Pokal zu berühren.”

Wenn am Samstag (20 Uhr, ARD live) das Finale gegen Duisburg gewinnt, will er ihn nicht nur kurz anfassen, sondern als Kapitän in die Höhe recken. Als Abschiedsgeschenk.

Dass Neuer künftig bayernrot statt königsblau trägt, wird wohl am Wochenende verkündet. Nach 156 Bundesligaspielen und 27 Europacup-Partien will sich Neuer im 16. Pokalspiel nach 20 Jahren Schalke mit seinem ersten Titel verabschieden. „Wir wissen alle, was auf dem Spiel steht. Das ist eine einmalige Chance für uns. Das würde ich sicher mein Leben lang nicht vergessen”, sagt er.

Trotz zuletzt sechs Niederlagen ist auch Trainer Ralf Rangnick optimistisch: „Wir können uns zu 100 Prozent auf Manuel verlassen. Ich bin überzeugt, dass wir gewinnen.” Beim Public Viewing in der Veltins Arena werden 35.000 Fans ihrem Manu ein letztes Mal die Daumen drücken, bevor er für kolportierte 25 Millionen Euro zu Bayern wechselt. Oliver Kahn traut Neuer einiges zu („Er hat das Potenzial für einen ganz Großen, er kann bei den Bayern eine Ära prägen”), sorgt sich aber angesichts der Ablösesumme: „Man sollte vorsichtig sein und nicht irgendwelche Mondsummen bezahlen. So eine Summe für einen Spieler, der nächstes Jahr ablösefrei wäre, ist exorbitant hoch."

Viele glauben, dass Neuer diese Summe wert ist. Olaf Thon: „Bayern ist immer erster Ansprechpartner, wenn die Nummer 1 zur Verfügung steht, ob im Sturm oder im Tor. Ich denke, die haben sich schon vor ganz langer Zeit geeinigt.” Wie Neuer wechselte Thon einst von Schalke zu Bayern, doch da hören die Parallelen schon auf, meint Thon: „Schalke war 1988 abgestiegen und brauchte Geld, vier Millionen Mark brachte mein Transfer. Ich war nie ein Maradona. Ich war ein guter Fußballer, Manuel ist eine Stufe höher, der beste Torwart Europas, vielleicht sogar der Welt.”

Fußballer von heute müssten sich ein Beispiel an Michael Ballack nehmen, meint Thon: „Der hatte Stationen von Chemnitz bis Chelsea. So ähnlich wird es Manuel ergehen. Er wird erfolgreich sein bei Bayern, vielleicht mal ins Ausland wechseln. Heutzutage bleiben Spieler nicht 20 Jahre bei ihrem Verein.”

Der Aufschrei der Fans war bei Thon nicht so heftig wie bei Neuer. „Natürlich waren die enttäuscht, dass ich zu Bayern ging, aber Dortmund wäre noch schlimmer gewesen”, erzählt er, „als wir zwei, drei Jahre später das Ablösespiel auf Schalke machten, haben sie gerufen: ,Komm’ nach Hause!’ - und zwei Jahre später kam’s so. Fans sind manchmal hart und kritisch, aber auch genauso schnell wieder umzustimmen, wenn sie merken, dass sich ein Spieler den Allerwertesten aufreißt. Das kann auch Manuel erleben.”

Auch Thon wünscht Neuer einen Abschied mit Pott: „Das wäre schön. Seit ich weg bin, hat Schalke ja keinen Titel mehr geholt, das ist neun Jahre her. Es wird mal wieder Zeit.” Und einen Tipp, falls Neuer in München das Heimweh überkommt, hat er auch: „Man kann fliegen oder den Hubschrauber nehmen wie Jens Lehmann. Clemens Tönnies hat eine Privatmaschine, Uli Hoeneß lässt sich nicht lumpen – also wenn er Heimweh hat, kann er sich sicher schnell mal eine Currywurst mit Pommes holen.”

 

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