Abschied aus dem Bundestag Singhammer hört auf: Mehr als Café und Dampfnudel

Johannes Singhammer hört auf - doch er will auch weiterhin politisch engagiert bleiben. Foto: dpa/AZ

Er hat den schweren Münchner Norden für die CSU erobert, wurde Vizepräsident des Bundestags. Nun hört Johannes Singhammer auf. Doch auch in Zukunft wird es für ihn um mehr als die Dampfnudel-Entscheidung gehen.

München - Johannes Singhammer hat viele Entscheidungen in seinem Leben gefällt. Oft waren es die richtigen. Es reichte für eine politische Karriere, die ihn bis zum Bundestagsvizepräsidenten führte. Doch diese Zeit geht jetzt zu Ende. Singhammer ist inzwischen 64. Er hat 1994 schon im Bundestag Helmut Kohl zum Kanzler gewählt.

Jetzt steht er vor dem Café Münchner Freiheit – und vor ganz anderen Entscheidungen. Draußen sitzen oder nicht, Tischdecke oder nicht? Singhammer weiß nicht so recht, entscheidet sich dann aber für draußen, für die Tischdecke – und für eine Dampfnudel mit Vanillesoße zum Frühstück.

"Internationale Kontakte - und die Erdung im Wahlkreis"

Wie ist das für einen wie ihn, plötzlich nicht mehr über Auslandseinsätze der Bundeswehr zu entscheiden, sondern nur noch über Dampfnudel oder nicht? "Ein bisschen Wehmut ist schon dabei", sagt er über seinen bevorstehenden Abschied aus dem Bundestag. "Und eine große Dankbarkeit."

Singhammer hat sich als Münchner Abgeordneter verstanden, nicht nur als Fachpolitiker. "Es ist immer auch ein Spagat", sagt er. "Die Bühne in Berlin, die internationalen Kontakte – und auf der anderen Seite die Erdung im Wahlkreis." Singhammer kann sehr ausführlich und engagiert über die Situation von Ananas-Bauern in Togo sprechen. Und einen Satz später von der Fröttmaninger Heide schwärmen.

Die sieht er als seinen größten politischen Erfolg für den Münchner Norden, diesen für die CSU schwersten Wahlkreis in Bayern, den er souverän direkt gewann. "Über 150 Jahre lang war dort die Armee", sagt er. "Dass ich einen Anteil daran hatte, dass wir dort jetzt einen Heidepark haben, darauf bin ich stolz." Die Heide sei ein "Zugewinn an Lebensqualität und an Naturschutz".

Ein bisserl Politik muss trotzden sein

Singhammer wirkt zufrieden und dankbar für seine Zeit in der Politik. Obwohl er – wie viele Politiker seiner Generation – zuletzt etwas gefremdelt hat. Die Debatten seien in den vergangenen Jahren "schlagwortartiger" geworden, sagt er. Die Entscheidung für die Ehe für alle sei "viel zu schnell übers Knie gebrochen" worden. "Ich bin der Meinung, dass Vater und Mutter in ihrer Unterschiedlichkeit als Bezugsperson für ein Kind am besten geeignet sind."

Ihm ist gelungen, was nur wenigen gelingt – der rechtzeitige Abgang. Als er 2016 seinen Rückzug verkündete, waren selbst innerhalb der ratschsüchtigen vorderen CSU-Riege alle ehrlich überrascht. Man war fest davon ausgegangen, dass er noch mal antrete. Tut er aber nicht. Was stattdessen der Plan ist?

"Ich habe eine ganze Reihe von Ehrenämtern. Und ich werde meine Afrika-Kontakte intensivieren", sagt Singhammer bestimmt. Auch in Zukunft wird es für ihn also nicht nur um die Frage gehen, ob er im Café drinnen oder draußen sitzt. Ein bisserl Politik wird Johannes Singhammer weiter machen.

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