Abriss des Schwabinger Podiums "Pro Schwabing": Abbruchpläne bekommen Gegenwind

Sie sollen aus ihrem Zuhause ausziehen: Die Mieter an der Wagnerstraße 1. Foto: Daniel von Loeper/privat

Die Pläne, das Haus an der Wagnerstraße abzureißen, werden konkreter. Eine Bürgerinitiative wehrt sich dagegen - und versucht, den Bezirksausschuss zu mobilisieren.

Schwabing - Mit soviel Gegenwind hatten die drei Herren von BMW wohl nicht gerechnet – waren sie doch wegen eines ihrer Bauprojekte in den Bezirksausschuss Schwabing-Freimann (BA) gekommen. Doch als die schicke Powerpoint-Präsentation über ein neues Werk im Norden durchgeklickt ist, kommen Fragen nach einem ganz anderen Bauprojekt: dem Haus an der Wagnerstraße, in dem die Kultkneipe „Podium“ untergebracht ist. BMW-Finanzvorstand Friedrich Eichiner hat den Altbau gekauft und will ihn abreißen. Der BA und eine Bürgerinitiative wehren sich dagegen.

„Es geht mir gar nicht in den Kopf, wie der Finanzvorstand Altsubstanz in Schwabing schleift“, sagt Ekkehard Pascoe sichtlich verärgert. Das Haus aus dem Jahr 1885 gehört laut dem Grünen-Politiker zum Altbau-Ensemble der Straße: „Wenn dieser eine Zahn rausgebrochen würde, wäre das ganze Gebiss kaputt.“ Der BA-Vorsitzende Werner Lederer-Piloty (SPD) regt an, dass die BMW-Mitarbeiter ja bei der nächsten Sitzung mit ihrem Chef das Thema zur Sprache bringen könnten: „Vielleicht können Sie ihn ja überzeugen, dass er es nicht macht.“

Jens Freitag von BMW schaut bei derart vielen Attacken etwas unglücklich drein: „Mir ist das Thema neu.“ Man könne das aber mal ansprechen.

Wenn das stimmt, dann wird es wohl ein oberflächliches Gespräch sein. Als die Bürgerinitiative „Pro Schwabing“ in der Sitzung zu Wort kommt, sind die Abgesandten von BMW schon gegangen. Die Initiative will das Haus an der Wagnerstraße 1 vor dem Abriss retten. In kurzer Zeit haben sie dafür gut 350 Unterschriften gesammelt und ein Kulturfest veranstaltet. Die Bewohner, die um ihr Zuhause fürchten, haben eine Hausgemeinschaft gegründet und suchen derzeit noch nach einem Mietrechtsanwalt, der ihnen helfen möchte.

Die Architektur sei einzigartig, sagt Birgit Sasowski von der Initiative: „Dieses Haus zu vernichten wäre aus unserer Sicht eine Schande.“

Das Problem: Den Mietern läuft die Zeit davon. Weil der dreistöckige Altbau in den letzten Jahren an historischem Glanz verloren hat, sieht das Landesamt für Denkmalschutz keinen Grund, das Gebäude von Architekten Heinrich Witzel unter Denkmalschutz zu stellen. Bei der Lokalbaukommission liegt seit Februar zudem an Antrag auf einen Bauvorbescheid für ein Mehrfamilienhaus – es soll ein Neubau sein.

 

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