Abholstation für Internetshopper Dieses StartUp will das größte Problem des Onlinehandels lösen

Die Qool-Collect-Filiale am Max-Weber-Platz. Weitere Filialen gibt es in der Langbürgener Straße, der Zschokkestraße und der Pilgersheimer Straße. Foto: Qool Collect

Jeder kennt es: Man bestellt sich etwas im Internet, ist zum Zeitpunkt der Anlieferung allerdings unterwegs. Das Münchner StartUp Qool Collect will dieses Problem nun lösen - und füllt mit einem klug durchdachten Konzept eine Marktlücke.

München - Die Welt des Online-Shoppings wäre so schön - müsste man nicht immer Zuhause sein, wenn der Paketbote an der Tür klingelt. Man ist nur kurz beim Einkaufen, geht mit dem Hund spazieren oder ist schlicht und einfach in der Arbeit, schon hat man den Postboten verpasst und hält statt dem gewünschten Päckchen einen Abholschein in der Hand. Vor allem für diejenigen, welche übers Internet Lebensmittel bestellen wollen, stellt dieser Teil der Lieferkette ein großes Hindernis dar.

Das StartUp Qool Collect will die Lücke zwischen Zusteller und Empfänger nun füllen. Seit November letzten Jahres gibt es in München vier Filialen der Annahmestelle für Online-Bestellungen, zwei weitere in Moosach und Schwabing sollen zeitnah dazukommen. "Wir sehen uns momentan intensiv um und wollen herausfinden, an welchen Orten die Kunden unsere Filialen am besten annehmen", so Stefan Müller, Geschäftsführer von Qool Collect, gegenüber der AZ.

Auf München allein will er sich in Zukunft nicht zwingend beschränken: "Wir können uns durchaus vorstellen, auch in anderen Großstädten wie Nürnberg, Berlin oder Wien Filialen zu eröffnen."

"Wir wollen ein zentraler Anlaufpunkt sein"

Das Konzept, welches hinter Qool Collect steckt, ist wohl durchdacht. "Wir wollen für unsere Kunden ein zentraler Anlaufpunkt sein. Sie sollen sich in Zukunft nicht mehr nach Feierabend zu DHL, Hermes oder UPS hetzen müssen, um ihre Pakete noch rechtzeitig vor Ladenschluss einzusammeln", umreißt Müller die Grundidee. Notwendig ist lediglich die Registrierung auf der Homepage des Unternehmens. Bei der nächsten Bestellung genügt es, die gewünschte Filiale als Zustellungsadresse anzugeben. Wenn die Ware angekommen ist, wird der Kunde schließlich über eine App informiert. In der Filiale wird die Ware dann drei Tage (bei Lebensmitteln) bzw. acht Tage (bei non-food-Artikeln) gelagert und kann von Montag bis Samstag zwischen 7 und 23 Uhr abgeholt werden.

In den Filialen soll den Kunden schließlich umfassender Service geboten werden: So besteht beispielsweise die Möglichkeit, bestellte Kleidung gleich vor Ort in bereitgestellten Umkleidekabinen anzuprobieren. Falls die Klamotten nicht passen, können sie per Retoure direkt wieder zurückgeschickt werden. Dafür steht ein großer Packtisch mit Verpackungsmaterial, Drucker und Tablet zur Verfügung.

Qool Collect setzt auf lokale Produkte

Bislang lagern in den Hallen der Filialen mehrheitlich non-food-Artikel, in Zukunft will Robert Müller jedoch verstärkt auf Lebensmittel setzen. Bereits jetzt arbeitet Qool Collect mit 15 lokalen Unternehmen zusammen, darunter Metzgereien, Konditoreien oder Weinboutiquen. Bestellt wird telefonisch, im Web-Shop oder per E-Mail, danach wird die zubereitete Ware von Kühlwägen abgeholt und in die gewünschte Filiale gefahren. Dort wird sie je nach Bedarf in Gefrier- oder Kühlschränken gelagert.

"Wir achten genau darauf, dass die Kühlkette in dem ganzen Prozess nicht unterbrochen wird", verspricht Müller, der das Potenzial des Online-Handels von Lebensmitteln heraushebt: "In Deutschland wird der Lebensmittelmarkt im Internet noch ziemlich stiefmütterlich behandelt, andere Länder sind diesbezüglich schon viel weiter. In England werden beispielsweise schon 15 Prozent aller Lebensmittel übers Internet gekauft, hierzulande noch weniger als ein Prozent", so Müller.

Die Lagerung bei Bestellungen von Partnerunternehmen ist bei Qool Collect kostenlos. Bestellungen von anderen Unternehmen werden für 1,99 Euro pro Tag, beziehungsweise für 4,99 Euro in der Monats-Flat in den Filialen gelagert.

Bedenken, durch seine Zusammenarbeit mit dem Online-Handel den ohnehin schon am Tropf hängenden Läden in der Innenstadt Konkurrenz zu machen, hat Müller nicht. Im Gegenteil: "Wir haben so gute Läden in der Stadt, welche die Logistik im Online-Bereich nicht bewerkstelligen können. Hier kommen wir ins Spiel: Wir lagern nicht nur die Artikel von Amazon und Co., sondern wollen den Versand von lokalen Produkten ermöglichen. Keiner kennt sein Fleisch besser, als der Metzger um die Ecke."

 

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