«Abgeschottete Subkulturen» Bundeskriminalamt richtet Blick auf kriminelle Großfamilien

Im Sommer 2017 gab es in Berlin einen Schlag gegen die organisierte Kriminalität: 77 Immobilien wurden beschlagnahmt. Foto: Paul Zinken/Archiv/dpa

Dieses Jahr will das Bundeskriminalamt Clan-Kriminalität in Deutschland als Organisiertes Verbrechen einstufen. So könnten Taten von Großfamilien künftig besser bekämpft werden - hoffen die Ermittler.

Wiesbaden/Berlin - Das Bundeskriminalamt (BKA) will die Verbrechen von türkisch- und arabischstämmigen Clans in Deutschland genauer ins Visier nehmen.

Im nächsten Bundeslagebild zur Organisierten Kriminalität werde es erstmals ein Kapitel geben mit dem Titel "Kriminelle Mitglieder von Großfamilien ethnisch abgeschotteter Subkulturen", sagte eine BKA-Sprecherin am Freitag in Wiesbaden.

In dem für den Sommer erwarteten Bericht informiert das BKA jährlich über die aktuelle Kriminalitätslage in der Bundesrepublik. Über die bereits seit Herbst bestehenden Pläne hatte das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Freitag) zuvor berichtet.

Nach Angaben des BKA geht von kriminellen Clans mit ausländischen Wurzeln eine Bedrohung aus. "Die Kriminalität von Angehörigen türkisch- und arabischstämmiger Großfamilien zeichnet sich durch eine grundsätzlich ethnisch abgeschottete Familienstruktur aus, die unter Missachtung der vorherrschenden staatlichen Strukturen, deren Werteverständnis und Rechtsordnung eine eigene, streng hierarchische, delinquente Subkultur bildet", sagte die Sprecherin. In den bisherigen Lagebildern habe man das Thema nur gestreift.

Vor allem in Berlin, Bremen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen wird laut BKA derzeit intensiv ermittelt. So beschlagnahmte etwa im August die Polizei allein in Berlin von einem arabischstämmigen Clan 77 Immobilien im Wert von mehr als neun Millionen Euro. Der Vorwurf: Geldwäsche. Die Ermittlungen richteten sich gegen insgesamt 16 Mitglieder der Familie.

BKA-Präsident Holger Münch kündigte damals an, im Hinblick auf die Zuwanderung die mögliche Bildung neuer krimineller Clans gezielt stoppen zu wollen. Hier seien in der Vergangenheit Fehler gemacht worden, als in den 1980er und 1990er Jahren arabische Familien etwa aus dem Libanon oder der Türkei nach Deutschland kamen und sich zu kriminellen Clans entwickeln konnten. Die Organisierte Kriminalität verursachte den Angaben zufolge 2017 in Deutschland einen Schaden von rund 209 Millionen Euro.

Für das Lagebild zur Organisierten Kriminalität arbeiteten die Polizeien der Länder und das BKA an Kriterien zur Zuordnung von Clanmitgliedern, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. "Damit soll der Bereich der Clankriminalität weiter aufgeklärt werden."

"Union und SPD sind im Kampf gegen Clan-Kriminalität viel zu spät aufgewacht", kritisierte der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag, Konstantin Kuhle. Ein Extra-Kapitel im nächsten BKA-Lagebild sei zwar ein Anfang, aber noch lange nicht ausreichend. "Die Ermittlungsbehörden müssen im Bereich der Organisierten Kriminalität dringend mehr Ressourcen erhalten und die Sicherheitsarchitektur entsprechend reformiert werden." Insbesondere ist eine bessere Koordination über die Landesgrenzen hinaus nötig.

 

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