Abgaben, Umlagen & Co. Strompreis: Warum er steigt und steigt

Ein Freileitungsmast (umgangssprachlich Strommast). Foto: imago

Die Deutschen müssen auch heuer wieder mehr bezahlen – daran hat der Staat mit seinen Abgaben, Umlagen und Steuern einen großen Anteil. Wie lange geht das noch so weiter?

München - Die Öko-strom-Umlage kennt nur eine Richtung: steil bergauf. 6,88 Cent pro Kilowattstunde müssen die Deutschen heuer dafür bezahlen, dass Strom aus erneuerbaren Energien gefördert wird. 2000 waren’s noch schlappe 0,2 Cent. Dass Strom für die Haushalte in den vergangenen Jahren immer teurer wird, ist somit auch ein Verdienst staatlicher Lasten.

Steuern, Umlagen und Abgaben auf Strom machen mittlerweile bereits 56 Prozent des Strompreises aus – Rekord! Das entspricht einem Plus von 17 Prozentpunkten im Vergleich zu 2007 und Kosten in Höhe von 21 Milliarden Euro für Verbraucher. Das ergibt eine Studie des Vergleichsportals Verivox.

Laut Verivox kommt ein Durchschnitts-Haushalt mit einem Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden im Jahr auf Stromkosten in Höhe von 994 Euro. Ein Teil davon (255 Euro) entfällt auf Nutzungsentgelte, 180 Euro gehen in die Kasse der Versorger. Und die restlichen 559 Euro – satte 56 Prozent – machen die Steuern, Abgaben und Umlagen aus. Vor zehn Jahren betrug der staatliche Anteil noch 39 Prozent, 2013 knackte er die 50-Prozent-Marke.

"Mit den staatlichen Abgaben steigt auch der Strompreis Jahr für Jahr", sagt Jan Lengerke von Verivox. "Denn nicht alle Strom- anbieter können die Kosten durch eine günstige Beschaffungsstrategie ausgleichen – sie müssen Einschnitte in den Gewinn-Margen hinnehmen oder geben die höheren Kosten an ihre Kunden weiter", erklärt Lengerke.

Ein Ende der Steuern- und Umlagen-Flut ist nicht in Sicht

Von den 559 Euro, die an den Staat gehen, zahlt ein Haushalt gut 240 Euro in den EEG-Topf ein. 159 Euro sind Umsatzsteuer, 59 Euro Konzessionsabgabe und 72 Euro Stromsteuer. Weitere 14 Euro gehen in den Topf der Netzentgeltverordnung-Umlage (NEV) und 15 Euro fallen für die KWKG-Umlage an. Damit werden die Kosten auf Letztverbraucher umgelegt, die für die Förderung der Kraft-Wärme-Kopplungaanlagen aufgewendet werden.

All diese Umlagen hat die Politik seit Ende der 90er-Jahre Schritt für Schritt eingeführt, um Anreize zu schaffen, dass die Stromerzeugung aus Wind, Sonne, Wasser und Biomasse ausgebaut wird. Ein Ende der Steuern- und Umlagen-Flut ist nicht in Sicht. "Jüngst hat Brüssel Entgelte für die Bereitstellung von Netzreserven gebilligt, die auf die Netzentgelte draufgeschlagen werden sollen", sagt Experte Lengerke.

Der größte Brocken an den staatlichen Umlagen kam 2000: Das damals beschlossene Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) garantierte Erzeugern bislang 20 Jahre lang die Abnahme von Ökostrom zu festen Preisen. Die Höhe der Umlage berechnen die vier Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, Tennet und TransnetBW. Sie nehmen den Öko-Erzeugern den Strom ab und verkaufen ihn an der Energiebörse weiter – zu Marktpreisen, die unter den gezahlten Vergütungen liegen. Die Differenz kommt aus dem EEG-Topf. Die Umlage steigt, wenn die Börsenpreise für Strom wie heuer kräftig sinken. Ist der Höhepunkt der EEG-Umlage nun erreicht? Wohl nein. Der Börsenpreis dürfte wegen des Stromüberangebots weiter sinken und so die Umlage belasten.

Ähnlich sieht es Stefan Kapferer, Chef des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Erleichterungen seien kaum in Sicht. "Billiger wird der Strom sicher nicht." Er macht dafür die staatlich verordneten Abgaben verantwortlich. Und von denen ist die EEG-Umlage bekanntlich nur ein Teil – wenn auch ein großer.

Lesen Sie hier: AZ-Meinung - Akzeptanz verspielt

 

0 Kommentare